Werther. „Brauchen Sie noch mehr Unterschriften?“, fragt Ulrike Schröder die sieben Kommunalpolitiker im Anregungs- und Beschwerdeausschuss, nachdem sie ihnen zuvor 400 Unterschriften vorgelegt hat, die ihr Ansinnen unterstützen. Die Kommunalpolitiker lachen, was wohl einem Nein als Antwort gleichkommt.

Ulrike Schröder erfährt nicht nur durch die Zahl der Unterschriften breite Unterstützung: Zwölf Gleichgesinnte haben sich ihr im Ratssaal angeschlossen. Die Bürger sind gegenüber den Ratsmitgliedern klar in der Überzahl. So verleihen sie der Petition erheblichen Nachdruck.

Ihre Forderung ist deutlich: Schluss mit der unkontrollierten Böllerei an Silvester. Als Gründe bringen sie den Schutz der Tiere, der Umwelt und nicht zuletzt der Menschen vor. Darüber wünscht sich Ulrike Schröder eine Debatte und sucht schon jetzt nach Alternativen zur bisherigen Böller-Praxis.

Wertheranerin appelliert an jeden Bürger und jede Bürgerin

„Ich bin nicht für ein striktes Böllerverbot“, stellt sie klar. In Abwägung mit den Grundrechten scheint ein Böllerverbot ohnehin aussichtslos zu sein. Ulrike Schröder schlägt stattdessen ein zentrales, städtisches Feuerwerk oder eine Lasershow als Alternativen am Silvesterabend vor.

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Die Folgen wären weniger Lärm, weniger Müll, weniger Feinstaub. Und nicht zuletzt weniger Kosten, weniger Verletzte und weniger Rettungseinsätze, zählt sie auf. „Lassen Sie uns die Silvesternacht überdenken, und auf eine Art und Weise feiern, die für alle Menschen und Tiere respektvoll ist“, sagt Ulrike Schröder im Ratssaal und richtet den Appell zugleich an jeden Bürger und jede Bürgerin der Stadt.

Die Mitglieder des Beschwerdeausschusses scheinen ihr Anliegen zwar zu befürworten, doch zur vorgeschlagenen Alternative sagt der Bürgermeister: „Für ein zentrales, städtisches Feuerwerk fehlen der Stadt die Kapazitäten“. Denn schließlich findet nur drei Wochen vorher Werthers Weihnachtsmarkt statt, fügt Veith Lemmen hinzu.

Das sagt die Politik in Werther zum geforderten Böller-Verbot

Seit Februar dieses Jahres ist Ulrike Schröder immer wieder von Tür zu Tür gegangen. Kerstin Flachmann und Annette Wellinger haben sich an der Sammelarbeit beteiligt. „Die meisten, mit denen ich spreche, sind dafür“, sagt Ulrike Schröder. Bestätigung habe sie zum Beispiel von zwei Ärzten erfahren, die ihr von immer wieder vollen Notaufnahmen durch Silvesterfeuerwerk erzählten. Dennoch schätzt Uwe Gehring von der UWG-Fraktion die kommunalpolitische Handhabe in der Frage als „ernüchternd“ ein. Das spiegelt sich auch im bundesweiten Trend auf kommunaler Ebene wider: Der reicht bislang nicht über lokale Verbotszonen beispielsweise an Krankenhäusern oder Altenheimen hinaus. War das Unterschriftensammeln also vergebens?

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Ulrike Schröder ist mit ihrer Meinung nicht alleine. Organisationen wie die Ärztekammer, die Umwelthilfe oder die Gewerkschaft der Polizei befürworten sogar ein flächendeckendes Böllerverbot. Der Weg bis dahin ist lang: Wer derzeit ein böllerfreies Silvester in Deutschland feiern will, muss auf der Insel Amrum oder im Kurort Sankt Peter-Ording den Jahreswechsel verbringen.

Ulrike Schröder hat immerhin eines erreicht: Der Beschwerdeausschuss reicht ihr Anliegen weiter an den Haupt- und Finanzausschuss, der am 17. Juli tagt. Die Abstimmung darüber verlief einstimmig. Im Haupt- und Finanzausschuss können die Kommunalpolitiker Ideen zur Änderung der Böllerei konkreter erörtern. „Das finde ich gut“, sagt Ulrike Schröder.

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