Stand: 19.05.2026 10:31 Uhr
Auf dem Ärztetag in Hannover soll es Einladungen ins Hotelzimmer und unsittliche Berührungen gegeben haben. Am Abschlusstag hatten fünf Medizinstudentinnen ihre Erfahrungen auf dem Kongress geschildert.
Cecilia Correa und Yamina Probst waren als Delegierte der Bundesvertretung der Medizinstudierenden auf dem diesjährigen Ärztetag. Ein paar Tage später erzählen sie detaillierter, was sie und ihre drei Mitstudierenden in Hannover erlebt haben: „Teilweise wurden wir angefasst. Gerade in den Abendveranstaltungen. Da waren Hände an Stellen, wo sie nicht hingehörten“, sagt Correa. Als sie dann auf dem Podium öffentlich darüber sprechen, ist Yamina Probst fassungslos: „Da sind Leute aufgestanden, die unter den Tätern waren und haben geklatscht.“

Das hat eine Umfrage des Marburger Bundes unter 1.100 Ärzten in Niedersachsen ergeben. Die Gewerkschaft fordert Veränderungen.
Machtmissbrauch ein gewachsenes System
Sexuelle Belästigungen in der Medizin beschränken sich aber nicht nur auf den Ärztetag, sondern sind offenbar fast schon alltäglich: Einer aktuellen Umfrage des Marburger Bundes unter Klinikärztinnen und Klinikärzten in Niedersachsen zufolge berichtet jeder Zweite über Machtmissbrauch. Elf Prozent der 1.100 Teilnehmern der Umfrage berichten von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz – häufig durch Chefärzte. 2023 hatte eine Studie der Universitätsmedizin Göttingen aufgezeigt, dass sexuelle Belästigungen in Krankenhäusern schon länger keine Einzelfälle sind. 400 Ärztinnen und Medizinstudentinnen waren damals online befragt worden. Rund 75 Prozent gaben an, schon mal entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben.
Vorsitzende von Bezirksärztekammer bewundert Mut der Studentinnen
Nadja Jesswein hofft, dass nun Bewegung in das Thema kommt. Die stellvertretende Vorsitzende der Bezirksärztekammer Oldenburg war ebenfalls auf dem Ärztetag und bewundert den Mut der fünf Studentinnen. „Jetzt ist der Moment, um sich damit zu beschäftigen, dem entgegenzuwirken und Konzepte zu entwickeln“, so die Hausärztin.
Forderung nach besseren Sicherheitsmaßnahmen
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll unter anderem Arbeitnehmerinnen vor Diskriminierung schützen. Dazu gehören auch anonyme Meldestellen. In dem Punkt sieht Andreas Hammerschmidt vom Ärzteverband Marburger Bund noch Defizite: „Letztlich muss man sagen, dass es diese Meldestellen vielleicht doch nicht überall gibt und dass sie vielleicht auch nicht überall bekannt sind.“ Deshalb werden viele Fälle nicht angezeigt. Und so landen auch nur wenige vor Gericht. So wie der eines 34-Jährigen Arztes aus Delmenhorst, der 2022 zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Laut Urteil war er in einer Praxis über eine 20-jährige Auszubildende hergefallen.

Von Übergriffen und Einladungen in Hotelzimmer berichteten Studentinnen am letzten Tag des Medizinertreffens in Hannover.

Mediziner befürchten eine schlechtere Patientenversorgung und Honorareinbußen. Sie demonstrierten vor der Halle in Hannover.

Das Gericht hat den 43-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch darf er keine Frauen mehr orthopädisch behandeln.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Gynäkologen. Ihm werde es schwer gemacht, sich zu verteidigen, behauptet sein Anwalt.