Mislintat-Aus nach nur sechs Monaten – Vision prallt auf Realität
Sven
Mislintat, erst seit Dezember als Nachfolger von Klaus Allofs im Amt, steht vor
dem Aus und wird laut Planung am Sonntag offiziell verabschiedet. Eigentlich
war er geholt worden, um Fortuna strukturell neu aufzustellen und den Klub
grundlegend zu verändern. Spätestens nach dem Abstieg musste er jedoch
erkennen, dass seine Vorstellungen unter den gegebenen Bedingungen kaum
umsetzbar sind. Nach einem halben Jahr wird das Arbeitsverhältnis nun im
Einvernehmen beendet.
Brisant:
Während Klubchef Alexander Jobst vom Aufsichtsrat unmittelbar nach dem Abstieg
das Vertrauen ausgesprochen bekam, blieb eine vergleichbare Rückendeckung für
Mislintat aus. Intern gab es Kritik an einzelnen sportlichen Entscheidungen –
etwa der durchwachsenen Trefferquote im Winter-Transferfenster und der langen
Treue zu Trainer Markus Anfang –, doch ausschlaggebend sind offenbar vor allem
atmosphärische Spannungen. Aus Mannschaftskreis und Umfeld wurden
Unzufriedenheit, Konflikte und Vorwürfe über eine unstrukturierte Arbeitsweise
an die Führung herangetragen, was am Ende auch den Vorstand auf den Plan rief.
Arabi übernimmt in der Krise – kaum Zeit, um bei Null zu starten
Die
Fortuna-Spitze reagiert mit einem klaren Kurswechsel: Samir Arabi, langjähriger
Architekt bei Arminia Bielefeld, soll als neuer Sportvorstand die Trümmer
zusammenkehren. Der 47-Jährige bringt 12,5 Jahre Erfahrung aus Ostwestfalen
mit, inklusive mehrerer Auf- und Abstiege zwischen 3. Liga, 2. Liga und
Bundesliga. Bereits im Winter war er ein ernsthafter Kandidat für die
Allofs-Nachfolge, damals erhielt jedoch Mislintat den Zuschlag – nun kommt
Arabi mit einem halben Jahr Verspätung doch noch an den Rhein.
Der
Zeitpunkt ist heikel: Die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt in wenigen
Wochen, der Kader ist nach dem Absturz weitgehend ausgedünnt, und Mislintats begonnene Personalplanungen – unter anderem Gespräche über Verlängerungen mit
Florian Kastenmeier und Matthias Zimmermann sowie die Rückhol-Idee von Jorrit
Hendrix – liegen jetzt auf Eis. Arabi muss praktisch von vorn beginnen, während
Trainer Alexander Ende trotz des Managerwechsels im Amt bleiben soll.
Zusätzlich ist mit Finanzvorstand Arnd Hovemann die Zukunft einer weiteren
Schlüsselposition offen, weil sein Vertrag nicht für die 3. Liga gilt.
- Fortuna Düsseldorf trennt sich nach nur einem
halben Jahr von Sportchef Sven Mislintat, offiziell im Einvernehmen, in
Wahrheit aber auch wegen massiver Spannungen im Klub. - Mit Samir Arabi übernimmt ein erfahrener Auf- und
Abstiegsmanager, der schon im Winter ein Kandidat war und nun den
kompletten sportlichen Neuaufbau in der 3. Liga stemmen muss. - Die
Zeit drängt: Der Kader ist ausgedünnt, begonnene Transferpläne sind gestoppt,
und neben der sportlichen Neuausrichtung bleibt auch die Besetzung wichtiger
Führungspositionen ein offenes Baustellenpaket.