Die Kinder stürmen in den Klassenraum in der 2. Etage. Hinter ihnen liegt ein Wochenende, über das sie sich aufgeregt austauschen. Als Elisabeth Schütz die Klasse begrüßt, verstummen die Gespräche; die Kinder antworten im Chor: „Guten Morgen, liebe Frau Schütz!“ Auf dem Stundenplan steht Deutsch. Die Klasse liest das Buch „Die Vorstadtkrokodile“. Eine der Hauptpersonen sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl.
Der kleine Unterschied
„Was haben Kurt und seine Freunde gemeinsam? Worin unterscheiden sie sich?“, fragt Elisabeth Schütz in die Klasse. Die Arme schnellen nach oben. Die Kinder tragen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zusammen. Elisabeth Schütz ist Klassenlehrerin in der 4A. Als sie vor fünf Jahren ihr Referendariat an der Grundschule in der Südstadt von Halle absolvierte, stellten Ärzte ihr die Diagnose Multiple Sklerose. „So mitten im Berufsstart, das war niederschmetternd“, erinnert sich Elisabeth Schütz. Inzwischen ist noch Rheuma dazugekommen. An manchen Tagen geht es ihr schlecht. So schlecht, dass sie nicht arbeiten kann.
Schule ist marode und nicht barrierefrei
Elisabeth Schütz erzählt den Kindern altersgerecht, was diese Krankheit bedeutet, warum sie an manchen Tagen nicht unterrichten kann und oft Schwierigkeiten hat, die Treppen hochzusteigen.
Der Klassenraum liegt in der 2. Etage, einen Aufzug gibt es nicht. Das Gebäude ist im typischen Stil einer DDR-Schule der 1970er Jahre errichtet: H-Form, viele Treppen. Baulich hat sich hier seitdem nicht viel getan. Ein paar Fenster sind neu, aber insgesamt braucht die Schule dringend eine Sanierung. Wasserflecken an der Decke zeugen davon, dass es durchregnet, an den Außenwänden bröckelt der Putz, und an den Fenstern haben die Jahre Spuren hinterlassen.
So mitten im Berufsstart, das war niederschmetternd
Elisabeth Schütz über ihre Diagnose
Ein Aufzug würde Menschen mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang ermöglichen. Den aber gibt es nicht. „Wenigstens eine Rampe, damit man auch mit einem Kinderwagen hereinkommt“, sagt Elisabeth Schütz. Sie hofft, dass sie nicht irgendwann auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird.
Kollegium und Schüler nehmen Rücksicht
In den nächsten Jahren soll die Schule endlich saniert werden. „Ich glaube 2030 oder so“, verrät Elisabeth Schütz. Die baulichen Mängel werden wenigstens zum Teil durch Kolleginnen und Kollegen sowie die Kinder aufgefangen. „Anfangs musste ich viel reden“, berichtet Elisabeth Schütz. „Man sieht es mir ja nicht an, dass ich Schmerzen habe oder mir schwindelig ist.“