125 Jahre schwebt Wuppertal mittlerweile schon. Umso passender, im Jubiläumsjahr wieder den beliebten Kaiserwagen fahrtüchtig zurückkehren zu lassen. Seit längerer Zeit wird hinter den Kulissen fleißig gearbeitet, seit Anfang September 2025 gibt es Testfahrten und viele dürften den historischen Wagen aus der 1900er-Baureihe insbesondere in den vergangenen Wochen häufig gesehen und auch gehört haben. Das charakteristische Geräusch kündigt den Wagen deutlich gegenüber seiner jüngeren Geschwister an.
Nun hätte es verschiedene Daten gegeben, an denen der Kaiserwagen erstmals wieder eine Passagierfahrt antritt. Der 24. Oktober, passend zur Fahrt Kaiser Wilhelms II. und seiner Gattin Auguste Viktorias 1900, noch vor der eigentlichen Inbetriebnahme? Oder der 1. März als Datum des offiziellen Starts der Schwebebahn 1901? Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing, hat hingegen den 24. Mai ins Gespräch gebracht: Vor 50 Jahren startete der Kaiserwagen zum 75-jährigen Schwebebahn-Bestehen mit den touristischen Fahrten. „Wir sind sehr froh, dass es nun tatsächlich geklappt hat und wir pünktlich zu diesem Datum wieder Passagierfahrten anbieten können“, freut sich Martin Bang und ist voll des Lobes für Christian Kindinger, Betriebsleiter der Schwebebahn, und dessen Team. Er verrät zudem: „1976 ist der 1. März Rosenmontag gewesen, weshalb man die Wiedereinführung des Kaiserwagens kurzerhand in den Mai verlegt hat.“
Diese Verschiebung kam auch 2026 zum 125-jährigen Bestehen deutlich zu Gute: Bei wahrem Kaiserwetter durften um 14 Uhr geladene Gäste der Stadtgesellschaft und Wuppertaler Politik in den historischen Wagen einsteigen. Bei vielen kamen Erinnerungen hoch. Heiner Fragemann (1. stellvertretender Bürgermeister, SPD) erinnert gerne zurück an seinen 40. Geburtstag, den er gemeinsam mit seiner Familie im Kaiserwagen gefeiert hatte. „Das war schon ein besonderes Geschenk“, so Fragemann.
Bei der rund einstündigen Fahrt hin und zurück von Vohwinkel aus sorgte Culinaria für Getränke und Speisen: Fingerfood wie Ziegenkäsecreme mit Feigensenf und rosa Pfeffer, geschmorter violetter Süßkartoffelsalat mit Spitzkohl und Rosmarin und zum Abschluss Rhabarber-Crumble rundeten die besondere Fahrt ab. Johannes Schlottner und Sandra Reger begleiteten die Fahrt in historischen Kostümen zudem mit vielen Fakten rund um die Schwebebahn, den vorbeiziehenden Quartieren und Sehenswürdigkeiten.
Eine Besonderheit war die Wende in Oberbarmen. „Früher musste man noch aussteigen und durfte nicht sitzen bleiben“, sagte Jörg Mittelsten-Scheid, der sich diese Fahrt nicht nehmen ließ. „Jetzt haben Sie die einmalige Chance, auch den anderen Wagen während der Fahrt zu sehen“, gab Sandra Reger den Hinweis, während der Kaiserwagen besonders langsam die Kurve nahm. Schließlich sind hier die beiden Wagen nicht miteinander verbunden wie bei den jüngeren Modellen.
„Der Kaiserwagen ist einfach Heimat“, stellte Anja Liebert (Grüne) nach der Fahrt fest. Die Begeisterung ist nicht nur ihr, sondern auch den Parteikolleginnen Denise Frings und Dagmar Liste-Frinker anzusehen. „Auf der Fahrt waren so viele Menschen zu sehen, die sofort das Smartphone gezückt haben, um ein Foto zu machen – der Kaiserwagen gehört einfach zu Wuppertal dazu.“
Der Meinung ist auch Oberbügermeisterin Miriam Scherff: „Es ist schön, zu sehen, dass der Wagen so gut ankommt und wie sehr sich die Menschen damit auch identifizieren – der Kaiserwagen wurde sehr vermisst.“
WSW-Geschäftsführer Markus Hilkenbach und Sabine Schnake (WSW-Mobil) zeigen sich beim Pfingsttermin jedenfalls entspannt und erleichtert, dass das Projekt Kaiserwagen planmäßig wieder durch die Stadt schwebt.
In den nächsten Wochen sind die Fahrten bereits ausgebucht. Martin Bang versichert aber, dass die Anzahl der Fahrten in den nächsten Monaten gesteigert werden wird. „Am Wochenende werden wir wieder regelmäßig unterwegs sein.“
Insgesamt 20 Schwebebahnfahrer werden deshalb aktuell für den Kaiserwagen geschult. „Das Interesse war natürlich deutlich größer, aber es benötigt eine gewisse Fahrpraxis, damit dieser historische Wagen korrekt bedient werden kann“, erläutert Andreas Haus, der den Kaiserwagen schon seit langen Jahren fährt und sich nun gemeinsam mit seinen Kollegen freut, wieder hinter dem Steuer stehen zu dürfen.