Wehmut angesichts des Endes ihrer Geschichte könne die Band „ganz gut wegdrücken“, weil sie zunächst auf den Tourbeginn konzentriert sei, sagte Campino. „Da kann man sich jetzt keine Sentimentalitäten erlauben.“ Der Sänger erwarte, dass der Abschiedsschmerz erst in der ersten großen Tourpause im Sommer „reinknallen“ werde.

Bassist Meurer sprach von einem ganz anderen Gefühl: „Erst mal Erleichterung, dass wir das überhaupt hinbekommen haben“, sagt er. Es sei gar nicht so leicht, ein Album zu machen.

Wie die Toten Hosen über den Schlussstrich entschieden

Auf die Frage, ob alle einig gewesen seien, einen Schlussstrich zu ziehen, wich Campino aus. Die Band sei immer einig darüber gewesen, dass sie das Ende selbst setzen wolle, sagte er. „Unstimmig waren wir, wann der richtige Zeitpunkt ist.“ Als Hauptgrund gab der Frontmann der Band dann sein eigenes „Bauchgefühl“ an. Er wolle „mit Vollgas über die Ziellinie, nicht abgekämpft“, sagt Campino.

Dass Fans die Entscheidung bedauern, nimmt Campino in Kauf. „Lieber als dass man uns hinterherruft: Naja, die letzten zehn Jahre hätte man sich auch sparen können.“ Meurer sagte, jedes Bandmitglied hätte ein Veto einlegen können. Das habe aber niemand getan. „Es gab ein paar verschiedene Meinungen“, räumt der Bassist ein.

Wirklich das Ende der Toten Hosen?

Zamperoni warf ein, dass viele Bands zunächst ihr letztes Album oder ihre letzte Tour ankündigen und dann doch weitermachen. Das wischte Campino mit der Autorität einer grauen Eminenz beiseite. „Viele entschließen sich vielleicht mit 40“, sagte der 63-Jährige. Mit seinem Alter und 45 Jahren Bandgeschichte erwarte er, ernstgenommen zu werden.

Meurer hingegen öffnete ein Hintertürchen: „Wir haben ja nur gesagt, es ist das letzte Album“, sagte er. Auf die Nachfrage, ob sie weiterhin zusammen Musik machen werden, wiegelte Campino erneut ab. „Schlussakzente“ seien noch nicht „ausüberlegt“. Nur einen weiteren Auftritt in Südamerika nach dem Ende der Tour schloss er energisch aus.

Politisches Engagement im Privaten

In puncto politisches Engagement unterscheidet Campino zwischen Rockstar und Privatmensch. Im Privaten könne jeder Courage zeigen, zu Demos gehen, das würden die Bandmitglieder auch weiter tun. Da würde er niemals sagen: „Sorry, wir machen seit anderthalb Jahren nichts mehr, wir gehen auch nicht zur Demo.“ Und als Band? „Wenn es brennt, wenn die Stadt ruft, sind wir für viele Sachen da.“ Er könne sich vorstellen, etwa zu einer Benefizaktion beizutragen.

Meurer forderte von der Bundesregierung, Ticketwucher durch Wiederverkäufer wie in anderen Ländern per Gesetz einzudämmen. Campino sieht die Verantwortung für Preisexplosionen zum Teil auch bei den Bands. „Wir versuchen seit Jahren, einen Kompromiss zu finden zwischen der Tatsache, dass das unser Beruf ist, aber auch nicht dazu beizutragen, dass die Spirale weiter hochgeht.“

Die Härten für Fortuna-Fans

Die letzte Frage drehte sich selbstredend um den Fortuna-Abstieg. „Habt ihr schon die Mutmacherhymne, die Wiederaufstiegshymne komponiert?“, fragte Zamperoni.

„Ich glaube, da darf man uns noch ein paar Tage Zeit geben“, sagte Campino. Der Schock sitze tief. Aber man sei solchen Kummer gewohnt. „Die dritte Liga ist knallhart, da wird einem nichts geschenkt, und wir müssen alles neu aufbauen: Das wird ein Geduldsspielchen“, betonte Campino. Und Meurer ergänzte: „Liebe kennt keine Liga.“