Mit diesem Ergebnis des „Friedensgipfels“ vom Ravenna-Park war im Vorfeld nun wirklich nicht zu rechnen. Zu verhärtet schienen die Fronten zwischen der Haller Interessen- und Werbegemeinschaft und den Betreibern des Outlets im Ravenna-Park.

Denn immerhin fürchteten die Kaufleute aus der Innenstadt nach eigenem Bekunden um ihre Existenz, sollte das Outlet nach der Entkopplung vom angrenzenden Logistikzentrum mehr Flexibilität bei der Gestaltung des Markenangebots bekommen. Die Gleichung schien gesetzt: Mehr Vielfalt im Ravenna-Park gleich mehr Konkurrenz gleich weitere Einbußen für die ohnehin schon gebeutelten inhabergeführten Geschäfte.

Und auch wenn der neue HIW-Chef Jörg Magenreuter sofort nach seinem Amtsantritt öffentlich Signale der Entspannung sendete, so deutete doch vieles darauf hin, dass man sich zunächst einmal beschnuppern und Positionen austauschen wollte. Doch Magenreuter entschied sich gleich für den ersten starken Akzent seiner Amtszeit. Es war wohl eine Mischung aus strategischer Vernunft und guter Chemie zwischen ihm und Outlet-Geschäftsführer Sebastian Müller-Potthoff von der BRE Invest, die den HIW-Vorsitzenden zur kompletten Kehrtwende bewog: Kooperation statt Konflikt, gemeinsame Projekte statt gegenseitigem Belauern.

Frieden zwischen den Haller Einzelhändlern war richtige Entscheidung


Walbusch und die BRE-Invest haben mit Outlet und Logistikzentrum im Ravenna-Park gewaltige Strukturen zu bewirtschaften. - © Nicole Donath

Walbusch und die BRE-Invest haben mit Outlet und Logistikzentrum im Ravenna-Park gewaltige Strukturen zu bewirtschaften.
| © Nicole Donath

Und dieser „Frieden von Ravenna“ war letztlich die einzig richtige Entscheidung für beide Seiten. Das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans für das Outlet läuft zwar erst richtig an – aber schon jetzt steht fest, dass beide Seiten keine übermäßige Energie darauf verschwenden müssen, Beschränkungen im Werksverkauf durchzusetzen oder zu verhindern.

Diese Energie brauchen sowohl die Kaufleute in der Innenstadt als auch das Outlet für andere Probleme: Beide Standorte spüren die Kaufzurückhaltung der Kunden, hoffen, dass die Frühjahrsbelebung endlich einsetzt und müssen sich ständig Gedanken machen, in kniffligen Zeiten die Umsätze zu halten und bestenfalls wieder nachhaltig zu erhöhen.

Konflikte kosten nur Kraft, die der Einzelhandel gerade nicht übrig hat. Und auch die Stadt Halle nicht. Man darf davon ausgehen, dass ein kollektiver Stoßseufzer im Rathaus erklang, als man vom positiven Austausch zwischen HIW und Outlet erfuhr. Denn die Verwaltung hat bei ihrer Standortpolitik ohnehin schon genug knifflige Fragen zu lösen.

Stadt Halle hat knifflige Standortfragen zu lösen


Die Insolvenz des Hammer-Marktes reißt an der ehemaligen B68 eine Lücke. - © Uwe Pollmeier

Die Insolvenz des Hammer-Marktes reißt an der ehemaligen B68 eine Lücke.
| © Uwe Pollmeier

An der ehemaligen Bundesstraße 68 plant sie den großen Wurf und will die Verhältnisse neu ordnen: mit einem Gewerbegebiet an der Hallenstraße, wo künftig das Autohaus Recker residieren soll, und neuem Wohnraum an der Bielefelder Straße. Und noch während die kniffligen Verhandlungen um die neuen Zuschnitte der Gewerbeflächen laufen, bricht direkt am Rand dieses Gebietes ein wichtiger Frequenzbringer weg: Die Pleite des Hammer-Marktes ist ein Schlag für den Wirtschaftsstandort. Weil an dieser Stelle Umsatz fehlt, aber vor allem, weil hier nun eine jahrelange Brache und ökonomischer Stillstand drohen.

Großes Bauprojekt in Halle: Neues Autohaus wirft viele Fragen auf

Nicht auszumalen, wenn auch noch das Outlet im Ravenna-Park scheitern würde. Walbusch und seine Tochter BRE Invest haben hier mit Logistikzentrum, Werksverkauf und Restaurant gewaltige Strukturen des insolventen Modekonzerns Gerry Weber übernommen. Sie in diesen Zeiten erfolgreich zu bespielen, ist und bleibt eine Herkulesaufgabe. Wenn die Verantwortlichen sie meistern, stärkt das allerdings auch den Standort Halle nachhaltig. Ein Vertrauenvorschuss für Christian Busch und Sebastian Müller-Potthoff scheint also weiterhin angebracht.

Man muss allerdings auch so ehrlich sein, dass es bislang nur die Symbolik des Schulterschlusses zwischen HIW und Outlet gab. Jörg Magenreuter hat nach eigenem Bekunden den Vorstand der HIW hinter sich – gilt das auch für die Mehrheit der Kaufleute? Und was passiert, wenn sich deren Lage weiter zuspitzt? Sowohl der HIW-Vorsitzende als auch Müller-Potthof sind sich bewusst, dass es jetzt konkrete kreative Ideen braucht, um den Einzelhandelsstandort Halle gemeinsam in Szene zu setzen.

Online-Handel ist die bedrohliche Konkurrenz für Haller Kaufleute


Jörg Magenreuter (l.) und Sebastian Müller-Potthoff haben bereits erste Ideen ausgetauscht. - © Marc Uthmann

Jörg Magenreuter (l.) und Sebastian Müller-Potthoff haben bereits erste Ideen ausgetauscht.
| © Marc Uthmann

Display-Werbung für die Innenstadt im Outlet mag dabei nur ein erster Schritt sein, und über dessen Wirkung wird sich debattieren lassen: Aber er bedeutet eben auch die Möglichkeit, schnell erste Zeichen zu setzen.

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Interessant in diesem Zusammenhang ist die Analyse von Sebastian Müller-Potthoff, dass viele Kunden von außerhalb das Outlet ansteuerten und dass aus seiner Sicht wenige Euros im Ravenna-Park ausgegeben würden, die darum in der Innenstadt fehlten. Das ist sicherlich nicht belastbar, doch zumindest besteht vor diesem Hintergrund die Chance, neue Kunden auch ins Zentrum zu locken, wenn man ihnen geschickt den Weg weist. Einfach wird das aber ohne Frage nicht.

Über all diesen Überlegungen steht allerdings etwas anderes: Und das ist die Konkurrenz zum Online-Handel. Hier lauert der wirklich bedrohliche Wettbewerber, der die Bequemlichkeit der Kunden perfekt bedient. Jüngstes Beispiel ist das angekündigte Aus des Fotostudios Mörke in Halle. Was das Netz nicht zu bieten hat: die Tiefe und Qualität der Beratung und das Ambiente des Besuchs in einem schönen Ladenlokal. Wenn HIW und Outlet künftig ihre Kräfte bündelten, um gemeinsam für die Zukunft des stationären Handels zu kämpfen, wäre schon viel gewonnen.

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