An der Rahmer Straße, auf dem Grundstück des Katharinenklosters, steht eine kleine Kapelle, deren Geschichte die Angermunder Bürger lange beschäftigte. Sie ist der Ersatzneubau für eine Kapelle, die im Jahr 1666 zum Gedenken an eine Pestepidemie errichtet und 1976 abgerissen wurde, um einem Radweg Platz zu machen. Das 25-jährige Bestehen der neuen Kapelle soll nun gefeiert werden.
Die ursprüngliche Kapelle war gebaut worden, nachdem in Angermund über Monate eine Pestepidemie wütete, der etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung, mehr als 200 Menschen, zum Opfer fiel. Als die Epidemie vorbei war, wurde als Dank und zur Erinnerung an die schwere Zeit eine Kapelle errichtet, die dem Schutzpatron gegen Seuchen, dem Heiligen Rochus, gewidmet wurde. Der Standort zwischen Angermund und Rahm wurde damals mit Bedacht gewählt. „Es waren die Schützenbrüder der St. Sebastianus-Bruderschaft Angermund von 1511, die in der Pestzeit die Kranken pflegten und die Toten bestatteten und die Mitglieder dieser Bruderschaft kamen aus Angermund und Rahm“, erklärt Hermann Macher im Jahrbuch des Angermunder Kulturkreises von 2001. Deshalb pflegte die Bruderschaft auch mehr als 300 Jahre lang das Gebäude.
Als Anfang der 1970er-Jahre bekannt wurde, dass die Rochus-Kapelle für den Ausbau der Rahmer Straße inklusive Radweg abgerissen werden sollte, kam der Wunsch auf, die Kapelle zu versetzen. Das ließ aber die schlechte Bausubstanz nicht zu. „Und dann ging es auf einmal sehr schnell, denn im November 1976 war das Kapellchen quasi über Nacht verschwunden, so schnell, dass nicht einmal die Figur des Heiligen Rochus sichergestellt werden konnte, die seither verschollen ist“, schreibt Macher.
Zur Erinnerung an das Bauwerk wurde eine drei Meter hohe platzsparende Rochus-Stele aufgestellt, die vom Bildhauer Friedel Lepper angefertigt wurde. Doch viele Angermunder haben den Abriss der Kapelle stets bedauert und einen Neubau gewünscht. Mithilfe von Spenden und durch Unterstützung der örtlichen Handwerker konnte dieser Wunsch schließlich realisiert werden. Rund 150 Meter nördlich des ursprünglichen Standortes entstand das kleine Gotteshäuschen, das am 22. April 2001 in Anwesenheit von mehr als 200 Bürgern eingeweiht wurde.
In diesem Jahr jährt sich somit die Neuerrichtung der Kapelle zum 25. Mal. Dieses Jubiläum möchten der Angermunder Kulturkreis, die St. Sebastianus Bruderschaft, die Rochus-Gruppe sowie der Förderverein des Katharinenklosters Benediktinerinnen Angermund feiern. Sie laden am Pfingstmontag, 25. Mai, um 11 Uhr in den Klostergarten, Rahmer Straße 50, ein. Dann soll an die Geschichte der Kapelle und die mit ihr verbundenen Traditionen erinnert sowie eine erneute Einsegnung vorgenommen werden. Bei Regen findet die Gedenkfeier im Kloster statt.