Die Veranstalter des Wave-Gotik-Treffens sorgen sich um ein immer älter werdendes Publikum. Das Festival habe nach mehr als 30 Jahren Geschichte ein großes Stammpublikum, das „mit dem WGT gealtert“ sei, sagte Festivalsprecher Cornelius Brach bei MDR KULTUR. Man habe Bedenken, ob genug junges Publikum nachkomme. Zur konkreten Altersstruktur beim WGT kann Festivalsprecher Brach nichts sagen, es gebe keine Erhebungen dazu.

WGT will neben Stammpublikum auch junge Besucher

Die Veranstalter seien zufrieden und dankbar für die Treue des Publikums – auch in diesem Jahr kämen wieder Gäste aus der ganzen Welt nach Leipzig, so Brach. Aber das Festivalteam schaue auch in die Zukunft: „Mit dem wachsenden Alter scheiden dann irgendwann ein paar Leute aus, weil sie eben einfach entweder nicht mehr das Interesse haben oder sich nicht mehr fit genug fühlen“. Für die Veranstalter stellt sich deshalb unweigerlich die Frage, wie sie auch jüngere Zielgruppen ansprechen können.

Eine Lösung des WGT-Teams: Newcomer-Bands ins Programm holen. Damit könne man gezielt junges Publikum anlocken. Das gelinge auch, sagt Cornelius Brach: „Wir haben das Gefühl, da kommt schon was nach, wir sind offen für die Randbereiche, wo es Überschneidungen gibt zu anderen Subkulturen oder Musikstilen“.

Wir haben das Gefühl, da kommt schon was nach.

Cornelius Brach, Pressesprecher WGT

Besonders gefragt beim jungen Publikum: Genres wie Cold Wave, Post Punk und alles, was in die elektronische Richtung geht. Das werde in der Regel auch von den „Altgruftis“ gut angenommen.

Zum ersten Mal auf dem WGT dabei ist Cosey Mueller. Die junge Berlinerin spielt eine Mischung aus Punk, Wave und Neuer deutscher Welle. Sie selbst fühlt sich nicht unbedingt der schwarzen Szene zugehörig.

Vielmehr sei sie von verschiedenen Stilen inspiriert und habe sowohl auf Punk- und Metalpartys als auch auf Raves gespielt, wie sie bei MDR KULTUR berichtet. Was sie aber mit der schwarzen Szene verbinde, sei das „Gefühl, was da mitschwingt. Dieses Dunkle oder Düstere. Es ist ja keine fröhliche Popmusik.“

Schwarze Szene hat sich gewandelt

Dass es beim jungen Publikum und den jungen Künstlern keine klare Szenezugehörigkeit mehr gibt, stellt auch Cornelius Brach aus dem WGT-Team fest. Heute gehe es vorrangig um die Musikstile, sagt Brach.

Es werde nicht mehr das gesamte Leben danach ausgerichtet. „Gerade das ist es, was bei vielen Menschen, die eben länger in der schwarzen Szene sind, eigentlich immer so dazugehörte“. Das habe sich früher in Freizeitaktivitäten, im sozialen Umfeld und auch sehr stark in Kleidungsstilen und Outfits geäußert.

Gerade das ist es, was bei vielen Menschen, die eben länger in der schwarzen Szene sind, eigentlich immer so dazugehörte.

Cornelius Brach, Pressesprecher WGT

Mit dieser starken Szene-Zugehörigkeit konnte das WGT zu dem werden, was es heute ist – eines der größten Festivals der schwarzen Szene in Europa. Deswegen habe man auch am Konzept über die Jahre wenig geändert. Es habe sich bewährt, sagt Brach.