Bielefeld. Eine riesengroße Überraschung war es nicht mehr. Doch was Arminia Bielefeld am Samstagmorgen verkündete, war nicht weniger als ein Paukenschlag. Nach drei Jahren beenden der DSC und Cheftrainer Mitch Kniat die Zusammenarbeit nach der abgelaufenen Saison. Beide Parteien einigten sich demzufolge nach umfangreichen Analysen und tiefgehenden Gesprächen einvernehmlich. Neben Kniat werden auch die Co-Trainer Dani Jara und Janik Steringer den Verein verlassen.

Die Anzeichen, dass es so kommen würde, hatten sich rund um das Saisonfinale verdichtet. Unmittelbar nach dem furiosen 6:1-Heimsieg gegen Hertha BSC verweigerte Sportchef Michael Mutzel auf Nachfrage ein klares Bekenntnis zum Coach. „Grundsätzlich ist er unser Trainer und hat das Ziel Klassenerhalt erreicht. Alles andere besprechen wir in den nächsten Tagen“, sagte der 46-Jährige.

Zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass in der Personalie Kniat alles möglich ist. Offenbar auch, dass der 40-Jährige von sich aus gehen könnte. Auf eine entsprechende Frage entgegnete Mutzel ausweichend: „Es gibt zwei Seiten. Wir müssen uns in die Augen gucken. Und dann werden wir beide sagen: alles gut oder auch nicht. Wir haben uns jetzt erst mal auf den Klassenerhalt konzentriert.“

Kniat spricht von „besonderer Erfahrung“

Der Trainer selbst erweckte allerdings kaum den Eindruck, sein Amt vorzeitig niederlegen zu wollen. Er betonte: „Das ist einfach mein Verein, und ich bin hier sehr glücklich. Mein ganzes Trainerteam fühlt sich extrem wohl hier, und es macht extrem Spaß, jeden Tag zur Arbeit zu kommen.“

Die Analyse, die nach Kniats Mallorca-Trip anberaumt wurde, ergab laut Mutzel nun, „dass wir bei der Zukunftsplanung nicht deckungsgleich sind“. Deshalb sei man dann übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, „dass es besser ist, die Zusammenarbeit mit dem positiven Saisonabschluss und dem Erfolg des Klassenerhaltes zu beenden – auch wenn es immer schade ist, wenn eine fantastische und von vielen tollen Erlebnissen geprägte Zeit endet, bleibt der Stolz für das Erreichte“.

Und das ist eine ganze Menge. In der Saison 2024/25 stieg Arminia unter Kniat als Meister in die 2. Bundesliga auf und erreichte parallel das Finale des DFB-Pokals (2:4 gegen den VfB Stuttgart). In der dritten Spielzeit erreichte er mit dem DSC das Saisonziel Klassenerhalt.

„Es war mir jeden Tag eine Freude und eine besondere Erfahrung, für diesen Traditionsverein zu arbeiten“, wird Kniat zitiert. „Wer mich kennt, weiß, dass ich dem Klub und diesem fußballverrückten Umfeld nur das Beste wünsche, und ich bin mir sicher, dass man sich im Fußball immer wieder treffen wird.“

Rapp war ein Kandidat bei Arminia

Für Mutzel geht es nun darum, zeitnah einen Nachfolger zu präsentieren, der die Mannschaft beim Trainingsauftakt am 27. Juni auf den Rasen führt. Da die Trennung von Kniat nicht aus heiterem Himmel kommt, dürfte der Sportchef bereits einen Alternativ-Plan in der Schublade haben. Wie diese Redaktion berichtete, hatte der DSC schon vor dem letzten Spieltag im Hintergrund Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt. Ein Kandidat bei Arminia war Marcel Rapp.

Der 47-Jährige arbeitete zuletzt beim Zweitligisten Holstein Kiel. Im Februar dieses Jahres aber musste er gehen. Zuvor feierte er mit den Kielern allerdings große Erfolge. Im Sommer 2024 führte er die „Störche“ sensationell in die Bundesliga. Eine Saison später stiegen die Kieler allerdings direkt wieder ab.

Rapp stand lange auch bei Bielefelds Ligakonkurrent Karlsruher SC oben auf der Liste. Doch die Badener präsentierten am Donnerstag Maximilian Senft als Nachfolger von Christian Eichner. Rapp und Arminias Sport-Geschäftsführer Michael Mutzel kennen sich gut. Als Mutzel von 2012 bis 2014 als Jugendkoordinator bei der TSG 1899 Hoffenheim arbeitete, war Rapp dort Trainer im Nachwuchsbereich. Allerdings wird ein Engagement Rapps in Bielefeld nicht zustande kommen. Der Trainer hat dem Vernehmen nach andere Optionen.

Noch besser kennen sich Mutzel und Eichner, dessen Abgang in Karlsruhe schon seit einigen Wochen feststeht. Das gute Verhältnis des Duos – Mutzel ist Eichners Trauzeuge – lässt eine Zusammenarbeit der beiden in einem Chef-Angestellten-Verhältnis auf den ersten Blick unwahrscheinlich erscheinen.