
In der Ueckermünder Straße
Foto: nd/Andreas Fritsche
Es gibt Fälle von durchaus berechtigter Kritik an der Politik Israels, die fleißig als Antisemitismus einsortiert werden, obwohl davon eigentlich keine Rede sein kann. Nicht diskutiert werden muss über Hakenkreuze und die Parole »Kill all Jews« (Töte alle Juden!), die in zwei Nächten im April an Hauswände in der Ueckermünder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg geschmiert wurden. Das ist ein klarer Fall von Antisemitismus. Die Polizei bittet auf Zetteln, die im Viertel aushängen, um sachdienliche Hinweise. Aber wer geschlafen und nichts gesehen hat, kann nichts melden, was zur Ergreifung der Täter führen könnte.
Die für mich beste Reaktion sind die antifaschistischen Losungen und Symbole, mit denen die antisemitischen Hetzereien und Drohungen teils übersprüht oder zumindest beantwortet wurden, darunter ein Friedenszeichen, der Schriftzug »Gegen Hass« oder auch einfach nur ein Herz.
Gleich um die Ecke prangt nun derweil in der Czarnikauer Straße ein »IDF = evil«. Gemeint sind die israelischen Streitkräfte, die teuflisch seien. Darüber lässt sich dann schon wieder trefflich streiten. Für mich persönlich sind sämtliche Armeen teuflisch, aber nicht jeder einzelne Soldat, der zum Wehrdienst und im Ernstfall zum Töten gezwungen wird. Denn es sollte niemand eines gewaltsamen Todes sterben müssen. Kein Zivilist, kein Soldat, niemand und nirgends.