Halle. Man könnte meinen, das Landhotel Jäckel in Künsebeck ist einst um Paul Marten herumgebaut worden, als dieser hinter der Theke stand. Seine Hand am Zapfhahn ist halt ein seit Jahrzehnten gewohntes Bild. Allerdings ist der Betrieb, der anfangs „Zum goldenen Stern“ hieß, bereits 127, Marten hingegen seit dem 5. Mai gerade einmal 80 Jahre alt. Der runde Geburtstag wurde mit etwa 200 Gästen gefeiert, und weil ein Mann nach acht Jahrzehnten Lebenszeit eigentlich schon alles hat, verzichtete er auf Geschenke und bat die Gäste stattdessen um eine Spende.

„Das machen wir schon länger so anlässlich unserer runden Geburtstage“, sagt Ehefrau Marianne Marten. Das eingesammelte Geld wurde gedrittelt und aufgestockt, so dass das Senior-Ehepaar des Landhotels nun jeweils 2.000 Euro an drei Empfänger übergeben konnten. Dazu später mehr, zunächst hat sich Spender und Geburtstagskind Paul Marten ein paar Zeilen zu seinem Werdegang verdient.

Sein eigener Weg hatte anfangs anders begonnen, wobei die Gastronomie ihn von der Kindheit an faszinierte. Er lernte Landmaschinenmechaniker und war 20 Jahre lang bei der Wertheraner Firma Tiede beschäftigt. Doch die Gastronomie war schon immer sein Hobby. So stand Marten nach Feierabend hinter der Theke, zunächst im Lindenhof, später in der Steinhägerquelle in Amshausen.

Doppelter Job aus Liebe zur Gastronomie und zu Marianne

„Das fing schon mit 13 Jahren an“, erinnert sich der gebürtige Haller. Nach Feierabend in der Wertheraner Firma eilte er zurück nach Halle, wo er dann jeden Abend bis 12 oder 1 Uhr die Gäste bediente. „Das habe ich bis in die 1980er-Jahre so gemacht“, blickt Marten auf die frühere Doppelbelastung zurück.

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Eine Mühe, die sich gelohnt hat, schließlich lernte er hier auch seine Frau Marianne kennen, die Enkelin des Gastronomiegründers. Sie heirateten 1972 und übernahmen 1982 die Leitung des Hauses. In den Folgejahren wurde das Hotel mehrfach umgebaut und erweitert. Aus dem einstigen Gasthof wurde ein Landhotel. Der Lebensmittelladen und die Bäckerei, die Mariannes Vater als Bäckermeister geführt hatte, wurden geschlossen. Man konzentrierte sich ganz auf den Hotelbetrieb samt Restaurant.   

Bis heute ist Paul Marten im Landhotel Jäckel aktiv, das mittlerweile von der 4. Generation geführt wird. Täglich, sofern nicht gerade Ruhetag in dem Haus ist, steht er an der Theke. „Ich liebe die Gastronomie und kann nicht ohne. Den ganzen Tag im Sessel liegen und TV schauen – das wäre nichts für mich.“ Stattdessen freut er sich über kürzere Urlaube, die ihn gemeinsam mit Marianne gerne an die Ostsee oder nach Südtirol führen.

Bekannter der Familie leidet an seltener Gefässmissbildung


Paul Marten (r.), hier mit Ehefrau Marianne, hat anlässlich seines 80. Geburtstag für drei Institutionen Spendengelder gesammelt. Darunter der Förderverein des Klinikums, vertreten durch Maria Heckmann (l.), und die Freiwillige Feuerwehr, vertreten Künsebecks Löschzugführer Pascal Godt und Christian Herden (Leiter der Haller Feuerwehr.) . - © Uwe Pollmeier

Paul Marten (r.), hier mit Ehefrau Marianne, hat anlässlich seines 80. Geburtstag für drei Institutionen Spendengelder gesammelt. Darunter der Förderverein des Klinikums, vertreten durch Maria Heckmann (l.), und die Freiwillige Feuerwehr, vertreten Künsebecks Löschzugführer Pascal Godt und Christian Herden (Leiter der Haller Feuerwehr.) .
| © Uwe Pollmeier

Bevor er aber wieder die Koffer packt, übergab er nun die Spendengelder. Jeweils 2.000 Euro gingen an die Freiwillige Feuerwehr Künsebeck, an den Förderverein des Klinikums Halle und an Jonas, einem 18-jährigen Bekannten der Familie Marten, der unter einer seltenen Gefäßerkrankung leidet. „Jonas lebt mit einer sogenannten arteriovenösen Malformation (AVM), die im Jahr 2021 eine Hirnblutung verursachte“, erklärte Schwiegertochter und Juniorchefin Sonja Wunsch. Er kämpfe seitdem mit bleibenden Einschränkungen: eine Halbseitenlähmung, Sprach- und Konzentrationsproblemen sowie starke Beeinträchtigungen im Alltag. Viele Dinge, die für andere selbstverständlich sind, seien für ihn nur mit Hilfsmitteln und festen Strukturen möglich.

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„Nun hat sich die AVM erneut verändert und die Zeit drängt. Eine Operation ist nicht möglich, konventionelle Behandlungsmethoden sind ausgeschöpft, Hoffnung gibt nur noch ein einmaliger radiochirurgischer Eingriff“, sagte Wunsch. Die Kosten für diesen Eingriff, der in Essen stattfinden soll, belaufen sich auf rund 6.000 Euro. „Die Krankenkasse lehnt derzeit die Übernahme dieser Kosten ab. Um Jonas eine Zukunft ohne ständige Angst vor weiteren Komplikationen zu ermöglichen, erwägt die Familie nun, die chirurgischen Behandlungskosten selbst zu übernehmen.“

Zweiter Spendenempfänger ist die Freiwillige Feuerwehr, bei der Geldübergabe vertreten durch Christian Herden, Leiter der Haller Feuerwehr, und Künsebecks Löschzugführer Pascal Godt. „Die Kameradschaft kommt bei uns oft zu kurz“, sagt Herden. Dabei sei es wichtig, Gelegenheiten zu schaffen, um sich nach belastenden Einsätzen auch mal unterhalten zu können. Mit dem Geld wolle man daher die Grillecke am Künsebecker Gerätehaus ausbauen.

Monitore sollen schnelle Patientendaten liefern

Dritter Spendenempfänger ist der Förderverein des Klinikums Halle. Dessen Vorsitzende Maria Heckmann bedankte sich für das Geld und erklärte, dass man damit Spotmonitore für die insgesamt fünf Stationen und die Zentrale Notaufnahme anschaffen möchte. Die Geräte messen die Vitalwerte des Patienten wie Blutdruck oder Puls und senden sie direkt an die mobile Patientenakte. Ziel ist es, jede Station mit zwei Geräten auszustatten, sechs befinden sich bereits im Besitz des Klinikums Halle.

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