Die Natur der Tiere lässt sie auf Distanz gehen
Eigentlich sind Tiere von Natur aus vorsichtige Wesen. Und gerade um uns Menschen machen sie in der Regel einen großen Bogen. Was sie vor einer möglichen Bedrohung schützt. Aber was auch für uns Menschen Vorteile bringt. Nicht nur, dass wir bei einer möglichen Auseinandersetzung mit einigen Spezies, wenn es nun wirklich dazu käme, den Kürzeren ziehen würden. Auch in Bezug auf Zoonosen, also auf Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, stellt sich eine gesunde Distanz als hilfreich heraus (wir haben bei Covid-19 gesehen, was passieren kann). Und das gilt übrigens auch für den umgekehrten Übertragungsweg.
Schwierig wird es also dann, wenn diese gesunde Vorsicht beider Seiten schwindet. Bei echten Haustieren ist das natürlich kein Problem – hier war die Annäherung ja eine über Jahrhunderte dauernde gewollte Entwicklung. Bei den Tieren aber, die als primäres Ziel nicht unbedingt die Begleitung des Menschen haben, kann das schwierig werden. So gehören Ratten, Tauben, in manchen Gegenden auch Möwen schon lange zu den festen „Einwohnern“ von Städten und halten damit dort eben nicht die Distanz ein, die ihnen eigentlich innenwohnen sollte und die man bei ihren Artgenossen auf dem Land auch wirklich beobachten kann.
Ist die Stadtmaus mutiger?
Es stellt sich also die Frage: Gibt es unterschiedlich ausgeprägte Ängste bei tierischen Land- und Stadtbewohnern? Sind Stadttiere vielleicht mutiger als ihre ländlichen Artgenossen? Genau dieser Frage sind Forscher des Lewis & Clark College im US-amerikanischen Portland / Oregon, des CEFE-CNRS in Montpellier und der North Dakota State University nachgegangen. Sie haben 80 vorhandene Studien aus 28 Ländern zusammengebracht, in denen Verhaltensmerkmalen von 133 verschiedenen Tierarten untersucht wurden. 70 Prozent dieser Forschungen konzentrierten sich auf Vögel, so dass hier von einer guten Grundlage gesprochen werden kann. Insekten, Reptilien und Amphibien hingegen waren nur mit 10 Prozent der Daten vertreten, so dass gerade auf diesem Gebiet noch sehr viel weitere Studien erforderlich wären.