Monate der intensiven Vorbereitungen, Dutzende verworfene Konzepte und zahlreiche Abstimmungsrunden liegen hinter den Verantwortlichen beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und dem Aachener Verkehrsverbund (AVV). „Jetzt kommt ein Marathon zu einem wichtigen Etappenziel“, resümiert VRS-Geschäftsführer Michael Vogel.

So sind die Tage des bisherigen VRS-Ticketsystems mit sieben Preisstufen genauso gezählt wie das des AVV – am 1. Juni wird es abgelöst vom neuen Rheinlandtarif. Im Zuge der Reform reduzieren beide Verbünde die Anzahl der Preisstufen im ersten Schritt von aktuell 16 auf vier. Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren soll zum 1. Juni 2028 zudem die Kurzstrecke entfallen. „Diese Zeit soll genutzt werden, um den Luftlinientarif eezy.nrw bei den Fahrgästen noch bekannter zu machen“, heißt es beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg.

Ein Einzelticket für Fahrten innerhalb einer Stadt oder Gemeinde kostet derzeit 3,20 Euro, als Handyticket ist es zehn Cent günstiger. Ab 1. Juni kostet beispielsweise eine Fahrt vom Busbahnhof Wermelskirchen nach Dabringhausen 3,50 Euro in der neuen Preisstufe 1a des Rheinlandtarifs.

Deutlich größer sind die Preisunterschiede für Fahrten über die Stadtgrenzen hinaus. Im aktuellen VRS-Tarif kostet eine Einzelfahrt von Wermelskirchen nach Hilgen oder Remscheid 3,90 Euro – künftig werden 5,50 Euro fällig.

Günstiger werden mit der Einführung der neuen Tarifstruktur zum Beispiel die Fahrten nach Leverkusen, weil die neue Preisstufe 2 über die Nachbarkommune in eine daran angrenzende Kommune im Umland reicht. Die 6,80 Euro im VRS-Tarif reduzieren sich auf 5,50 Euro im Rheinlandtarif.

Fahrten im gesamten Rheinlandnetz kosten ab 1. Juni in der Preisstufe 3 nie mehr als 13,90 Euro. Zu diesem Preis könnte also künftig auch Aachen ein Ausflugsziel sein – allerdings kostet eine Fahrt von Wermelskirchen nach Köln exakt den gleichen Betrag. Im Vergleich zur bisherigen VRS-Preisstufe 4 (10,50 Euro) gibt es im Zuge der Reform den größten Anstieg.

Noch drastischer wirkt sich der Rheinlandtarif bei einer Fahrt von und nach Köln bei den Tagestickets aus. Aus bislang 37,90 Euro für Gruppen beziehungsweise 20,50 Euro für eine Einzelperson (VRS) werden 55,60 Euro beziehungsweise 27,80 Euro.

Einzeltickets für Kinder (6 bis 14 Jahre) kosten in den drei Preisstufen im Rheinlandtarif 1,60 Euro, 2,50 Euro beziehungsweise 6,30 Euro. Ein 24-Stunden-Fahrradticket ist für 4,50 Euro erhältlich und gilt im gesamten Netz.

In fast allen Fällen ist künftig „eezy.nrw“ die günstigere Alternative. Neben einem Grundpreis von 1,66 Euro pro Fahrt werden 27 Cent pro Luftlinienkilometer abgerechnet. So kosten Fahrten von Wermelskirchen nach Hilgen (3,55 Euro), Remscheid (2,75 Euro) oder Köln (9,49 Euro) deutlich weniger als im Rheinlandtarif.

Per App wird das digitale Ticket beim Einsteigen aktiviert, beim Erreichen des Endziels wird ausgecheckt. Abgerechnet wird per Bankeinzug, Kreditkarte oder Paypal. Der Vorteil: Es gelten mehrere Preisdeckel. Eine Einzelfahrt wird nie teurer als ein Einzelticket, Mehrfachfahrten innerhalb von 24 Stunden kosten nie mehr als 27,80 Euro. Und wer in einem Monat häufig mit Bus und Bahn mit eezy.nrw unterwegs ist, zahlt nie mehr als den aktuell gültigen Preis für ein Deutschlandticket von 63 Euro.

Bis 31. August werden in Bussen und Bahnen Tickets des VRS- und AVV-Tarifs akzeptiert. Dann allerdings gilt nicht die neue Preisstufen-Systematik des neuen Rheinlandtarifs, sondern die der bisherigen Preisstufen-Regelung.

Kunden mit noch nicht entwerteten Tickets können diese bis spätestens 31. Mai 2029 bei dem zuständigen Verkehrsunternehmen umtauschen oder sich den Betrag erstatten lassen.