
AUDIO: Freya Ridings spielt bei „stars@ndr2 – songs & stories“ (2 Min)
Stand: 19.05.2026 11:49 Uhr
Für das Konzertformat „stars@ndr2 – songs and stories“ stellte die Britin Freya Ridings, die mit der Pop-Ballade „Castles“ ihren Durchbruch feierte, einem ausgewählten Publikum ihr neues Album „Mother of Pearl“ vor. Ein emotionaler Abend, denn der Weg zur neuen Musik war für sie kein leichter.
Wer zuerst kommt, hat die beste Sicht: Es herrscht freie Platzwahl an diesem Abend, an dem das verregnete Hamburg die Sängerin Freya Ridings empfängt. Sobald die Türen des Foyers öffnen, stürmt das Publikum in den Saal. Wenig später betritt Ridings das intime Akustik-Setting im bodenlangen, schwarzen Kleid, nichts als ein Keyboard und ein paar Flaschen Wasser leisten ihr auf der Bühne Gesellschaft. Hinter ihr ragen Bücherregale empor, Gemälde zieren die dunkle Wand, die Location passt sich perfekt in die erwartungsvolle, fast mystische Stimmung ein.
Kraftvolle Stimme füllt den ganzen Saal
Für die NDR 2-Konzertreihe „stars@ndr2 – songs & stories“ gastierte Ridings am Montagabend im „Imperial Theater“ auf der Reeperbahn. Karten für die kleine Show in ausgewählter Runde gab es nur zu gewinnen.
Los geht es mit dem unveröffentlichten Song „Euphoria“. Ab der ersten Sekunde füllt ihre gewaltige, glasklare Stimme den Raum, jeder Ton sitzt. Ihr Pferdeschwanz wippt beim Singen im Takt hin und her. Das Publikum lauscht aufmerksam, niemand sagt ein Wort. Kurz vor dem Einsetzen des Applauses fasst sie sich ans Herz und schließt kurz die Augen. Sie scheint ganz präsent zu sein in diesem Moment.
Rückkehr zum ursprünglichen Sound
Ihr Hit „Castles“ dürfte vielen noch im Ohr sein. Im Sommer 2019 eroberte die Pop-Ballade das deutsche Radio. Melodisch eingängig, inhaltlich nachempfindbar, symbolstark und vor allem: traurig. Die 32-jährige Britin ist bekannt für ihre Herzschmerz-Songs. Mit ihrem neuen Album „Mother of Pearl“, das am 29. Mai erscheint, kehrt sie zu diesem ursprünglichen Sound zurück. Das Storytelling am Piano mache ihre Kunst aus, erzählt sie.
In letzter Zeit war es ruhig um die Britin geworden, das letzte Album liegt bereits drei Jahre zurück. Doch nun der Wendepunkt: „I’ve found the fire that I always needed“ („Ich habe das Feuer gefunden, das ich immer brauchte“) singt sie in der Single-Auskopplung „Wicker Woman“. Was also hat sich verändert?
Trennung vom toxischen Manager: Veränderung seit letztem Album
Für die Künstlerin war es nicht weniger als der wohl wichtigste Ablösungsprozess ihrer Karriere. Mit dem internationalen Erfolg von Songs wie „Lost Without You“ seien auch die Stimmen von Menschen aus der Musikindustrie lauter geworden, die sie in eine Richtung drängen wollten, so Ridings. Ihr „toxischer Manager“ habe sie sogar davon abgehalten, das Album aufzunehmen. „Es war eine sehr dunkle Zeit für mich. Diese Männer haben mir die Liebe für die Musik weggenommen. Es war das erste Mal, dass ich Misogynie in der Branche erlebt habe.“
Auf den Befreiungsschlag folgt selbstbestimmte Musik

