Nach dem Tiger-Ausbruch am vergangenen Sonntag in Dölzig bei Leipzig will das Naturkundemuseum Leipzig den erschossenen Tiger „Sandokan“ übernehmen. Museumsdirektor Dr. Ronny Maik Leder sagte MDR SACHSEN, dass bereits Gespräche mit den zuständigen Behörden laufen. Ziel sei es, das Tier als Dermoplastik langfristig für Forschung und Ausstellung zu erhalten.

„Tatsächlich sind wir da einer der Hauptansprechpartner, die dann auch von den entsprechenden zuständigen Behörden kontaktiert werden, weil wir auch die Berechtigung besitzen, solche Objekte dann in unserer Sammlung aufzunehmen“, erklärt Leder.

„Für die Präparatoren tickt die Uhr“

Für das Museum sei die Übernahme kein ungewöhnlicher Vorgang: „So ein großer, auch prominenter Tiger, wie jener, der da bedauerlicherweise erschossen werden musste, der passt natürlich auch gut in unsere Sammlung“, berichtet Leder weiter. Solche Fälle gebe es häufiger, etwa wenn exotische Tiere in Zoos oder privaten Einrichtungen sterben. Voraussetzung sei jedoch ein klar geregeltes Verfahren mit Artenschutzdokumenten und behördlichen Abstimmungen.

Zeitlich steht das Team unter Druck: „Für die Präparatoren tickt dann die Uhr“, erklärt Leder. Um Verwesungsprozesse zu stoppen, müsse „möglichst schnell vor allen Dingen die Haut abgezogen“ und konserviert werden. Nur Fell, Haut und teils Knochen könnten erhalten werden, so der Museumsdirektor. Dadurch könne das Tier – wie bereits mehrere andere Tigerexemplare – für die Nachwelt erhalten werden.

Wem gehört der Tiger?

Doch können die Behörden und das Museum einfach so über den weiteren Verbleib des Tigers entscheiden? Aus dem Sozialministerium heißt es auf Anfrage von MDR SACHSEN: „Ganz allgemein gehört ein Tier – unabhängig davon ob lebendig oder tot – dem Besitzer. Die Leiche zählt nach Rechtslage zu den tierischen Nebenprodukten und es obliegt dem Besitzer, die Entsorgung (Tierkörperbeseitigungsanlage) zu regeln und übernehmen.“

Trotz mehrfacher Nachfragen bei den Behörden blieb bis zum Freitagnachmittag unklar, wo sich der tote Tiger aktuell befindet und wer über den weiteren Verbleib bestimmt. Auch die Halterin war nicht zu erreichen. Die Staatsanwaltschaft Leipzig teilte mit, der Tiger sei ohne weitere Untersuchung freigegeben worden. Wie es mit dem Kadaver und den noch lebenden Tigern weitergeht, dafür sei nicht die Staatsanwaltschaft verantwortlich.

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