Wenn wir uns die großen Serien-Hypes der vergangenen Jahre anschauen, führt natürlich kein Weg am Lied von Eis und Feuer vorbei, genauso wie der Zombie-Apokalypse, die Rick Grimes mit seiner Familie durchleben bzw. durchleiden muss. Und dann wäre da natürlich noch Breaking Bad, ein absolut fesselnder Crime-Thriller.
Wie übertrifft man die Geschichte eines Chemielehrers, der zum kriminellen Mastermind aufsteigt? Vermutlich gar nicht, wäre nach meisterhaften Folgen wie Ozymandias die Antwort vieler Fans gewesen. Doch dann kam Better Call Saul und erweiterte den Breaking Bad-Kosmos um völlig unerwartete und verblüffende Facetten.
Wie übertrifft man ein Serienmeisterwerk wie Breaking Bad? Ganz einfach: Better Call Saul!
Auf den ersten Blick wirkt die Spin-off-Serie wie ein billiger Ableger: Eine beliebte Figur des Originals erhält ihre eigene Geschichte, in diesem Fall Jimmy McGill, den wir in Breaking Bad als schmierigen Anwalt Saul Goodman (Bob Odenkirk) kennenlernen. Doch Better Call Saul entwickelte sich zu mehr als einer schnellen Franchise-Erweiterung.
Die von den Breaking Bad-Größen Vince Gilligan und Peter Gould geschaffene Serie traf bereits in ihrer 1. Staffel die clevere Entscheidung, sich genretechnisch ein ganzes Stück von der Mutterserie zu entfernen. Früher oder später kommt Jimmy McGill zwar auch auf die schiefe Bahn, doch davor versucht er, aufrichtig durchzustarten.
Better Call Saul entfaltet sich als Anwaltsdrama, als Familiendrama, als Liebesdrama – eine Geschichte, die auf mikroskopischem Level beginnt und mit jeder weiteren Folge an Dimension annimmt, bis wir bei einer der ganz großen seriell erzählten Tragödien unserer Zeit angekommen sind. Eine Serie, die von Staffel zu Staffel besser wird.
Der fantastische Balanceakt von Better Call Saul besteht darin, selbst bei einem dermaßen markanten Original wie Breaking Bad eine eigene Identität zu entwickeln und als Prequel trotzdem geschickt das Fundament für die nachfolgende Geschichte zu legen – mitunter sogar sprichwörtlich, wenn eine geheime Untergrundanlage gebaut wird.
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So unscheinbar Better Call Saul anfangs wirkt: Am Ende habt ihr ein Serien-Highlight vor euch
Erstklassiges Schauspiel, erstklassige Drehbücher und eine erstklassige Inszenierung: Für Serienfans erweist sich Better Call Saul 63 Folgen lang als stimulierendes Ereignis. Selten wurden die Möglichkeiten des Mediums mit solch messerscharfer Präzision in einem perfekten Erzählbogen ausformuliert und – noch viel wichtiger – ausgekostet.
Mehr als eine intellektuelle Übung, mehr als ausgestellte Prestige: Better Call Saul ist ein saftiges Drama, das seine größte Kraft aus den zwischenmenschlichen Abgründen zieht, die über sechs Staffeln hinweg aufgebaut werden und in einem Finale enden, das viele Erwartungen unterläuft, jedoch genau deswegen so grandios ist.
Viel zu oft passiert es, dass Film- und Serienschaffende ihre Erfolge nur wiederholen oder variieren. Bei Better Call Saul kann man förmlich sehen, wie sich das Kreativteam unter Gilligans und Goulds Leitung weiterentwickelt hat und zu einem gewissen Punkt auch erwachsener geworden ist, vielleicht sogar etwas weiser.
Gerade deswegen brennt sich Better Call Saul ins Gedächtnis: Der Zerfall der Figuren wird noch mehr aus ihrem komplexen Inneren getrieben als aus den Genre-Elementen, die Breaking Bad in eine so packende Geschichte verwandelt hat. Am Ende erwartet euch der vielleicht lauteste leise Paukenschlag der jüngeren Seriengeschichte.
Alle Folgen von Better Call Saul könnt ihr aktuell bei Netflix im Abo streamen. Ursprünglich lief die Serie von 2015 bis 2022 auf dem US-Sender AMC.
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AlloCiné erschienen.