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Köln (Nordrhein-Westfalen) – Es ist ein Tag im Juli 2023, als Comedian Kalle Pohl (74, „7 Tage, 7 Köpfe“) vor seinem Arzt sitzt und von einem auf den anderen Moment in ein tiefes, dunkles Loch fällt. „Non-Hodgkin-Lymphom. Bösartig. Chemotherapie“, sagt der Onkologe. Krebs. Im Interview mit BILD spricht der Kabarettist, der in den 90er Jahren mit Rudi Carrells preisgekrönter TV-Witztruppe berühmt wurde, zum ersten Mal über das schwerste Jahr seines Lebens.
2023 war das Jahr, in dem er still und leise gegen den Krebs kämpfte. Pohl zu BILD: „Erst war Corona, das war für mich schon hart, ohne jegliche Einnahmen. Und dann kam der Krebs.“ Und mit ihm viele dunkle Tage, an denen die Gedanken auch tiefschwarz werden konnten: „An der schlimmsten Stelle, wo ich psychisch und physisch völlig am Boden war, dachte ich auch mal: Was soll das eigentlich alles noch? Doch dann stand mein kleiner Hund da, die Snoopy, mit ihren Knopfaugen, und hat mich da wieder rausgeholt.“

Kalle Pohl verlor durch die Chemotherapie seine Haare. Dieses Foto entstand in eben dieser Zeit – er stellte es BILD für eine Veröffentlichung zur Verfügung
Foto: Privat

Gruppenfoto zur 50. Sendung von „7 Tage, 7 Köpfe“ 1997 (v. l.): Kalle Pohl (damals 46), Bernd Stelter (damals 36), Rudi Carrell (damals 62), Gaby Köster (damals 35), Jochen Busse (damals 56, sitzend), Piet Klocke (damals 40) und Mike Krüger (damals 45)
Foto: ddp
Pohl hielt seine Erkrankung geheim
Ein stiller, kräftezehrender Kampf hinter verschlossenen Türen. In seiner Autobiografie „Wenn es ernst wird, bleib’ ich Komiker“ (erscheint am 22. Juni) geht es deshalb nicht nur um seine Karriere und seine vielen Berufe (u. a. Polizist, Musiker, Briefträger), sondern auch um diese schlimme Krankheit. Pohl zu BILD: „An manchen Tagen habe ich es gerade mal geschafft, heißes Wasser über eine Tütensuppe zu gießen.“ Plötzlich war die Welt in zwei Teile geteilt: die der Gesunden. Und seine.

Kalle Pohl Ende der 90er in der RTL-Sendung „Veronas Welt“, mit Gastgeberin Verona Pooth (damals Feldbusch, l.) und Sonja Zietlow
Foto: T&T
Plötzlich sah der Arzt Flecken auf der Leber
Kalle Pohls Leidensgeschichte begann vor knapp drei Jahren. Seine Hausärztin hatte bei einem Routine-Ultraschall eine Veränderung der Leber bemerkt. „Sie hat mich zum Radiologen geschickt. Der wiederum sah die dunklen Flecken auf meiner Leber und schickte mich sofort zum Onkologen“, sagt Pohl zu BILD.
Da saß er nun also. Mit der Diagnose tief in der Magengrube. Pohl schreibt in seinem Buch: „Der Onkologe sitzt da in seinem makellosen Kittel, als hätte er sich kurz vor unserem Gespräch noch in der Requisite eines Krankenhausfilms eingekleidet (…) Bösartig. Das Wort trifft mich wie ein Schlag. Ich hatte geahnt, dass da was im Busch ist – aber das? Ich atme tief durch und versinke im Nichts.“
Kalle Pohls Putzfrau kümmerte sich um ihn
Was folgt, sind sechs Blöcke Chemotherapie, alle drei Wochen. Ein halbes Jahr lang. Pohl über diese Zeit: „Die Erschöpfung ist einfach übermächtig, mein Geschmackssinn hat sich endgültig verabschiedet (…) Die Chemotherapie hat mein Immunsystem gründlich lahmgelegt.“ Manchmal kommt er tagelang nicht aus dem Bett. Pohl ist seit 15 Jahren geschieden. Seine einzige Gesellschaft in dieser Zeit: Hündin Snoopy und seine Putzfrau Marina, die er „mein Engel im Chaos“ nennt. Pohl zu BILD: „Sie war an Tagen da, an denen ich kaum stehen konnte. Jedes Danke ist eines zu wenig für das, was sie für mich getan hat.“

Kalle Pohl ist Musiker, Komödiant, Schauspieler und Autor. Zuletzt war er regelmäßig in Hauptrollen oder mit Soloprogrammen auf deutschen Theaterbühnen unterwegs
Foto: BILD Fotoservice
Kalle Pohls Therapie kostete rund 100.000 Euro
Pohl gehen während seiner stundenlangen Chemo-Infusionen viele Dinge durch den Kopf. Das Thema Geld ist eines davon. Er schreibt: „Die Corona-Pandemie hat mir schon kräftig zugesetzt, da gab es keinerlei Einnahmen. Und jetzt, mit der Krebserkrankung, ist auch die Bühne passé.“ Wie teuer ist Krebs? Pohl ist schonungslos ehrlich, sagt zu BILD: „Meine Behandlung hat insgesamt rund 100.000 Euro gekostet. Das weiß ich genau, weil ich als Privatversicherter jede Rechnung gesehen habe und vorab bezahlen musste.“
Mehr zum ThemaDer Tag, an dem Pohls Krebs verschwand
Die letzte Chemotherapie lief Ende Januar 2024 durch seinen Körper. Pohl: „Bei der dritten CT-Untersuchung, ein halbes Jahr später, waren die Flecken auf der Leber weg. Keine Krankheit. Einfach: nichts. Mein Onkologe war so aus dem Häuschen, dass ich ihn kaum wiedererkannte. Er strahlte wie ein Honigkuchenpferd und sagte immer wieder: ‚Das haben Sie gut gemacht! Gratuliere! Das haben Sie gut gemacht!“ Seitdem hat Kalle Pohl einen eigenen, ganz persönlichen Feiertag: „El día que el cáncer desapareció“ – auf Deutsch: „Der Tag, an dem der Krebs verschwand“.
Vorerst sei der Kampf beendet. Doch er weiß: „Der Krebs, dieser ungebetene Gast, könnte sich immer noch irgendwo in meinem Körper verstecken. Aber ich bin fest entschlossen, der Krankheit die Show zu stehlen.“