Headset im Ohr und immer ein sanftmütiges Lächeln im Gesicht: Im Hollywoodfilm „The Wedding Planner“ organisiert Jennifer Lopez als ewig geduldige Hochzeitsplanerin Mary eine High-Society-Hochzeit in San Francisco. Zwischen Caterer und Blumenlieferanten verliebt sie sich prompt in den Bräutigam. Während die folgende Liebesgeschichte in Hollywoods Traumwelt gehört, ist der Job des Hochzeitsplaners längst in der realen Welt etabliert.
„Ich kannte den Beruf nur aus Filmen und dachte lange, dass das keine reale Option ist“, sagt Marie Alsleben, Hochzeitsplanerin aus Düsseldorf. 2016 machte sie ein Praktikum bei einem Hochzeitsplaner – und war begeistert. Sie absolvierte eine zweijährige Weiterbildung in der UK Wedding Academy, einer Ausbildungsstätte für Hochzeitsplaner, machte sich anschließend selbstständig. Zehn Jahre nach ihrem ersten Praktikum planen sie und ihr Team Hochzeiten im Hochpreissegment – von 150.000 bis zu mehr als einer Million Euro.
Auslandshochzeiten und 80.000 Euro für Blumen
Wenn Alsleben über ihren Beruf spricht, ist die Begeisterung spürbar. „Es ist ein sehr positiv besetzter Beruf“, sagt sie. Es komme viel zusammen, was ihr Freude mache: Ästhetik, Mode, Trends und vor allem die Arbeit mit Menschen. 90 Prozent der vom Team organisierten Hochzeiten fänden zudem mittlerweile im Ausland statt, wodurch sie immer wieder neue Orte kennenlerne, darunter die Schweiz, den Comer See oder Ibiza.
„Im letzten Jahr waren wir mit einem Paar zwei Mal auf St. Barths in der Karibik. Einmal, um die Location auszusuchen, und dann wieder für die Hochzeit“, so Alsleben: „In solchen Momenten wird mir bewusst, wie besonders es ist und wie dankbar ich sein kann.“
Doch bei aller Romantik: Die meiste Zeit ist auch die Hochzeitsplanung ein Bürojob, bei dem man vom Schreibtisch aus Planungsabläufe erstellt, telefoniert, sich mit Dienstleistern austauscht. Diese wähle sie, sagt sie, besonders streng aus – immerhin fällt alles auf sie zurück: „Ein Hochzeitsplaner ist immer nur so gut, wie sein schlechtester Dienstleister“, so Alsleben.
Je luxuriöser und hochpreisiger das Event, desto komplexer wird es auch. Die Planerin gibt Einblicke in die Ansprüche bei einer Million-Euro-Hochzeit: Zur Live-Band braucht es eine spezielle Beleuchtung, die die Musiker in Szene setzt. Alleine die Blumen können 80.000 Euro kosten, müssen dann aber auch entsprechenden Ansprüchen genügen. Passt der Boden der Hochzeits-Location nicht zu der Traumhochzeit, dann wird er vielleicht extra für die Feier ausgetauscht. Den Ideen für die Unterhaltung sind kaum Grenzen gesetzt: Spiegeltänzer, Akrobaten, Frauen mit „Champagnerkleidern“, die den Gästen Drinks servieren. Manche Hochzeit in diesem Segment erstrecke sich über mehrere Tage. Und: Je aufwendiger das Event, desto mehr Leute packen an.
Bei alledem sind die Budgets aber auch nicht automatisch grenzenlos. So gehört es zum Job auch, sich an die vorgegebenen Kostengrenzen zu halten. Dafür muss Alsleben Buchhalterin sein. Und manchmal auch Mediatorin, wenn ein Paar sich in einzelnen Aspekten nicht einig ist. „Zwischenmenschlichkeit und Empathie machen mindestens 50 Prozent des Erfolges in diesem Beruf aus.“ Das Ziel ist, möglichst jeden Wunsch zu erfüllen. „Auf das Wetter jedoch habe ich keinen Einfluss“, sagt sie lachend.
Herausforderungen und Problemlösungen
Glatt läuft bei einer Hochzeit natürlich nicht immer alles. Da fährt der Florist zwei Stunden vor der Trauung mit den Blumen in einen Graben. Oder ein fest zur geplanten Zeremonie gehörendes Klavier ist kurz vor der Trauung einfach nicht da. In solchen Fällen, sagt Alsleben, helfe einer Hochzeitsplanerin ein gutes Netzwerk, um Probleme diskret zu lösen – denn das Paar soll den Hochzeitstag genießen.
Manchmal muss es auch plötzlich ganz schnell gehen. Ein Paar zum Beispiel entschied sich nach der standesamtlichen Trauung am Sonntag, dass es sich doch eine große weiße Hochzeit wünschte – und zwar sehr bald. Wenn Geld kein Hindernis sei, lasse sich auch so etwas machen, bestätigt Alsleben: „Am Dienstag war pünktlich zur zweiten Trauung alles fertig.“
Den Tag der Hochzeit, wenn alle Fäden nach langer Planung zusammengeführt werden, empfindet die Planerin immer als am schönsten. Nach langer Vorbereitungszeit entstehe mit den Paaren zudem oftmals ein freundschaftliches Verhältnis, sodass es auch für das Team immer ein bisschen emotional wird.
Was macht eine gute Hochzeit aus?
In all der Zeit lernte Alsleben, was eine gute Hochzeit braucht. Am wichtigsten sei ein guter Ablauf, sagt sie. „Am schlimmsten sind hungrige und durstige Gäste, die nicht wissen, was der Abend noch an Programm bietet. Da muss Klarheit herrschen.“ Und manchmal sind es auch ganz unscheinbare Aspekte, die sich auf die Stimmung auswirken. Gibt es genug Sitze und Getränke für alle? Ist zwischen Sektempfang und Abendessen eine zu große Lücke, sodass den Gästen der Alkohol zu Kopf steigt?
Über die Jahre verändern sich die Vorlieben der Paare: Statt goldener Dekorationen, sagt Alsleben, ist im Moment Chrom sehr gefragt. Gestecke aus Früchten und Gemüse auf dem Tisch anstatt Blumen werden immer beliebter. Viele kleine Details entscheiden, wie das Fest später in Erinnerung bleibt. Bei allem Geld und aller Planung kommen die Menschen aber letztlich aus einem Grund zusammen: um zu feiern, dass sich zwei Menschen ein Versprechen geben, ihr Leben, miteinander zu teilen.