
Stand: 22.05.2026 13:49 Uhr
Tausende Fotos aus niedersächsischen Schulen und Kitas könnten bei einem Hackerangriff gestohlen worden sein. Die Bilder lagen auf den Servern eines IT-Dienstleisters aus Nordrhein-Westfalen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Viele Schulen und Kitas in Niedersachsen lassen derzeit Klassen- und Gruppenfotos von externen Fotografen anfertigen. Genau solche Bilder könnten nun von einem Cyberangriff betroffen sein. Nach Informationen des NDR wurden bei einem Angriff auf einen IT-Dienstleister möglicherweise zahlreiche Foto-Dateien entwendet. Das Unternehmen betreibt unter anderem Online-Galerien für Kindergarten- und Schulfotografen. Wie viele Bilder tatsächlich betroffen sind, ist derzeit unklar. Nach Angaben des Unternehmens nutzen mehr als 2.000 Fotografinnen und Fotografen bundesweit das System. Mehrere Fotografen aus Niedersachsen informierten bereits Eltern über den Vorfall. Demnach könnten neben Fotos auch Kundendaten betroffen sein.
Hinweise auf Ransomware-Angriff
Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich offenbar um einen sogenannten Ransomware-Angriff. Dabei verschaffen sich Täter Zugriff auf Server, kopieren Daten und verschlüsseln oder löschen anschließend Systeme. Häufig versuchen Kriminelle anschließend, Unternehmen mit der Veröffentlichung sensibler Daten zu erpressen. Besonders brisant ist der Fall, weil unter den möglicherweise gestohlenen Bildern zahlreiche Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen sein könnten. Ob tatsächlich Fotos veröffentlicht wurden oder werden sollen, ist bislang nicht bekannt.

Jugendlichen und Eltern sind die Gefahren von Live-Standorten und Co. oft nicht bewusst. Ein IT-Profi aus Haren will sie wachrütteln.
Fotografen mitten in der Hochsaison betroffen
Auch die Bilder der Fotografin Ines Schiebler sind vermutlich von dem Vorfall betroffen. Sie hat 72 Stunden Zeit, um ihre Kundinnen und Kunden über den möglichen Datenklau zu informieren. So ist es in der Datenschutz-Grundverordnung festgelegt. „Wir sind alle in unserer Hochsaison“, sagt sie. Gerade Kita- und Schulfotografen arbeiteten fast ausschließlich mit digitalen Plattformen, über die Eltern Bilder auswählen und bestellen können. Schiebler sieht darin auch die Schattenseite der digitalen Entwicklung. Eltern wollten heute vor allem digitale Bilder und große Online-Galerien. „Das ist nur darstellbar über irgendeine Art von Online-Angebot“, sagt die Fotografin. Das gehe jedoch mit dem Risiko einher, dass diese Daten im Netz landen könnten.
Eltern reagieren unterschiedlich
Die Reaktionen der Eltern seien sehr unterschiedlich. Manche seien besorgt oder verärgert, andere reagierten solidarisch und unterstützend. „Das ist eine riesige Bandbreite“, sagt Schiebler. Für viele Fotografen gehe es inzwischen auch um die wirtschaftliche Existenz, weil derzeit keine Bilder verkauft werden könnten. Der betroffene IT-Dienstleister hat sich bislang nicht öffentlich ausführlich zu dem Vorfall geäußert. Nach NDR Informationen ermittelt inzwischen die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Cyberkriminalität in Köln gegen Unbekannt.
IT-Experte: Lösegeld zu zahlen, ist riskant
Der IT-Sicherheitsexperte Christopher Kunz von heise Online warnt derweil davor, Drohungen der Täter zu unterschätzen. Bei solchen Angriffen drohten Kriminelle häufig damit, gestohlene Daten zu veröffentlichen und machten damit teilweise auch ernst, um ihre Forderungen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Grundsätzlich werde Unternehmen jedoch davon abgeraten, Lösegeld zu zahlen. Das Risiko sei hoch, dass Daten trotz Zahlung nicht vollständig gelöscht würden oder die Täter später erneut Geld fordern. Für Betroffene sei das besonders bitter: „Da stehen natürlich eine ganze Menge Leute, die ihre Familienfotos, die Fotos ihrer Kinder oder möglicherweise auch Paar- und Aktfotografie nicht im Internet sehen wollen, unter Stress.“

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Das Land verstärkt die Abwehr gegen Cyberangriffe. Für das Projekt werden 30 Millionen Euro investiert.