Befreiungsangriff mit Folgen

Laut dem Bericht stand Ahmadinedschad zuletzt unter faktischem Hausarrest im Osten Teherans. Rund 50 Sicherheitskräfte der Iranischen Revolutionsgarden hätten seine Bewegungen überwacht und den Zugang zu seinem Wohnsitz am Ende einer Sackgasse kontrolliert.

Dann begann am 28. Februar dieses Jahres der Krieg mit dem US-israelischen Schlag gegen Ali Chamenei und große Teile der Staatsführung. Während der ersten Angriffe auf Iran wurde dann auch das Umfeld von Ahmadinedschads Haus bombardiert. Laut dem Bericht zielte der israelische Luftangriff auf die Bewacher des 69-Jährigen. Satellitenbilder zeigten später, dass der Sicherheitsposten am Eingang der Straße zerstört wurde.

Kurz nach dem Angriff kursierten Berichte über Ahmadinedschads Tod – auch t-online berichtete darüber. Später hieß es aus iranischen Medien, Ahmadinedschad habe überlebt, mehrere seiner „Leibwächter“ seien jedoch getötet worden. Tatsächlich handelte es sich dabei aber wohl um seine Bewacher der iranischen Revolutionsgarden.

Wie Al Jazeera berichtete, wurden bei dem Luftangriff auch eine Oberschule und ein Sportzentrum getroffen. Dabei kamen mindestens zwei Kinder ums Leben.

Obwohl der Angriff nicht auf Mahmud Ahmadinedschad selbst zielte, wurde er bei diesem wohl verletzt. Daraufhin soll er das Vertrauen in das Vorhaben verloren haben und untergetaucht sein. Das Regime kennt seinen Aufenthaltsort wohl selbst nicht. Seit seinem Verschwinden veröffentlichte er nur eine offizielle Stellungnahme zum Tod von Ali Chamenei.

Rascher Regimewechsel

Der Bericht wirft ein neues Licht auf den Beginn des Iran-Kriegs. Wie US-Medien bereits mehrfach berichteten, soll der israelische Premier Benjamin Netanjahu den US-Präsidenten Donald Trump in mehreren Treffen von einem Angriff überzeugt haben. Dabei soll er es als ausgemachte Sache dargestellt haben, dass das System kollabieren würde.

Demnach hofften die israelischen Planer auf Aufstände innerhalb des Iran, eine Mobilisierung kurdischer Kräfte und Machtkämpfe innerhalb der Elite. Der Plan soll mehrere Stufen umfasst haben: die Tötung der obersten Führung, massive Luftangriffe, innere Unruhen und schließlich die Bildung einer alternativen Regierung. Diskutiert worden seien verschiedene Figuren für eine mögliche Nachkriegsordnung – darunter auch Ahmadinedschad. Ausgerechnet ein Politiker, der über Jahre weltweit als antisemitischer Hardliner auftrat, galt für Israel offenbar als denkbare Figur eines Machtwechsels.

Laut der „New York Times“ stießen die Vorstellungen eines raschen Umbruchs allerdings auf amerikanischer Seite auch teils auf Skepsis. Geheimdienstvertreter hielten einen schnellen Regimewechsel demnach für unrealistisch. Der damalige CIA-Direktor John Ratcliffe soll entsprechende Pläne als „lächerlich“ bezeichnet haben, schreibt die Zeitung. Besonders skeptisch sollen US-Beamte demnach gegenüber der Vorstellung gewesen sein, ausgerechnet Ahmadinedschad könne an die Macht zurückkehren. Den Befehl zum Angriff gab Donald Trump trotzdem.