Stand: 22.05.2026 07:26 Uhr

In Niedersachsen hat die Gewerkschaft ver.di in dieser Woche erneut zum Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr aufgerufen. Nach Göttingen und Hannover sind heute Arbeitsniederlegungen in weiteren Städten geplant.

Zum Warnstreik aufgerufen sind heute erneut die Beschäftigten kommunaler Verkehrsbetriebe in Braunschweig, Wolfsburg, Hildesheim, Lüchow und Delmenhorst. In Hannover dagegen sollen Straßenbahnen und Busse von Üstra und Regiobus wieder normal fahren. Bereits am Dienstag und Mittwoch hatte ver.di die Beschäftigten der Göttinger Verkehrsbetriebe dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. In Hannover fuhren am Mittwoch und Donnerstag wegen des Warnstreiks keine Straßenbahnen und Busse von Üstra und Regiobus, wie die Stadt mitteilte. Hintergrund ist der laufende Tarifstreit im kommunalen Nahverkehr.

Scharfe Kritik vom Arbeitgeberverband am Warnstreik

Der kommunale Arbeitgeberverband Niedersachsen kritisierte die Arbeitsniederlegungen. „Weniger arbeiten und mehr verdienen, so funktioniert unsere soziale Marktwirtschaft nicht“, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Bosse-Arbogast. Bei einem Streik von zwei Tagen von einem Warnstreik zu sprechen, passe nicht mehr. Die Arbeitgeber seien ver.di entgegengekommen, lehnten die geforderte Reduzierung der Wochenarbeitszeit aber weiterhin ab. „Das werden wir auch künftig nicht akzeptieren“, teilte Bosse-Arbogast mit.

Auch nach vierter Verhandlungsrunde kein Ergebnis

Erst am vergangenen Montag war die vierte Verhandlungsrunde ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Ver.di hatte eigenen Angaben zufolge keine ausreichende Kompromissbereitschaft auf Seiten der Arbeitgeber wahrgenommen. Dies betreffe insbesondere den Wunsch nach weniger Arbeitsbelastung. Eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei gleichzeitigem Lohnausgleich würde im Ergebnis die Reduzierung des ÖPNV-Angebotes nach sich ziehen, hatte Bosse-Arbogast gesagt. Am vergangenen Freitag und Samstag legten in Osnabrück Beschäftigte der Stadtwerke ihre Arbeit nieder, Busse fielen deshalb aus. Auch Ende April wurde bereits für zwei Tage gestreikt.

Was ist der Unterschied zwischen Warnstreik und Streik?

Bei Warnstreiks handelt es sich laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorwiegend um kurzfristige Arbeitsniederlegungen. Diese umfassen etwa wenige Arbeitsstunden oder einzelne Schichten und können wiederholt werden. Das Ziel: Mitglieder und Beschäftigte zu mobilisieren und Kampfbereitschaft zu signalisieren. In der Praxis ziehen sich Warnstreiks auch mal über mehrere Tage, die Grenzen zu einem Streik sind somit fließend. Juristisch gibt es nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) keine Unterscheidung. Für einen regulären Streik gibt es aus Sicht des DGB jedoch zwei Voraussetzungen: Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber müssen formal für gescheitert erklärt werden. Und die Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten müssen sich in einer Urabstimmung für einen Streik aussprechen.

Eine Bahn steht während eines Warnstreiks in Hannover im Depot.

Im Tarifstreit beim kommunalen Nahverkehr ist eine Einigung auch am Montag ausgeblieben. Die Gewerkschaft ver.di kündigte an, den Druck zu erhöhen.