Guido Possehl vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) steht an der Ecke Neusser Straße zur Volksbadstraße und wartet geduldig auf Radfahrer, die an der diesjährigen Gedenkfahrt für im Straßenverkehr gestorbene Radfahrer teilnehmen wollen. Viele kennt er von vergangenen Fahrten, er begrüßt alle persönlich. Wer möchte, kann eine Weste überziehen, die mit einem Kreuz und der Aufschrift „Ride of Silence“ versehen ist.

Der „Ride of Silence“ findet in Mönchengladbach seit 2021 jedes Jahr am dritten Mittwoch im Mai statt. Dabei wurden in den vergangenen Jahren alle sogenannten Ghostbikes in der Stadt angefahren. Das sind weiß lackierte Fahrräder, die als Mahnmale an Orten aufgestellt werden, an denen Radfahrende verunglückt sind. Mittlerweile gibt es sieben dieser Erinnerungsorte in Mönchengladbach. Eigentlich würde Possehl gerne alle im Rahmen der Gedenkfahrt anfahren, aber die Strecke umfasst mehr als 30 Kilometer. Daher hat er in diesem Jahr eine etwas andere Fahrt zusammengestellt, die dem Gedenken an die Verstorbenen gerecht werden soll, aber gleichzeitig die Teilnahme an der Fahrt besser möglich macht.

Persönliche Gründe für Teilnahme am „Ride of Silence“

Das Wetter ist gut, als Possehl für die etwa 30 Teilnehmer am Ghostbike „Lürrip“ die Gedenkfahrt mit einer Ansprache und einer Schweigeminute einläutet. Den Standort, der an eine 2016 verstorbene Postbotin erinnert, hat er bewusst als Startpunkt gewählt: „Diese Postbotin Martina war hier im Stadtviertel sehr beliebt. Hier sind heute auch Leute dabei, die sie persönlich kannten.“ So nimmt Possehl zufolge seit vielen Jahren auch der Bruder des 2010 mit dem Fahrrad verunglückten Bernd Seiffert teil, für ihn steht ein Ghostbike an der Gladbacher Straße.

Die Gründe für eine Teilnahme an der Gedenkfahrt sind teilweise sehr persönlich. Martin Walter, selbst Opfer eines schweren Fahrrad-Unfalls, sagt: „Ich nutze die Gelegenheit, um auf Probleme für Radfahrer hinzuweisen.“ Walter hat überlebt, plant seitdem aber seine Strecken anders: „Wenn ich eine Fahrt mache, schaue ich, dass ich schnell aus der Stadt herauskomme.“

Weiter fährt der Fahrradkorso über den Nordring, die Hohenzollernstraße und die Bismarckstraße bis hin zum Ghostbike an der Fliethstraße, wo eine weitere Gedenkminute abgehalten wird. An jedem Gedenkort wird eine weiße Rose abgelegt, auch an den Orten, die diesmal nicht angefahren werden. Endpunkt der Route ist nach zehn Kilometern das Ghostbike am Rheydter Markt. Dort erlitt eine 71-jährige Radfahrerin im Jahr 2023 bei einem Unfall tödliche Verletzungen und dort findet die Veranstaltung mit einer Präsentation der in diesem Jahr nicht besuchten Ghostbikes ihr Ende.