Mit dem Einzug ins Finale um den Niederrhein-Pokal feierte der SC St. Tönis seinen größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Und der Rahmen hätte kaum beeindruckender sein können. Knapp 19.000 Zuschauer verfolgten das Duell der ungleichen Gegner. Ein Erlebnis, das nicht nur den Spielern und dem Team um die Mannschaft unter die Haut ging. Es entstand das Gefühl, dass der ganze Verein nach Duisburg gepilgert war, um dabei zu sein. Dass das Spiel den erwarteten Ausgang nahm, interessierte hinterher niemanden. Es überwog der Stolz über das Geleistete. Nicht nur sportlich, denn nebenbei machte der Sportclub mit seinem Auftritt auch beste Werbung für die Stadt Tönisvorst. Holger Krebs, der sportliche Leiter, zog ein zufriedenes Fazit: „Als Oberligist haben wir uns, was den Bus, die Organisation und so weiter angeht, auf gleichem Niveau befunden. Sportlich muss man klar realisieren, dass wir es mit Profis zu tun hatten, die uns vor allem physisch überlegen waren. Aber wir haben uns sportlich mehr als gut verkauft.“
Auf dem Duisburger Rasen angekommen, zückten die meisten SC-Kicker erst einmal ihre Handys. Auch im Spiel war der Respekt des Underdogs vor der Kulisse und dem Gegner hier und da spürbar, suchte aber immer seine Chance, wenn sich eine ergab. Mit dem Ergebnis und der Leistung seiner Mannschaft konnte Trainer Bekim Kastrati hinterher mehr als gut leben: „Dass wir schon schnell hinten lagen, war natürlich das Schlimmste, was passieren konnte. Wir haben aber die ersten 30 Minuten gut durchgehalten und auch in der Schlussphase hatten wir noch ein paar gute Aktionen.“
Auch die MSV-Fans hatten ihren Anteil daran, dass das Finale für den Fünftligisten ein unvergesslicher Tag wurde. Mit minutenlangem Applaus zollten sie den Unterlegenen nicht nur vor der Übergabe der Final-Medaille Respekt. Auch nachdem die SC-Kicker das Spalier der applaudierenden MSV-Spieler durchschritten, um sich die Erinnerungsplakette abzuholen, feierten die MSV-Anhänger die Apfelstädter. „Ein Gänsehautmoment“, sagte der scheidende Kapitän Dominik Dohmen, „man hatte irgendwie das Gefühl, dass sie uns sympathisch fanden. Auch die beiden St. Töniser Blöcke waren großartig. Wir haben die Atmosphäre aufgesaugt.“ Von einem unvergesslichen Tag berichtete auch Betreuer Uwe Ring: „Das Ganze kann man in seiner Einmaligkeit nicht beschreiben. Das ganze Stadion hat uns applaudiert. Ein sehr respektvoller Umgang der MSV-Fans mit dem Gegner.“
Um 20.18 Uhr traf der professionell gestylte Mannschaftsbus am St. Töniser Vereinsheim ein, wo Staff und Mannschaft, die ein T-Shirt mit dem Konterfei des verstorbenen Markus Hagedorn trugen, ein toller Empfang bereitet wurde. Die Kick-Group spendete spontan 100 Liter Freibier und eröffnete damit eine lange Nacht.
Für die neue Oberliga-Saison verpflichtet der SC Offensivspieler Avanesh Satheskumar aus der U21 von VVV Venlo. Der technisch versierte 20-Jährige, ausgebildet bei Borussia Mönchengladbach, gilt als Ersatz für den abwandernden Mario Knops. Vom SC Kapellen kommt Hiroya Suguro. Der 20-jährige Japaner war Stammspieler beim Landesligisten SC Kapellen. „Ein spielstarker Typ mit hoher Spielintelligenz, der sich für höhere Aufgaben empfehlen möchte“, so Krebs. Komplett ist der Kader noch nicht. Die Verantwortlichen sind daher weiter auf der Suche.