Hat sich ihre Musik zurückerobert: „Castles“-Star Freya Ridings
Eine Phase, die zunächst von Selbstzweifeln geprägt ist, mündet für Ridings schließlich in einen Neuanfang. Sie rebelliert, befreit sich aus den manipulativen Verhältnissen – und beginnt, mit einer neuen Produzentin zu arbeiten. Stein für Stein habe sie ihr Selbstvertrauen wieder aufgebaut und sich am Ende die Lust auf Musikmachen zurückerobert – „doch der Weg dahin war kein einfacher.“
„I hope you crumble to your knees“ („Ich hoffe, du sinkst in die Knie“), singt sie heute mit kämpferischer Stimme. Ihr ehemaliger Manager würde es hassen, dass sie ihr Album jetzt doch selbstbestimmt beenden konnte. „Und genau das macht mich glücklich“, triumphiert Ridings.
Herzschmerz-Balladen mit Feuer
Traurige Herzschmerz-Balladen sind zwar auch auf dem neuen Album noch immer ihr Markenzeichen. Doch mit den Erfahrungen der letzten Jahre kam „das Feuer“ hinzu. Für Ridings die ideale Mischung: „Schließlich bin ich Widder und habe rote Haare.“
Bei dem Konzert hängt ein Gefühl von „jetzt erst recht“ in der Luft, von einer Heldinnenreise, auf der sie mit stolzer Brust den „mittelalten Männern“, die ihr damals einredeten, „nicht genug zu sein“, endlich das Gegenteil beweisen kann.
„Musik ist für mich wie ein Schmerzmittel“
Nach sieben Jahren spielt sie nun erstmals wieder in Hamburg. Endlich sei sie den Menschen hier wieder nah, schon im Oktober werde sie im Rahmen ihrer Tour zurückkehren und ihre Liebesgeschichte mit Deutschland fortsetzen, verkündet sie freudig. Es sind die Liebesgeschichten, die den roten Faden ihres Auftritts bilden. Ein Song handelt von der größten, die sie je erlebt hat, ein anderer von einer, die sie eigentlich niemals erzählen wollte. Was sie alle eint: die authentischen Texte.
Sie schlägt wieder ruhige Töne an, ist mit den nicht überproduzierten Songs wieder ehrlich mit sich selbst. Als sie den titelgebenden Song „Mother of Pearl“ anstimmt, ist der Schmerz in ihrer Stimme zu hören. Seine zutiefst persönlichen Zeilen wollte sie eigentlich geheim halten, verrät sie – zu viel Angst habe sie davor gehabt, sich so verletzlich zu zeigen. „Ich fühle so viel. Ich bin eine sehr emotionale Person. Musik ist für mich wie ein Schmerzmittel.“
Doch sie sei froh, dass sie sich traue, sich ihrem Publikum zu öffnen. „Lost Without You“ sei sogar auf Beerdigungen gelaufen, habe Menschen Trost in der härtesten Zeit ihres Lebens gespendet. „Die Menschen sind so offen mit mir, da möchte ich offen zurück sein“.

Der Niedersachse hat bei NDR 2 sein noch unveröffentlichtes Album vorgestellt. Die zwölf neuen Songs handeln vom Tanzen, von Liebe – und vom Hass im Netz.
„Castles“ als Höhepunkt des Abends: Gäste zufrieden
Während der ganzen Performance wirkt sie angekommen, auch im Scheinwerferlicht ganz bei sich, sowohl musikalisch als auch spirituell: „Ich bin endlich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt“, bestätigt die Britin. Natürlich beendet ihr Hit „Castles“ als letzter Song den Abend. So, wie die Fans es sich wünschen. Das Lied war in Deutschland nämlich früher als in anderen Ländern erfolgreich: „Vielleicht, weil Deutschland so viele Schlösser hat“, scherzt Ridings auf der Bühne. Gäste holen ihre Handys raus, schwenken die Taschenlampen, im Refrain stimmen viele mit ein.
Nach Song Nummer zwölf und einer Runde Standing Ovations ist das Konzert vorbei. „Ich gehe total geflasht nach Hause“, erzählt eine Zuschauerin, die einen Platz in der ersten Reihe ergatterte. „Und ich finde die neuen Songs super.“
Die Sängerin selbst nimmt das Konzert mehrmals zum Anlass, dem deutschen Radio ihre Dankbarkeit zu zeigen. Denn dass NDR 2 damals als einer der ersten Sender überhaupt ihre Songs spielte, habe ihr Leben verändert. Freya Ridings und NDR 2: Am Ende eine ganz eigene Liebesgeschichte.

Es gibt sie tatsächlich schon 30 Jahre: Die Sportfreunde Stiller haben am 21. Januar im Landesfunkhaus in Hannover gespielt.

Im November erscheint das zweite Album des Indie-Musikers. Vorab spielte er im Rolf-Liebermann-Studio ein exklusives Konzert.
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