Stand: 23.05.2026 11:59 Uhr

Am Hauptbahnhof Hannover hatten am Freitag zeitweise fast alle Regional- und Fernzüge Verspätung. Schuld war der Deutschen Bahn zufolge eine Weichenstörung bei Laatzen. Der Verband „Die Güterbahnen“ übt massive Kritik.

von Gino Egbers und Janine Klemmt

Neben Laatzen hatte es auch in Seelze (Region Hannover) und Hamburg Probleme gegeben. Eine Bahnsprecherin teilte dem NDR Niedersachsen am Samstag mit, die Störungen seien behoben. „Der Zugverkehr hat sich normalisiert,“ sagte die Sprecherin. Reisende sollten jedoch beachten, dass wegen des langen Pfingstwochenendes mehr Menschen in den Zügen sowie an Bahnsteigen unterwegs seien. Es könne also voll werden an diesem Wochenende.

Menschenmassen auf Bahnsteigen und Treppen

Menschenmassen am Hauptbahnhof Hannover. Der Zugverkehr war extrem gestört.

Nichts geht mehr: Am Hauptbahnhof Hannover waren Bahngleise völlig überfüllt.

Am Freitagnachmittag war es am Hauptbahnhof Hannover zu überfüllten Bahnhöfen gekommen. Auf den Bahnsteigen und Treppen drängten sich die Menschen. Für sie gab es oft weder Vor noch Zurück. Fast alle Regional- und Fernzüge hatten Verspätung, teils 100 Minuten. Bahnsteige mussten wegen Überfüllung geschlossen werden.

Der ganze Bahnhof ist überfüllt. Ich weiß jetzt nicht, was ich tun soll. Ich schau in die App. Und auch in der App wird das jetzt nicht richtig angezeigt

Reisender am Bahnhof Hannover

Güterzüg-Verband: „Kontrollverlust mit Ansage“

Als ein grundsätzliches Problem sieht das der Verband für Güterzüge „Die Güterbahnen“ – er spricht von „Kontrollverlust mit Ansage“. Das Schienennetz sei durch die vielen Baustellen – vor allem die zwischen Hannover und Hamburg – überlastet. „Wenn das Wetter gut ist und kein Zug Verspätung hat, klappt alles. Sobald es aber eine kleine Störung gibt, kommt es zum Stillstand“, sagt Roger Mahler von „Die Güterbahnen“.

Verband: Eisenbahnunternehmen droht Insolvenz

Gerade die Strecke zum Hamburger Hafen ist von Güterzügen viel befahren und wirtschaftlich von bundesweiter Bedeutung. „Viele Lokführer sitzen hier in den letzten Tagen ihre komplette Schicht in ihrer Lok und bewegen sich keinen Meter“, erzählt Mahler. Sollten die Probleme nicht schnell behoben werden, drohe vielen Eisenbahnunternehmen die Insolvenz, heißt es von dem Verband.

ICE-Trasse mit Gleisbett

Die Strecke zwischen Hamburg und Schwerin ist fertig. Ab Mitte Juni fahren die Züge dann wieder bis Berlin durch. Zwischen Hamburg und Hannover laufen auch Bauarbeiten.

Politische Aufarbeitung gefordert

Auch das Unternehmen Metronom beklagt die vielen Baustellen auf den Strecken. Vor allem zwischen Hannover und Göttingen sowie Hannover und Sarstedt komme es regelmäßig zu Verzögerungen und Ausfällen, teilte das private Eisenbahnunternehmen mit. Um die Probleme auf den Schienen zu lösen, fordert der Verband „Die Güterbahnen“ unter anderem bessere Baustellen-Überleitungskonzepte und eine politische Aufarbeitung der aktuellen Vorgänge. Außerdem sollten Baumaßnahmen, die nicht dringend notwendig sind, vorübergehend gestoppt werden, hieß es. Die Deutsche Bahn äußerte sich zu den von „Die Güterbahnen“ geschilderten Problemen auf NDR Anfrage bisher nicht.

Ein ICE der Deutschen Bahn fährt auf einem Gleis.

Im Bundestag wird aktuell über eine neue Bahntrasse verhandelt. Seit Jahrzehnten wird über Aus- oder Neubau gestritten.

Mit schwerer Technik wird auf einem Teilstück der Bahnstrecke Hamburg-Berlin die vor Jahrzehnten angelegte feste Fahrbahn aus Beton abgebaut. (Themenbild)

Am 1. Mai hat die Sanierung begonnen. Die Strecke ist teilweise gesperrt. Der Fernverkehr wird bis 10. Juli umgeleitet.