Stand: 19.05.2026 17:32 Uhr
Der Hamburger Musiker und Psychotherapeut Andy Sharif verhandelt in seinen Songs seine eigene Queerness. Dass er offen zu seiner Beziehung steht, stößt in seiner Familie auf massive Ablehnung. Auch in seiner Praxis macht er die Erfahrung, dass der Hass meist von Zuhause kommt.
Ein Song über einen Vater, der seinen Sohn nicht akzeptiert. Andy Sharif verarbeitet mit seiner Single „BABA“ ein emotionales Kapitel seiner Geschichte. Nachdem der Hamburger öffentlich über seine Beziehung postet, erlebt der 31-Jährige massive Ablehnung aus der eigenen deutsch-iranischen Familie. „Ich habe von meiner Mutter mitgeteilt bekommen, dass mein Vater vor ihr geäußert hätte, dass er mich umbringen möchte. Ich erinnere diese Zeiten noch, wie ich in Angst gelebt habe, weil er wusste, wo ich wohne. Sie rief mich an und sagte: Papa fährt nach Hamburg. Er war aufbrausend, er hat gesagt, er bringt dich jetzt um.“
In seinen Songs verarbeitet er schwierige Zeit
Mit der Musik findet Andy ein Ventil für seine Emotionen. „Der Song bedeutet für mich eine Aussöhnung mit dieser Zeit, das ist kein wütender Song, sondern einer, der Jahre später nach dieser Verletzung entstanden ist.“
Neben der Musik arbeitet Andy seit zwei Jahren als Psychotherapeut in seiner Praxis in Eimsbüttel. Für den 31-Jährigen spielt aber auch Social Media eine große Rolle. Auf seinem Instagram-Kanal gibt Andy Impulse zu mentaler Gesundheit in queeren Lebensrealitäten. Er zeigt Einblicke in seine Arbeit und sein Leben. Mehr als 200.000 Menschen schauen seine Videos. Immer wieder bekommt er Nachrichten von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
„Hass findet in den Familien statt“
Auch in seiner Arbeit als Psychotherapeut begegnen ihm Geschichten, die seiner eigenen ähneln: „Ich finde es krass, wie viele Menschen immer noch mit Queerfeindlichkeit zu tun haben. Besonders junge, queere Menschen kommen häufig zu mir in die Praxis und berichten, dass dieser Hass, diese Anfeindungen und diese Hetze nicht nur draußen stattfindet, sondern hauptsächlich in den Familien. Jedes Mal, wenn ich so etwas höre, verletzt mich das.“
Mit seinem Song „BABA“ macht Andy seine Geschichte öffentlich. Damit will er anderen Betroffenen Mut machen und zeigen: Homophobie beginnt manchmal nicht nur im Netz oder auf der Straße, sondern in der eigenen Familie.

Derzeit tourt die Norddeutsche mit ihrem neuen Album durch das Land. Ihre Texte sind sehr persönlich.

Ob im Alltag oder beim Sport, Personen erleben Queerfeindlichkeit überall. Besonders im Fußball ist das ein Problem.

Die Zahl der Delikte im Netz habe sich verdoppelt, teilt die Polizeidirektion Hannover anlässlich des Tags gegen Homophobie mit.