Bielefeld. Zu ihren Anfängen ist die Universitätsgesellschaft ein Bund mächtiger und prominenter Männer in Ostwestfalen-Lippe, die sich für die Gründung einer Hochschule in der Region stark machen. Geschichte: Heute sitzen Oberbürgermeisterin Christiana Bauer und Goldbeck-Geschäftsführerin Konstantina Kanellopoulos im Vorstand und die Uni Bielefeld steuert auf ihren 57. Geburtstag zu. Eines aber ist die Universitätsgesellschaft Bielefeld (UGBi) in den 60 Jahren ihres Bestehens für die Uni geblieben: „Die gute Freundin, auf die immer Verlass ist“.
So formuliert es Unirektorin Angelika Epple anlässlich des runden Geburtstags des Vereins der Förderinnen und Förderer der Universität. Sie betont: „Die innige Beziehung zwischen uns ist die bleibende Konstante.“ Für diese starke Verbindung sei sie als Unirektorin sehr dankbar. Es ist auch eine starke Verbindung zur Wirtschaft.
Denn unter den heute rund 500 Mitgliedern sind die großen Namen der Region vertreten: neben Goldbeck auch Bertelsmann, Böllhoff, Miele und Deutsche Bank. Auch viele Mittelständler und zahlreiche kleinere Firmen sowie Stadtoberhäupter, Politikerinnen und Politiker aus der Region machen sich in der UGBi stark für die heimische Hochschule.
Acht Millionen für die Universität Bielefeld
Mit insgesamt acht Millionen Euro habe die Gesellschaft seit ihren Anfängen Projekte und Vorhaben der Uni gefördert, sagt UGBi-Sprecherin Susanne Schaefer-Dieterle (ssd Kommunikation). Das Engagement reicht vom Universitätschor über Dissertationspreise oder den bekannten Karl Peter Grotemeyer-Preis für gute Lehre (seit 1997) bis zu vorbereitenden Untersuchungen zu Wissenswerkstadt und Medizinischer Fakultät. Die UGBi unterstütze dort, wo die Universität und ihre Strukturen an Grenzen stoßen, erklärt Schaefer-Dieterle.
Wichtige Förderung: So hat ein Stipendium das Leben von Bielefelds Oberbürgermeisterin geprägt
Während sich die heutige Förderung auf viele kleine Bausteine verteilt, die Internationalität, Vielfalt, universitäres Miteinander und die Verbindung zwischen Uni und Stadtgesellschaft stärken, ging es zu den Anfängen der Universitätsgesellschaft in den 1960er-Jahren um das große Ganze: um eine Universität für Ostwestfalen-Lippe. Neben Bielefeld konkurrierten damals Herford, Paderborn und Soest als neuer Unistandort um den Zuschlag.
Im Juli 1965 kommen auf Initiative des damaligen Bielefelder Oberbürgermeisters Herbert Hinnendahl Größen aus Wirtschaft und Politik zusammen, um die Gründung einer Gesellschaft der Freunde und Förderer einer zukünftigen Universität vorzubereiten. Am 29. Januar 1966 wird die „Westfälisch-Lippische Universitätsgesellschaft“ bei ihrer ersten Sitzung im Bankhaus Lampe gegründet. Mehr als 70 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft wählen damals mit Rudolf-August Oetker eine heute stark umstrittene Unternehmerpersönlichkeit zu ihrem Vorsitzenden: Oetker war überzeugter Nationalsozialist und 1942 freiwillig in die Waffen-SS eingetreten. Bis heute führt ihn die UGBi als Ehrenmitglied.
Breites Engagement für Universität und Stadtgesellschaft
Der im November 2025 neugewählte Vorstand der Universitätsgesellschaft Bielefeld (v. l.) besteht aus Birgit Osterwald, Herfords Bürgermeisterin Anke Theisen, Martin Henke, Vorsitzendem Rainer Norden, Konstantina Kanellopoulos, Wilhelm A. Böllhoff und Kathrin Stühmeyer-Halfar. Auf dem Foto fehlen Oberbürgermeisterin Christiana Bauer und Jörn Stöppel.
| © Stefan Sättele/UGBI
Mitte 1966 steht dann fest: Die neue Universität wird im Bielefelder Westen gebaut. In den Jahren der Gründung und des Baus wirbt die UGBi für die junge Uni am Teutoburger Wald. Während der Aufbauphase fördert die Universitätsgesellschaft dann Kultur und Kunst, Vortragsreihen (bis heute das Forum Offene Wissenschaft), Sportveranstaltungen, universitäre Feiern und vergibt Druckkostenzuschüsse. Heute hat sie ihr Portfolio erweitert und vertieft, fördert das International Office, die „teutolabs“, das Campusradio, Stiftungsprofessuren sowie Projekte, die Stadtgesellschaft und Uni einander näherbringen sollen.
Studium und Lehre: Diese Professorinnen und Professoren sind neu an der Universität Bielefeld
„Wir leben in unsteten und krisenhaften Zeiten. Ein Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, Region und Wirtschaft wird immer wichtiger, um Lösungen zu präsentieren und Brücken zu bauen und nicht einzureißen“, sagt Unirektorin Epple. In der Zusammenarbeit mit der Universitätsgesellschaft könne die Universität entsprechende Formate anbieten und weiterentwickeln. Für die Zukunft wünscht sich die Unichefin, „dass aus der tiefen Verbundenheit zwischen Universität und Universitätsgesellschaft noch weitere Ideen entspringen, die unsere Gesellschaft weiter voranbringen“.
Was sich die Universitätsgesellschaft Bielefeld – die seit der Namensänderung 2016 so heißt – zu ihrem 60. wünscht? Weitere Unternehmen und Privatpersonen, die sich engagieren für die Wissenschaft. Die Mitgliederzahlen sind zuletzt gesunken. Die Universität Bielefeld sei bis heute ein wichtiges Aushängeschild, betont Schaefer-Dieterle. Für die ganze Region OWL.
Am Freitag, 22. Mai 2026 feiert die Universitätsgesellschaft Bielefeld ihr 60-jähriges Bestehen im Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld.
📱 News direkt aufs Smartphone: Hier finden Sie den kostenlosen Whatsapp-Kanal der NW-Bielefeld
