Im Jahr 2026 feiert der aus Rheinberg stammende Künstler Thomas Baumgärtel – international bekannt als „Bananensprayer“ – das 40-jährige Jubiläum seiner Spraybanane. Aus diesem Anlass zeigt der KünstlerKostenpflichtiger Inhalt eine Ausstellungsreihe am Niederrhein. Unter dem Titel „Freiheit für Kunst“ sind in den Monaten Mai, Juni und Juli an insgesamt 40 Kunstorten parallel Werkgruppen aus vier Jahrzehnten seines Schaffens zu sehen. Moers ist gleich zweimal bei der „Niederrheintour“ Baumgärtels vertreten – mit Ausstellungen in der Kulturkneipe Die Röhre an der Weygoldstraße sowie in der Barbarakirche an der Donaustraße.

In der Röhre wird ab Freitag, 22. Mai, Baumgärtels Werkgruppe „Strafsachen“ gezeigt. Sie besteht aus Collagen, in denen er originale juristische Dokumente – wie Strafanzeigen, Polizeischreiben, Gerichtsbeschlüsse oder Strafbefehle – mit Fotografien, eigenen Aktionen und seinem charakteristischen Bananenmotiv kombiniert. „Dabei verwandelt er reale Verfahren gegen seine Street-Art-Aktionen in künstlerische Arbeiten, die das Spannungsfeld zwischen Kunstfreiheit und Strafbarkeit reflektieren und die Autorität staatlicher Institutionen ironisch hinterfragen“, so der Verein Kulturoffensive Moers, der die Ausstellung mit Unterstützung des Kulturbüros der Stadt zeigt.

Gesprühte Banane als „subversiver Kommentar“

Ausgangspunkt der „Strafsachen“ seien häufig tatsächliche Verfahren gegen Baumgärtel, zu denen es aufgrund der illegal im öffentlichen Raum ausgeführten Sprayaktionen gekommen sei. „Diese Dokumente fungieren dabei nicht nur als Hintergrund, sondern als zentrales Material der Arbeit: Sie tragen Stempel, Aktenzeichen, behördliche Sprache und verleihen den Bildern eine dokumentarische, beinahe archivhafte Qualität“, so die Kulturoffensive weiter. „Baumgärtel überblendet diese sachlich-bürokratische Ebene mit visuellen Eingriffen. Fotografien von urbanen Orten, von ihm selbst oder von Situationen im Zusammenhang mit seinen Aktionen treten in Dialog mit den Texten der Behörden. Darüber legt er seine gesprühte Banane, die wie ein subversiver Kommentar wirkt und die Autorität der Dokumente unterläuft. Teilweise ergänzt er die Collagen durch handschriftliche Notizen oder gestische Übermalungen, wodurch eine subjektive, künstlerische Perspektive in die scheinbar objektive Welt der Justiz eingeführt wird.“

Eröffnet wird die Ausstellung in der Röhre am Freitag, 22. Mai, um 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 18. Juli zu den Öffnungszeiten des Lokals zu besuchen.

Symbole für die Herausforderungen unserer Zeit

Die Barbarakirche an der Donaustraße in Meerbeck wird ab Sonntag, 24. Mai, bis Ende September Schauplatz von Baumgärtels „Niederrheintour“ – Eröffnung der dortigen Ausstellung ist um 17 Uhr. Zu sehen sind Baumgärtels „Apokalyptische Reiter“. Entlehnt aus der Offenbarung des Johannes, stehen sie bei Thomas Baumgärtel „als Symbole für die Herausforderungen unserer Zeit, zum Beispiel künstliche Intelligenz, bewaffnete Konflikte, Unterdrückung von Freiheitsrechten, Terrorismus, Klimawandel, ungleiche Ressourcenverteilung, Umweltkatastrophen oder Verlust der Biodiversität“, heißt es in der Ankündigung. „Die Darstellung der Reiter spiegelt die Widersprüchlichkeit menschlicher Erfahrungen zwischen Schönheit und Zerstörung und der Fähigkeit zu Hoffnung und Erneuerung selbst angesichts schier auswegloser und erschütternder Krisen. Sie bieten damit eine zeitgemäße Visualisierung der Offenbarung des Johannes mit dem Unterschied, dass die uns umgebenden Katastrophen allesamt menschengemacht sind.“

Bei der Ausstellungseröffnung am 24. Mai, 17 Uhr rezitiert Bernhard lauer, emeritierter Pfarrer der Barbarakirche, Gedanken zu Opfergaben und zur Offenbarung des Johannes. Zudem spielt das internationale Kammerorchester „Les Essences“ mit 18 Musikern und Musikerinnen aus 18 Ländern. Es wurde 2009 vom türkischen Geiger Önder Baloğlu gegründet und präsentiert sowohl Musik aus dem Barock als auch zeitgenössische Kompositionen.