In Münster-Amelsbüren versorgt eine Agri-PV-Anlage die Fraunhofer FFB mit Solarstrom. Der Hof Hartmann bleibt Ackerland, während die Stadtwerke vier Millionen Euro investieren.

Münster (gl) – Der Hof der Familie Hartmann in Münster-Amelsbüren wurde im Jahr 1180 erstmals urkundlich erwähnt. Aus dem Jahr 1511 stammt der älteste Teil des Bauernhofs. In diesem Jahr, 2026, liefern Solarpaneele auf Flächen des Betriebs erstmals Strom direkt an die benachbarte Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB. Ein Meilenstein.

Landwirt als Ideengeber

„Ich hatte die Idee, dass man Strom auf unseren Flächen produzieren könnte“, berichtet Landwirt Heinz-Georg Hartmann (61) am Donnerstag im Gespräch mit der „Glocke“. Der umtriebige Münsteraner Kreislandwirt nahm Kontakt zu den Stadtwerken auf. Heraus kam eine in dieser Form einzigartige Zusammenarbeit. Hartmann gibt die Flächen, die Stadtwerke errichten die Photovoltaikanlage, die Forschungsfertigung nimmt den Strom ab.

Es ist für alle drei Partner ein Gewinn. Hartmann hat sein Land, insgesamt 13,2 Hektar, für 20 Jahre verpachtet. Die Solarpaneele belegen 13 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Zwischen den 200 Meter langen Reihen ist jeweils 17 Meter Platz. Ein Mähdrescher mit 7,5 Meter Schnittbreite kann also in zwei Durchgängen zwischen den Solarmodulen bequem ernten.

Ackerbau zwischen den Paneelen

In diesem Jahr werde nur eine Zwischenfrucht zur Bodenlockerung gesät, sagt Hartmanns Sohn Julian (31), der den Bauernhof führt. Ab dem kommenden Jahr sollen dann auf den Flächen Getreide, Raps und Ackerbohnen angebaut werden. „Wir haben hier im Münsterland mit die besten Böden Deutschlands“, sagt Julian Hartmann. Die Kombination von Energieerzeugung und Landwirtschaft sei insofern besser als die reine Freiflächen-Photovoltaik (PV), bei der das gesamte Land mit Kollektoren bedeckt werde.

Der Strom ist über eine Direktleitung mit der FFB verbunden. 40 Prozent des jährlichen Energieverbrauchs der Forschungsfertigung in Höhe von acht Gigawattstunden werden im Schnitt durch die neue PV abgedeckt, berichtet FFB-Projektleiter Jakob Palm. Bei starkem Sonnenschein werde mehr Strom erzeugt, als die Fabrik abnehmen könne. Dann werde die elektrische Energie im Fraunhofer-Verbund genutzt. Palm ließ durchblicken, dass in Zukunft auch ein Batteriespeicher genutzt werden soll.

Für die FFB rechnet sich der Direktanschluss. Weder Netzentgelte noch Stromsteuer fallen an, wenn die elektrische Energie im Umkreis von fünf Kilometern um den Abnehmer erzeugt werde, so Palm.

Vier-Millionen-Euro-Projekt

Für die Stadtwerke Münster ist die Agri-PV, also die gleichzeitige Nutzung von Flächen für Landwirtschaft und Photovoltaik, in Amelsbüren ein Vorzeigeobjekt. „Für mich ist es ein Herzensprojekt“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Sebastian Jurczyk. Gekostet habe die Anlage inklusive Netzanschluss vier Millionen Euro. Die Bezirksregierung Arnsberg habe das Projekt mit 500.000 Euro gefördert. Stadtwerke-Projektleiter Julius Mette wirbt um Nachahmer. Aus seiner Sicht seien mittelständische Unternehmen mit Stromverbräuchen in ähnlicher Größenordnung wie in Amelsbüren ideal. Hinzu müssten nutzbare Flächen in der Nähe der Verbraucher kommen.

Die Solarmodule sind auf einer Fläche von 13,2 Hektar. Zwischen den Paneelen wird Landwirtschaft betrieben.

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