
AUDIO: Weiterer Mord-Prozess gegen „Maskenmann“ in Frankreich gestartet (1 Min)
Stand: 19.05.2026 16:54 Uhr
Der ehemalige Betreuer Martin N. aus Bremen ist 2012 wegen dreifachen Kindesmordes verurteilt worden. Am Dienstag ist in Nantes in Frankreich ein neuer Prozess gegen ihn gestartet. Ihm wird ein weiterer Mord vorgeworfen.
Das Opfer soll ein zehn Jahre alter französischer Junge gewesen sein. 2004 soll der angeklagte Martin N. das Kind aus einem Schullandheim in der Bretagne entführt und getötet haben, so die Anklage. Die Leiche des Jungen war mit einem Betonblock beschwert und unbekleidet in einem Teich gefunden worden. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bei den Ermittlungen bisher bestritten. Auch am ersten Prozesstag wies er die Schuld von sich.
1990er und 2000er: „Maskenmann“ versetzt Norddeutschland in Angst
Martin N. führte lange ein Doppelleben, ohne dass jemand Verdacht schöpfte. Tagsüber kümmerte er sich als Betreuer auf Ferienfreizeiten und in Heimen um seine Schützlinge. Nachts drang er jahrelang immer wieder in Wohnhäuser, Schullandheime und Zeltlager ein, um Jungen zu missbrauchen. Der heute 55-Jährige gestand etwa 40 Fälle sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen – unter anderem in den Landkreisen Rotenburg und Cuxhaven sowie in Bremen. Dabei trug er meist schwarze Kleidung und eine Sturmhaube. Betroffene Kinder hatten von einem „schwarzen Mann“ gesprochen, ihre Aussagen wurden in mehreren Fällen nicht ernst genommen. Zwischen 1992 und 2001 hatte Martin N. drei Jungen im Alter zwischen acht und 13 Jahren getötet. Darunter Stefan J., der aus einem Internat in Scheeßel (Landkreis Rotenburg/Wümme) verschwand, Dennis R., der ein Zeltlager in Selker Noor in Schleswig-Holstein besucht hatte, und Dennis K., der aus dem Schullandheim in Wulsbüttel (Landkreis Cuxhaven) entführt wurde.
Polizei fasst Martin N. nach über zehn Jahren
2011 fassten Ermittler Martin N.. Im Februar 2012 verurteilte ihn das Landgericht Stade wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs in 40 Fällen zu einer lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Anfang 2021 wurde Martin N. aus der Justizvollzugsanstalt Celle in die JVA Offenburg (Baden-Württemberg) gebracht, von wo er wegen des möglichen weiteren Verbrechens nach Frankreich ausgeliefert wurde.
Französischer Mordfall weist Parallelen zu Taten des „Maskenmannes“ auf
Der Fall des im Jahr 2004 dort getöteten Jungen wies Parallelen zur Tatserie des „Maskenmannes“ in Norddeutschland auf. Deshalb untersuchten die französischen Fahnder ab 2008, ob Martin N. für die Tat in der Bretagne infrage kommen könnte. Konkrete Beweise wie DNA-Spuren wurden zwar nicht gefunden. Ein Zeuge aber gab an, einen Wagen mit deutschem Kennzeichen in der Nähe des Teichs beobachtet zu haben, der dort anscheinend etwas ausladen wollte. In dem Teich war die Leiche des Jungen gefunden worden. 2017 berichtete zudem ein Mitgefangener, Martin N. habe ihm gestanden, in Frankreich ein Kind getötet zu haben. Der Prozess in Nantes soll bis zum 5. Juni dauern.

Am 13. April 2011 wurde Martin N. festgenommen. Etliche Jahre war er in Schullandheime und Privathäuser eingedrungen, um Jungen zu missbrauchen.
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