Die Vorhersagemodelle der Meteorologie gehören für viele Menschen seit Jahrzehnten zum Alltag, wenn sie am Handy den Wetterbericht öffnen. In der Infektionsforschung sind Modellrechnungen einer breiten Öffentlichkeit erst zu Beginn der Corona-Pandemie begegnet. Wie schnell breitet sich das Virus aus, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden? Wie viele Menschen werden dann sterben? Dank der errechneten Szenarien konnten Politik und Gesellschaft reagieren. Ohne die dann ergriffenen Maßnahmen wären wahrscheinlich noch mehr Menschen an einer Infektion gestorben.
Grenzen der Pandemie-Modelle: Warum Prognosen zu Corona und Maßnahmen oft unsicher waren
Trotzdem haben die Modelle auch große Lücken offenbart. Denn zum einen konnten sie mangels empirischer Daten nicht richtig abschätzen, welchen Effekt welche einzelne Maßnahme genau hatte. Andererseits haben Forschungsteams auch erst spät die gesellschaftlichen Reaktionen auf die Regeln und den Widerstand dagegen in die Modelle integriert.
In dem von der Universitätsmedizin Halle koordinierten Modellierungsnetz für schwere Infektionskrankheiten (MONID) arbeiten Forschende deshalb seit 2022 daran, die Rechenmodelle zu verbessern. Wie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) jetzt mitteilt, bekommt das Netzwerk in einer zweiten Förderphase bis 2029 rund 17 Millionen Euro für die Arbeit.
Neue Risiken im Blick: verbesserte Modelle für künftige Infektionskrankheiten
Zwar ist das Coronavirus Sars-CoV-2 nicht mehr so bedrohlich, wie noch vor fünf Jahren. Doch andere, neue und teilweise komplexere Infektionen drohen dank Klimaerwärmung in Europa Fuß zu fassen oder sich noch stärker zu verbreiten. Dazu gehören sogenannte vektorübertragene Infektionen wie das Westnil-Virus, das sich in Deutschland teilweise bereits in Vögeln dauerhaft eingenistet hat, und von dort durch Mücken auch auf Menschen übertragen werden kann.
Bei MONID wollen die Forschenden daher genauer berechnen, wie sich die Lebensräume für Überträger wie Zecken und Mücken in Deutschland entwickeln könnten. Von dort aus möchten die Teams abschätzen, wie sich das Risiko für die Übertragung von Krankheiten wie Zika oder Chikungunya verändert. Auch Krankenhauskeime und neue Informationsplattformen werden Themen für die zweite Förderphase des Netzwerks sein.