Pferdesport in der NS-Zeit
Was hat der CHIO in Aachen mit Adolf Hitler zu tun?
21.05.2026 – 16:18 UhrLesedauer: 3 Min.
Adolf Hitler (Archivbild): Der deutsche Diktator war ein Befürworter des Pferdesports. (Quelle: ullstein bild/ullstein-bild)
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Der CHIO beginnt als bürgerliches Reitturnier in der Soers. Dann wirft Adolf Hitler ein Auge auf den Wettbewerb und macht ihn zur Propaganda-Bühne.
Als der Aachen-Laurensberger Rennverein 1924 zum ersten Mal ein Reit- und Fahrturnier in der Soers veranstaltete, stand vor allem der Sport im Mittelpunkt. Aus kleineren Pferderennen entwickelte sich in nur wenigen Jahren ein internationales Turnier mit wachsender Bedeutung für Aachen. Hotels, Gastronomie und Handel profitierten von Tausenden Besuchern. Schon Ende der 1920er-Jahre kamen Mannschaften aus mehreren Ländern in die Stadt.
1929 wurde dann erstmals ein Nationenpreis ausgetragen. Vier Jahre später erhielt das Turnier den Titel Concours Hippique International Officiel. Die Abkürzung: CHIO. In Aachen war damit offiziell Deutschlands internationales Reitturnier gestartet, umgangssprachlich „Tschio“ genannt, wie Aachener und Pferdesportler aus der ganzen Welt ihn auch heute noch kennen und schätzen.
Adolf Hitler war von Pferden fasziniert
Was damals in Aachen passierte, blieb Adolf Hitler nicht verborgen. Denn der deutsche Diktator und die Nationalsozialisten begeisterten sich für Pferde und den Pferdesport. Hitlers besondere Faszination für die Tiere zeigte sich etwa darin, dass er den Künstler Josef Thorak Pferdeskulpturen aus Bronze anfertigen ließ, Skulpturen mit mächtigen Hälsen und übertriebener Muskulatur. Diese sollten vor der Reichskanzlei aufgestellt werden und so die geplante „Welthauptstadt Germania“ schmücken.
An Pferden faszinierte Hitler hauptsächlich deren Symbolkraft: Sie standen für Kraft, Männlichkeit, Bewegung und militärische Strenge, also genau die Bildsprache, mit der das NS-Regime sich gern inszenierte. Die Tiere und der Pferdesport passten gut zur NS-Propaganda. Sie wurden als Symbole für Disziplin, Körperkult, Eliteanspruch und militärische Leistungsbereitschaft missbraucht. Deshalb sahen Hitler und die Nationalsozialisten den CHIO in dieser Zeit nicht nur als Sportereignis, sondern als politisch nutzbares Prestigeprojekt.
Nach der Machtübernahme: CHIO verändert sich
Nach der Machtergreifung 1933 wurde das Aachener Fest des Pferdesports von der NS-Regierung umgekrempelt. Dabei lag der Fokus immer weniger auf den teilnehmenden Sportlern, die aus dem Ausland angereist waren, und immer mehr auf den deutschen Teilnehmern. Bei den Nationenpreisen saßen von da an vorwiegend Reiter der deutschen Wehrmacht im Sattel. Ab 1937 traten auch viele SS-Reiter an. Adolf Hitler selbst besuchte das Fest zwar nie persönlich, ließ aber Pokale stiften. Der Nationenpreis etwa wurde fortan um den „Pokal des Führers und Reichskanzlers“ ausgetragen.
Gleichzeitig wuchs der politische Druck auf das Turnier. Ende der 1930er-Jahre stand sogar zeitweise im Raum, den Nationenpreis von Aachen nach Berlin zu verlegen. Die Reichshauptstadt sollte stärker zum Zentrum großer NS-Sportveranstaltungen werden. Nicht nur der Reitsport, sondern alle großen internationalen Sportereignisse sollten damals in der Hauptstadt gebündelt und symbolisch auf das Regime ausgerichtet werden. Für Aachen hätte das nicht nur einen schweren Bedeutungsverlust, sondern auch großen wirtschaftlichen Schaden bedeutet.

