Der Erftverband betreibt 29 Kläranlagen, die das Abwasser von etwa einer Million Menschen reinigen. Fünf dieser Werke unterhält der Verband im Rhein-Kreis Neuss, von denen das Klärwerk Nordkanal in Kaarst mit einer Jahresleistung von 5,3 Millionen Kubikmetern das größte ist. Um die dabei anfallenden Klärschlämme umweltgerecht zu entsorgen, beschlossen der Erftverband, der Wasserverband Eifel-Rur und RWE Power vor Jahren, eine gemeinsame Verbrennungsanlage zu errichten. Diese werde 2028 fertiggestellt sein, versicherten Stefan Ruchay und Peter Lindemann beim Baustellentermin in Hürth-Knapsack. Beide sind Geschäftsführer der im Jahr 2024 eigens für diesen Zweck gegründeten Klärschlamm-Verwertung Rheinland GmbH (KVR).

Hintergrund für diese gemeinschaftliche Investition ist die Vorgabe, dass vom Jahr 2029 an Klärschlamm nicht mehr in Kraftwerken mitverbrannt werden kann. Das geschieht derzeit noch mit den Schlämmen aus der Region. Die thermische Verwertung in der neuen Anlage dient den Entsorgern ferner dazu, dem Klärschlamm künftig Phosphor zu entziehen und diesen Stoff wiederzuverwerten. Auch dazu sind sie ab 2029 gesetzlich verpflichtet.

Eine technische Besonderheit der im Bau befindlichen Anlage ist dabei, dass auf den Energieträger Braunkohle verzichtet werden kann, der bei der Mitverbrennung die eigentliche Heizenergie liefert – und der mit dem Kohleausstieg ab 2030 ohnehin wegfallen würde.

Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbandes, betonte beim Ortstermin die Bedeutung der neuen Anlage: „Eine nachhaltige Wasserwirtschaft braucht verlässliche Entsorgung und Ressourcenschonung.“ Die gezielte Rückgewinnung von Phosphor nannte er einen „wichtigen Schritt im Interesse unserer Verbandsmitglieder“. Aber noch steht die Anlage nicht, die vom Erftverband und dem Wasserverband Eifel-Rur künftig jährlich bis zu 148.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm verarbeiten wird. Der Massivbau der Ofenhalle ist aber fertig, jetzt beginnt die Montage der ersten Anlagen.