Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenreformkommission wird erst am 29. Juni ihren Bericht vorlegen, doch ein Medienbericht über angeblich bereits feststehende Empfehlungen hat im politischen Berlin erheblichen Wirbel ausgelöst. Die Fieberkurve ging rasant hoch – und zeigte damit an, wie heikel das Thema Rente für die Bundesregierung in naher Zukunft werden wird. Die Dementis kamen zwar schnell, doch das Kind war mit dem zugespitzten Bericht der „Bild“-Zeitung längst in den Brunnen gefallen. Wer auch immer dem Boulevard-Blatt interne und sensible Informationen gegeben hat: Er oder sie hat damit die Wahrscheinlichkeit einer wirksamen Rentenreform verringert und erheblichen politischen Schaden angerichtet.
Angeblich, so das Blatt, werde die Kommission empfehlen, das Rentenalter schrittweise von 67 weiter auf 70 Jahre zu erhöhen. Zudem wolle das Gremium vorschlagen, das Rentenniveau – das eine Durchschnittsrente im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen beschreibt – von derzeit 48 auf 46 Prozent zu verringern. Dass die Kommission angeblich Beamte nicht in die Rentenversicherung einbeziehen will, dürfte viele Bürger aufregen. Die enormen Unterschiede zwischen den Altersbezüge der Beamten und aller anderen ist für viele nur noch schwer erträglich.
Der Wirbel um den Bericht wäre geringer gewesen, wären die Vorschläge nicht plausibel und richtig. Ohne die weitere Anhebung des Rentenalters werden sich die Altersbezüge wegen der demografischen Entwicklung kaum finanzieren lassen, will man Rentenkürzungen verhindern. Die Anhebung würde zwischen 2031 und 2061 schrittweise, also moderat, vollzogen. Zu erwarten ist, dass zugleich die Lebenserwartung weiter zunimmt und damit auch die Rentenbezugsdauer. Einen Teil der zusätzlichen Lebenserwartung für ein längeres Arbeiten einzusetzen, liegt nahe. Auch die Absenkung des Rentenniveaus ist unausweichlich, um Beitrags- und Steuerzahler in den kommenden Jahrzehnten nicht zu überfordern.
Dass die schwarz-rote Koalition mit dem Rentenpaket noch 2025 beim Rentenniveau und der Mütterrente in genau die falsche Richtung steuerte, war ein schwerwiegender Fehler. Dadurch hat sich der Reformdruck zusätzlich erhöht. Zudem hat das Rentenpaket die Schieflage bei der Generationengerechtigkeit verstärkt. Während heutige Rentner mit der Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031, der Erhöhung der Mütterrenten und der Fortschreibung der Rente mit 63 materiell profitieren, haben jüngere Generationen durch längeres Arbeiten und ein geringeres Rentenniveau sehr wahrscheinlich das Nachsehen. Das ist ungerecht gegenüber nachfolgenden Generationen und könnte deren politisches Abdriften zu extremen Parteien links und rechts des Spektrums beschleunigen.