Erster Ebola-Patient seit LangemWie Deutschland mit tödlichen Erregern umgeht
Eine Übung in der Sonderisolierstation in der Münchner Klinik Schwabing. (Foto: picture alliance / SZ Photo)TeilenFolgen auf:
Nach mehr als zehn Jahren soll erstmals wieder ein Ebola-Patient in Deutschland behandelt werden. Es gibt hierfür in sieben Städten spezielle Behandlungszentren. In eines dürfte der Patient nun mit einem sogenannten „Epishuttle“ eingeliefert werden.
Ein einziger der Todesfälle der Ebola-Epidemie ab 2014 mit mehr als 11.000 Toten ereignete sich in Deutschland. Insgesamt drei Patienten waren damals zur Hochzeit des Ebola-Ausbruchs nach Deutschland eingeflogen worden. Mediziner betreuten sie dann auf sogenannten Sonderisolierstationen – in Frankfurt/Main, Leipzig und Hamburg-Eppendorf. Es handelte sich bei allen Patienten um medizinisches Personal verschiedener Nationalitäten.
„Die drei genannten Patienten hatten sich beim Hilfseinsatz im Rahmen des westafrikanischen Ebolafieber-Ausbruchs infiziert“, schrieb die Bundesregierung Ende 2019 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Abgeordneten. Es sind die bis heute einzigen bekannten Ebola-Behandlungsfälle hierzulande. Einer der Patienten, der in Leipzig, verstarb im Alter von 56 Jahren.
Nun könnte nach längerer Zeit ein weiterer Fall dazukommen. Ein mit dem Ebolavirus infizierter US-Amerikaner soll hierzulande versorgt werden. Wegen der kürzeren Flugzeiten und der Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten soll der Mann laut US-Informationen nach Deutschland verlegt werden – ebenso wie sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko.
Die US-Behörden hätten die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-Staatsbürgers gebeten, der sich im Kongo mit Ebola infiziert habe, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit. Derzeit werden Vorkehrungen getroffen, ihn in Deutschland aufzunehmen und behandeln zu können.
Sieben Standorte in Deutschland
Zum Behandlungsort des infizierten US-Bürgers in Deutschland gibt es bislang keine Informationen. Das Bundesgesundheitsministerium erläuterte allgemein, für das Management und die Versorgung von Patienten mit Krankheiten durch hochpathogene Erreger gebe es ein bundesweites Expertennetzwerk.
Vermutlich dürfte eine Behandlung wiederum in einer der sieben bundesweiten Sonderisolierstationen erfolgen, die eben für solche Behandlungen zuständig sind und in einem Arbeitskreis mit dem Namen STAKOB (Ständiger Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger) organisiert. Dieser ist beim Robert-Koch-Institut angesiedelt. Neben den oben genannten drei Standorten befinden sich dem Arbeitskreis angeschlossene Behandlungszentren an Kliniken in Berlin, Düsseldorf, Stuttgart und München.
Was heißt „hochpathogen“?
In den Behandlungszentren wird unter strengsten Schutzvorkehrungen behandelt. Der Begriff „hochpathogen“ bedeutet, dass ein Krankheitserreger schwere und oft tödliche Krankheiten auslösen kann. Auch wenn das Ebola-Virus ausschließlich durch direkten Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten übertragen wird, also weitaus weniger ansteckend ist als zahlreiche andere Viruserkrankungen, erfordert die hohe Sterblichkeit bei Infektion und Ausbruch der Krankheit, dass das medizinische Personal mit Schutzanzügen arbeitet und sich in Schleusen- und Druckluftsystemen bewegt. Letzteres heißt, dass es verschiedene Bereiche mit unterschiedlichem Luftdruck geben kann – wie etwa auf der seit Kurzem nach einer Modernisierung wieder einsatzbereiten Sonderisolierstation an der Klinik Schwabing. Herrscht im Patientenzimmer ein Unterdruck, dringen Krankheitserreger nicht nach außen.
Bei einer internationalen Einsatzübung wird ein Hochinfektionspatient im sogenannten „Epishuttle“ auf die Sonderisolierstation an der Universitätsklinik Düsseldorf transportiert. (Foto: picture alliance/dpa)
Laut Bundesregierung von 2019 verfügen die sieben Sonderisolierstationen in Deutschland „nach Kenntnisstand des Bundesgesundheitsministeriums baulich-technisch grundsätzlich über ca. 50 Behandlungsbetten.“ Über die Belegbarkeit der Betten entscheide im Ereignisfall das jeweilige Krankenhaus gemeinsam mit den zuständigen Landesgesundheitsbehörden.
Aufwendige Behandlung
Noch 2014 äußerte sich der damalige Leiter der Sonderisolierstation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus skeptisch zu dieser Zahl. „Auf Bundesebene ist die Zahl von 50 Betten für Ebola-Patienten sehr hoch gegriffen, höchstens 20 Fälle sind auf höchster Schutzstufe kontrolliert zu bewältigen“, so der Mediziner Eduard Stange damals gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Seitdem ist viel passiert, aber alleine der Personalbedarf dürfte die Kliniken bei weitaus weniger Patienten bereits an ihre Belastungsgrenze bringen.
Zudem haben die Sonderisolierstationen noch mit weiteren Krankheiten zu tun. Nach dem kürzlichen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff waren vier deutsche Passagiere in der Universitätsklinik in Frankfurt untersucht worden. „Die Personen werden dort in einer spezialisierten Sonderisolierstation des STAKOB-Zentrums betreut und medizinisch untersucht“, teilte ein Sprecher der Unimedizin mit.