Fragen & Antworten
Standdatum: 23. Mai 2026.
Autorinnen und Autoren:
Verena Patel
Audio
Der Stadtwaldsee (Unisee) in Bremen mit Badestelle. Aktuell warnt die Bremer Umweltbehörde Menschen mit empfindlicher Haut vor dem Baden.
Bild: dpa | G. Franz
Audio-Ende
Am Wochenende in den Unisee? Das Umweltressort warnt Menschen mit empfindlicher Haut vor dem Baden. Doch wie gefährlich sind Blaualgen eigentlich? Und warum gibt es sie so früh im Jahr?
Welche Gesundheitsprobleme verursachen Blaualgen?
Der Name Blaualgen ist irreführend. Eigentlich handelt es sich um Bakterien, genauer um Cyanobakterien. Sie zeigen sich vor allem auf stehenden Gewässern durch einen blaugrün aussehenden Teppich. Haut- und Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen, Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen können bei Kontakt mit belastetem Wasser auftreten.
„Das Verschlucken von belastetem Wasser kann zu Durchfallerkrankungen führen. Auch Atemwegserkrankungen sind möglich. Eine besondere Risikogruppe sind im Uferbereich der Badestelle spielende Kleinkinder im Krabbelalter. Aufgrund ihres Spielverhaltens und durch häufigen Hand-Mund-Kontakt können sie unbeabsichtigt größere Mengen Sand und Wasser aufnehmen. Aber auch ältere Kinder können beim Toben im Flachwasserbereich größere Wassermengen verschlucken“, schreibt das Bremer Umweltressort auf seiner Website.
Warum gibt es trotz eines kühlen, verregneten Frühlings schon Blaualgen im Unisee?
Laut Bremer Umweltressort ist es nicht ungewöhnlich, dass aktuell schon Blaualgen in Gewässern vorkommen. „Einige Arten kommen auch mit niedrigen Temperaturen und weniger Licht zurecht“, heißt es auf Anfrage schriftlich. Es lasse sich nicht vorhersagen, wann die Bakterien auftreten.
2024 hat das Umweltressort Maßnahmen gegen das Blaualgenwachstum angekündigt. Was haben sie gebracht?
Unter anderem sollten gezielt Karpfen aus dem See entnommen werden durch sogenanntes Hegeangeln. Laut Bremer Umweltressort ist diese Maßnahme – wie alle anderen – jedoch langfristig angelegt. Die Idee dahinter: Wenn es weniger Karpfen im See gibt, werden auch weniger der am Seegrund wachsenden Wasserpflanzen abgerissen. Sie wiederum sorgen für einen ausgeglichenen Nährstoffgehalt im Wasser – und der sei als „wesentlicher, limitierender Faktor für Blaualgenblüten anzusehen“. Um den Bestand an Unterwasserpflanzen festzustellen, werden auch Taucher eingesetzt.
Um zu verhindern, dass Badende in den See urinieren, war geplant, mehr Toilettenhäuschen aufzustellen. Denn Fäkalien im Wasser beeinflussen den Nährstoffgehalt im See so, dass er Blaualgenvorkommen begünstigt. „Um den Nährstoffeintrag durch Badende in den See auch künftig zu reduzieren, wurde vereinbart: An heißen Tagen sollen die Toiletten häufiger gereinigt werden. So werden sie von Badenden öfter genutzt – und das Wasser bleibt sauberer“, heißt es auf Anfrage vom Umweltressort. Auch weitere Maßnahmen sind statt auf schnelle Ergebnisse auf Langfristigkeit angelegt.
Wie lange hält ein Blaualgenbefall in der Regel an?
„Auffällige Blaualgenvorkommen können innerhalb kurzer Zeit verschwinden, zum einen über Winddrift, durch die sie in nicht einsehbare Bereiche eines Sees vertrieben werden, oder durch natürliche Prozesse im See, wenn die Blaualgen durch andere Arten des Phytoplanktons (frei im Wasser schwimmenden Algen), zum Beispiel Grünalgen, Kieselalgen, Goldalgen, verdrängt werden oder absterben und damit ihr Anteil abnimmt“, teilt das Umweltressort schriftlich auf Anfrage von buten un binnen mit. Das Erscheinungsbild eines Badegewässers könne sich so innerhalb von einem Tag ändern.
Wie das Ökosystem See aufgebaut ist
Seeaufbau
Litoral
Uferzone
Benthal
Gesamter Bodenbereich
Profundal
Lichtarmer Bodenbereich
Trophogene Zone/Aufbauzone
Oberste, lichtdurchflutete Zone, in der Photosynthese stattfindet und Nährstoffe gebildet werden
Tropholytische Zone/Abbauzone
Grafik in Vollbildansicht öffnen
Welche anderen Gewässer in Bremen sind anfällig für eine Ausbreitung von Blaualgen?
Bei Weser und Wümme gebe es kein Potenzial dafür, sagt Michael Schirmer. Er ist emeritierter Professor für aquatische Ökologie an der Universität Bremen. „An der Badestelle am Café Sand gibt es relativ wenig Blaualgen, weil das Wasser dort Turbulenzen hat. Die Weser ist für die Ausbreitung von Blaualgen ungeeignet.“ Ähnlich sei es bei der Wümme. Der kleine Fluss habe außerdem keinen hohen Phosphorgehalt, der für die Blaualgen wichtig ist. Anders sehe es beim Werdersee aus. Das sei praktisch ein stehendes Gewässer mit kaum Bewegung. „Die Vorhersage ist extrem schwer, aber wenn man nicht aufpasst, könnte es Probleme geben“, sagt Schirmer.
Es komme auch auf die Lage eines Sees an, sagt Schirmer. „Liegt ein See in Ost-West-Richtung, ist das vorteilhaft, weil dann der Wind Turbulenzen im Wasser erzeugt, wenn er kräftiger weht.“ Dadurch werden die an der Wasseroberfläche treibenden Blaualgen nach unten gedrückt, wo sie weniger oder gar kein Licht mehr abbekommen und zurückgehen können, erklärt Schirmer. Zwar gibt es Möglichkeiten, die Ausbreitung einzudämmen, die sind aber aufwendig, sagt der Biologe. „Umwälzanlagen erfordern die entsprechende Technik und kosten Geld.“ Es bestehe sogar die Gefahr, dass noch mehr Phosphor aufgewirbelt werde, wenn man nicht vorsichtig genug vorgehe. Auch die Kontrolle von Nährstoffen im Wasser sei sehr aufwendig.
Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, Der Nachmittag, 19. Mai 2026, 15.40 Uhr
