Standdatum: 24. Mai 2026.

Autorinnen und Autoren:
Matthias Röhrs

Audio

Die "Gentsiet" legt an.

Bis zu 10.000 Fahrgäste zählt der Fährverein jede Saison.

Bis zu 10.000 Fahrgäste zählt der Fährverein jede Saison.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Audio-Ende

Tausende Ausflügler setzen mit ihr jede Saison über die Weser: Die Fähre „Gentsiet“ wurde großteils aus Spenden finanziert. Warum jede Überfahrt besonders ist.

Die Fähre „Gentsiet“ ähnelt eigentlich mehr einem Floß als einem Schiff. Sie ist auch mehr ein fahrender Ponton, sagt Kapitän Frank Hustedt. Die Strecke zwischen den kleinen Dörfern Hagen-Grinden und Ahsen-Oetzen hat eine Menge Tradition. Schon vor fast 300 Jahren haben an dieser Stelle in der Mitte von Thedinghausen und Etelsen Menschen die Weser überquert. Heute ist die Fähre ein Ausflugsziel.

Und dass sie das ist, ist dem örtlichen Fährverein zu verdanken, dessen Vorsitzender Frank Hustedt ist. Nachdem 1959 der Fährbetrieb zunächst eingestellt wurde, hat der Verein vor nun 25 Jahren damit begonnen, wieder eine Linie über den Fluss anzubieten.

Bild Frank Hustedt

Frank Hustedt ist Kapitän und Vereinsvorsitzender.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Es rumpelt kurz laut, wenn die Rampe der „Gentsiet“ auf den Anleger fällt. Eine Gruppe Fahrradfahrer geht an Bord – fröhlich begrüßt von Anna Brake. Sie verkauft die Tickets, und ein bisschen mehr. „Will jemand einen Fährschluck?“, ruft sie kurz nach dem Ablegen. Der Fährschluck ist ein Wodka-Lemon in kleinen Flaschen – eine Sonderanfertigung für die „Gentsiet“ und ihren Fährverein. „Schmeckt gut“, sagt eine Passagierin, „könnte aber mehr drin sein.“

Fährverein besteht seit 25 Jahren

Anna Brake geht in ihrem Ehrenamt auf. „Ich bin gerne auf dem Wasser, und ich habe unheimlich gerne nette Menschen um mich herum. Und die findest du hier“, sagt sie. Es ist ein Miteinander zwischen Crew und Passagieren. „Das Ganze ist halt auch ein Erlebnis für die Menschen“, so Frank Hustedt. „Das ist halt nicht einfach nur ein Übersetzen über die Weser, sondern da kriegt man immer einen Spruch dazu.“

„Gentsiet“ ist übrigens Plattdeutsch und heißt: „Auf der anderen Seite“. Und da geht es jetzt auch hin. Langsam schiebt der Außenbordmotor die Fähre über die rund 150 Meter breite Weser.

Ein Mann holt mit einem Stock ein Seil an Bord.

Mit einem Stab wird die „Gentsiet“ bereit gemacht zum Anlegen.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

Wichtiger Termin in diesem Jahr ist Ende August das Fährfest: Dann steht die große Feier zum 25-jährigen Jubiläum an. Mit dabei sein wird dann natürlich Horst Jüntgen, einer der Gründerväter des Fährvereins Hagen-Grinden/Ahsen-Oetzen. Aus einem Dorfverein in Etelsen kam die Anfrage, ob man den Fährbetrieb nicht wiederaufnehmen sollte, erinnert sich. Die Idee kam an: 46 Mitglieder waren bei der Gründung des Vereins dabei, heute sind es rund 260.

Bis zu 10.000 Fahrgäste pro Saison

Bei der Gründung 2001 gab es die „Gentsiet“ allerdings noch gar nicht. Die Fähre wurde erst später eigens für den Verein gebaut, 2005 nahm sie den Betrieb auf. 146.000 Euro musste der Verein dafür aufbringen. Am Ende sorgten öffentliche Fördermittel und Spenden dafür, dass die Finanzierung der „Gentsiet“ steht.

Die Fähre kann weitgehend ungestört über die Weser fahren. Der normale Schiffsverkehr führt über den Schleusenkanal ein paar Kilometer weiter im Nordwesten. Einfach ist die Überfahrt aber trotzdem nicht, wenn die Fähre gegen die schnelle Strömung ankämpfen muss.

Eine Frau kurbelt eine Rampe runter.

Mit einer Kurberl wird die Rampe herunter gelassen.

Bild: Radio Bremen | Matthias Röhrs

„Es ist jedes Mal komplett anders, die Fähre zu fahren“, sagt Hustedt, „Wir haben halt keinen Kiel unter der Fähre. Das ist quasi eine schwimmende Plattform mit einem kleinen Motor hintendran. Je nach Windverhältnissen muss man sich Mühe geben, heile rüberzukommen.“

Zwischen 8.000 bis 10.000 Passagiere zählt der Verein in jeder Saison – also an den Wochenenden und Feiertagen zwischen Mai und Oktober. „Die Fähre wird überwiegend von Leuten genutzt, die eine Radtour machen“, erklärt Hustedt.

Die „Gentsiet“ ist auch Teil des Weserradwegs. Um sie herum erstrecken sich grüne, abgelegene Weidelandschaften. Auf der Grindener Uferseite gibt es auch eine kleine Bude, an der sich die Fahrgäste stärken und Rast machen können.  

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Eins, 23. Mai 2026, Der Morgen, 9.20 Uhr