Die übrigens niemand verlegen wollte, weil Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch damit ein ekliges Thema zu Buche gebracht haben. Aber hier in Wuppertal sah das Team um Hermann Schulz, der 1989 Verlagsleiter war, vielleicht nicht diese ungeahnt riesigen, aber doch gute Erfolgschancen für den Maulwurf.

Michael Kozinowski, Vorsitzender des Aufsichtsrates, führt durch den Abend, der sowohl eine Geburtstagsfeier als auch die Ausstellungseröffnung in der Bibliotheksgalerie ist. Er beginnt mit Grußworten von Karin Röhrich, Leiterin der Bibliothek, und Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, die erklärt, dass ein gutes Kinderbuch eines ist, „das auch Erwachsene gern zur Hand nehmen“.

Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, schafft es aus DB-logistischen Gründen nicht pünktlich zur Eröffnung, schickt aber eine Video-Botschaft, in dem er den einzigen Verlag, der von 1966 noch übrig ist, wegen seiner zahlreichen Preise und seiner 1404 Veröffentlichungen sowie seiner subversiven Note lobt. Und die liegt schließlich schon im Namen: Peter Hammer ist die deutsche Übersetzung des französischen Decknamens Pierre Marteau, den Urheber oppositioneller Schriften schon vor mehreren Jahrhunderten nutzten, um sich der Obrigkeit zu entziehen. Irgendwie hat das der kleine Maulwurf ja auch getan – und wurde wohl auch deswegen mehr als drei Millionen Mal verkauft und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Das wichtigste Buch des Verlages, das auf Finnisch übrigens „Pikkumyyrä joka tahtoi tietää kuka kehtasi kakkia kikkaran suoraan hänen päähänsa“ heißt, wird in der Ausstellung mit einer eigenen Vitrine im Erdgeschoss der Stadtbibliothek geehrt. Die Treppe hoch, führen dann Bücher, die jeweils in einem der 60 Jahre der Verlagsgeschichte erschienen sind. Aus einigen von ihnen liest Schauspieler Olaf Reitz, der einen Koffer mit gesammelten Peter Hammer-Werken aufklappt. Er beginnt auf dem lateinamerikanischen Kontinent und mit Angela Zagos „Tagebuch einer Guerilla-Kämpferin“, liest dann aus Ernesto Cardinals „Evangelium der Bauern von Solentiname“, und widmet sich schließlich den „Offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano, das „echt – leider – aktuell ist“.

Olaf Reitz wechselt den Kontinent und zieht Werke der vielfältigen Literatur Afrikas aus seinem Koffer, die im Peter Hammer Verlag erschienen sind, darunter „Big Chiefs“ von Meja Mwangi und Kangni Alems „Coca Cola Jazz“. Schließlich widmet er sich auch historischen Veröffentlichungen: „Auschwitz begann in Wuppertal“ von Kurt Schnöring, „Odyssee der Seele“ von Armin T. Wagner und „Lasker-Schüler – ein Buch zum 100. Geburtstag der Dichterin“, herausgegeben von Michael Schmid.

Literarischer Galopp durch sechs Jahrzehnte Verlagsgeschichte

Den literarischen Galopp durch sechs Jahrzehnte Verlagsgeschichte unterbricht Bettina von Clausewitz, um mit dem aktuellen Verlagsleiter Moritz Klein zu sprechen. Er betont, dass der Verlag keine Bücher, sondern Autoren verlegt, wodurch er das Potenzial eines Werks über eine lange Zeit verfolgt. „Wir haben außerdem das große Glück, dass sich unsere Autorinnen verbunden fühlen, auch wenn es kleine finanzielle Nachteile gibt, Bücher bei einem kleinen unabhängigen Verlag zu veröffentlichen.“ Denn, so gibt der Verlagsleiter zu, Peter Hammer bleibe ein Scheinriese, der viel kleiner sei, als seine Präsenz vermuten lasse: „Alle denken, wir wären größer – aber wir sind nur fünf Festangestellte.“ Was auch daran liege, dass die Publikationen zwar nur 0,1 Prozent der Neuerscheinungen am deutschen Buchmarkt ausmachten, aber einen Anteil von 7,5 Prozent bei den Nominierungen für Kinder- und Jugendbuchpreisen.

Und das mit gutem Grund, denn die Kinderbücher, auch geprägt durch die Illustrationen von Wolf und Leonard Erlbruch, sind eine wunderbar „wilde Mischung“ – deshalb heißt wohl auch die Ausstellung in der Stadtbibliothek so. Sie läuft übrigens noch bis zum 14. Juli, und bis dahin können die kleinen Gäste den Maulwurf und seine Geschwister im gesamten Haus suchen, zählen – und eins von 30 Büchern bei einer Verlosung gewinnen. Leider kann aber nicht an jedem dieser Ausstellungstage Olaf Reitz aus dem Gedichtband „achtunddreißig Wachteln kommen zum übernachteln“ von Arne Rautenberg vortragen. Zu schade, denn das „Gedicht der Schnecke“ liest er in einer solch beeindruckenden Langsamkeit, dass das ganze Publikum im Blauen Salon zu kichern beginnt. Erwachsene sind eben auch nur ausgewachsene Kinder.