Lange werde es nicht dauern. Michael Ströll war zuversichtlich, dass sich die Gespräche wegen der Cheftrainerposition beim FC Augsburg nicht in die Länge ziehen werden. Dass die Verantwortlichen eine schnelle Lösung finden. Zum Wochenbeginn haben sie begonnen, sich auszutauschen. Geschäftsführer Ströll, Sportdirektor Benjamin Weber und Trainer Manuel Baum.

Die Absprache war klar. Zunächst die Bundesliga-Saison erfolgreich zu Ende bringen, ehe die Zukunft geplant wird. Mit Baum weiterhin als Cheftrainer oder als Leiter Entwicklung und Fußballinnovation? Man habe ein Gefühl entwickelt, betonten Weber und Baum am Samstag. Eine Tendenz, wie es weitergehen kann. Noch aber ist die endgültige Entscheidung nicht getroffen, ein paar Gespräche braucht es wohl noch, ehe Klarheit herrscht. Das letzte Wort hat im Zweifel Geschäftsführer Ströll.

Baum hat seit der Übernahme des Trainerpostens Anfang Dezember eine positive Entwicklung eingeleitet. Er hat viele Argumente für eine weitere Anstellung als Chefcoach gesammelt. Ströll aber hält ihn auch auf der strategischen Position für einen der Besten Deutschlands. Was also tun?

Mit Benjamin Weber ist ein Volltreffer gelungen

Ströll ist ein Mann der klaren Vorstellungen. Der Geschäftsführer hat den Klub in den vergangenen Jahren verändert. Vor drei Jahren, nach dem knapp erreichten Klassenerhalt trotz einer Niederlage in Mönchengladbach, fand ein Umdenken statt. „Wir sind da sehr kritisch miteinander umgegangen“, sagte Ströll am Samstag. Eine neue Haltung fand Einzug, die FCA-Werte sollten stärker verfolgt werden. Und ambitionierte Ziele wurden ausgerufen. „Das alles ist natürlich ein Prozess“, meinte Ströll.

Ein solcher Prozess hat es in sich, dass er nicht immer geradlinig verläuft. Auch, weil Entscheidungen nicht immer richtig sind. Wie etwa die Verpflichtung von Trainer Sandro Wagner vor einem Jahr. Dennoch endete die Saison auf Rang neun und damit erfolgreich. Auch dank Baum. Und seines Trainerteams. Weil ihnen der Umschwung gelungen ist. Und weil sie es geschafft haben, dass die Mannschaft bis zum Ende hungrig geblieben war. „Wir haben nicht nachgelassen, nachdem wir den Klassenerhalt geschafft hatten. Das steht und fällt mit den handelnden Personen. Daher ein großes Lob an Benni Weber und Manuel Baum, die das Tag für Tag vorgelebt haben“, sagte Ströll.

Der Geschäftsführer spricht bei der Trainerentscheidung gerne von einer Luxussituation. Weil Baum auf zwei Positionen einsetzbar ist. Jetzt geht es darum, die für den Verein Beste zu finden. Trainer oder Stratege Baum? Dabei aber auch nicht zu vergessen, was der 46-Jährige bevorzugt. Die Sicherheit des strategischen Jobs oder die Aufregung als Cheftrainer einhergehend mit der Sorge, bei sportlichem Nichterfolg den Arbeitsplatz womöglich räumen zu müssen. Vier Punkte sind Baum für seinen Arbeitsplatz wichtig: Sicherheit, Stärkenorientierung, Autonomie und Sinnhaftigkeit.

Vor einem Jahr war Ströll bei solch wichtigen Zukunftsentscheidungen alleine in der Verantwortung. Nach der Trennung von Trainer Jess Thorup und Sportdirektor Marinko Jurendic musste er auch im sportlichen Bereich tätig sein. Mit Trainer Wagner lag er daneben, bei Sportdirektor Benjamin Weber dagegen hat er einen Volltreffer gelandet.

Der FCA möchte weiter ambitioniert sein

Weber kam aus Paderborn, er hatte zuvor lange Jahre zusammen mit Thomas Tuchel bei europäischen Topklubs zusammengearbeitet. Weber betont immer wieder, dass mutiges Handeln wichtig sei. Dass es neue Ideen braucht, um erfolgreich zu sein. Gerade für Klubs wie den FCA, die wirtschaftlich eher zum unteren Drittel der Bundesliga gehören. Und für die Jahr für Jahr der Klassenerhalt das erste Ziel ist.

Der FCA aber möchte ambitioniert sein. Immer mal wieder die besten Zehn erreichen, vielleicht sogar zeitnah europäisch spielen. „Wir werden unseren Weg mit Klarheit und Ambition, aber auch Bodenständigkeit gehen“, sagte Ströll und versprach am Samstag bei der Saisonabschlussfeier: „Wir werden auch in der kommenden Saison eine schlagkräftige Truppe haben.“

Zunächst einmal geht es aber darum, die richtige Wahl auf dem Trainerposten zu treffen. Sollte Baum dort weitermachen, muss seine ursprüngliche Position anderweitig besetzt werden. Noch ist die Stelle als Leiter Entwicklung und Sportinnovation vakant. Der Kandidatenkreis hierfür dürfte kleiner sein als bei der Besetzung des Trainerpostens.

Zumal mit Baum ein ausgewiesener Strategieexperte bereits im Klub angestellt ist. Der 46-Jährige aber hat auch unbestritten Qualitäten als Cheftrainer. Eine Zwickmühle? Die handelnden Personen beim FCA sehen es eher als Herausforderung und Chance. Sie sind von der richtigen Entscheidung überzeugt. Wann auch immer sie die verkünden werden.