Standdatum: 25. Mai 2026.

Autorinnen und Autoren:
Sophia Allenstein

Das Diako-Krankenhaus von außen.

Notaufnahme überfüllt: Das will ein Bremer Krankenhaus ändern

Zwei Drittel aller Patienten in der Notaufnahme des Diako gehören dort eigentlich gar nicht hin. Wie das Krankenhaus darauf jetzt reagiert.

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Notaufnahme überfüllt: Das will ein Bremer Krankenhaus ändern

Zwei Drittel aller Patienten in der Notaufnahme des Diako gehören dort eigentlich gar nicht hin. Wie das Krankenhaus darauf jetzt reagiert.

Quelle: Radio Bremen

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Bild: Radio Bremen

Die Notaufnahme ist oft überlastet, es kommen immer mehr Patienten. Woran das liegt und wie ein Fragenkatalog helfen soll, dringende Fälle einzuschätzen.

Hinter einer Glasscheibe in der Notaufnahme des Diako-Krankenhauses sitzt Evin Sicak, eine medizinische Fachangestellte mit schwarzem Pferdeschwanz und in blauem Krankenhausshirt. Die Fragen vor ihr auf dem Computerbildschirm entscheiden, wie es für hereinkommende Patienten weitergeht. Etwa für den Mann, der gerade vor ihr steht: 40 Jahre alt, ein Lkw-Fahrer mit starken Unterbauchschmerzen. „Haben Sie Probleme beim Atmen?“, fragt Sicak. „Haben Sie eine Verletzung, hat sie jemand in den Bauch geschlagen?“ Der Mann verneint.

Gemeinsam gehen die beiden verschiedene Kategorien eines Fragenkatalogs durch – auf Englisch, weil der Patient kaum Deutsch versteht. Symptome, Krankheitsbilder, Vorerkrankungen, Risikofaktoren – all das erfasst das sogenannte Strukturierte medizinische Ersteinschätzungsverfahren, kurz SmED. Es soll helfen, den großen Strom an Patienten zu filtern. Denn Notaufnahmen haben seit Jahren immer mehr zu tun. Allein das Diako rechnet momentan mit einem jährlichen Zuwachs von zehn Prozent an Patienten.

Klinik rechnet mit zehn Prozent mehr Patienten in Notaufnahme

Ein Arzt läuft über den Flur im Diakonischen Krankenhaus Bremen

Martin Lewandowski ist Leiter der Notaufnahme im Diako-Krankenhaus.

Bild: Radio Bremen

Statt wie im vergangenen Jahr mit 35.000 Patienten, gehen sie in diesem Jahr von etwa 40.000 Patienten aus. „Es gibt die Definition Overcrowding, also eine Überfüllung der Notaufnahme, und die tritt in Bremen in fast jeder Notaufnahme täglich auf“, sagt Martin Lewandowski, Leiter der Notaufnahme des Diako. Overcrowding bedeute immer auch eine Überlastung der Notaufnahme, und damit verbunden ein höheres Risiko für Patienten. Nicht alle, die dort landen, sind Notfälle. Nach einer Erhebung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen von 2024 hätten fast zwei Drittel aller gesetzlich versicherten Patienten, die sich in der Notaufnahme melden, auch in einer Praxis versorgt werden können.

Martin Lewandowski kennt diese Beobachtung aus seinem Krankenhausalltag. „Hier in Gröpelingen oder im Bremer Westen haben viele Hausarztpraxen aufgegeben“, sagt der Chefarzt und Notaufnahmenleiter. Es gebe eine hausärztliche Unterversorgung. Hinzu komme mangelndes Wissen der Patientinnen über medizinische Anlaufstellen.

Viele kennen das deutsche Hausarztsystem gar nicht. Die wissen gar nicht, dass es hier so etwas wie einen Hausarzt gibt. Für sie ist der Weg: ‚Ich mache mir Sorgen, ich habe Schmerzen: Ich gehe in die Notaufnahme.‘

Martin Lewandowski, Chefarzt und Notaufnahme-Leiter

MVZ kümmert sich um Patienten, die keine Notfälle sind

Arzt und Patient im Gespräch Diakonischen Krankenhaus Bremen

Wer in der Praxis behandelt werden kann, wird nicht in die Notaufnahme, sondern ins medizinische Versorgungszentrum im Diako weitergeschickt.

Bild: Radio Bremen

Die neue medizinische Ersteinschätzung SmED soll helfen, den Strom an Patienten zu ordnen. Zumindest bei denen, die nicht per Rettungswagen oder Überweisung vom Arzt kommen. Zuerst werden dafür sogenannte Red Flags abgefragt, also Kriterien, die auf einen lebensbedrohlichen Zustand hindeuten. Zudem werden Patienten, die auch in einer Praxis versorgt werden können, nicht mehr in die Notaufnahme weitergeschickt. Sondern in das Medizinische Versorgungszentrum des Diako nur ein paar Schritte weiter, in dem vier Allgemeinmediziner arbeiten.

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Vorerst nur Testphase im Diako

Seit Anfang April ist das neue Ersteinschätzungs-System des Diako im Einsatz, erstmal nur vormittags zwischen neun und zwölf. Nach der Testphase sollen die Zeiten aber ausgeweitet werden.

Ende der Information zum Thema

Das Bremer St. Joseph-Stift nutzt das Programm bereits seit einigen Jahren und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Ob es allerdings das Problem der Überfüllung komplett lösen kann – da sind sie sich im Diako noch nicht sicher, aber immerhin sei es ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Wir können auch dringliche Behandlungen schneller durchführen, als wenn ganz viele Patienten in der Notaufnahme sind, die vielleicht gar nicht diese Ressource brauchen.

Martin Lewandowski

Für den Lkw-Fahrer mit den Bauchschmerzen lautet die Behandlungsempfehlung: Notaufnahme. Weil er leicht gelblich im Gesicht aussieht, vermutetet die medizinische Fachangestellte etwas mit der Bauchspeicheldrüse und gibt telefonisch einmal den Kollegen Bescheid. Vom Empfangstresen bis zur Notaufnahme sind es zum Glück nur wenige Schritte.

Autorin

  • Sophia Allenstein

    Sophia Allenstein

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, 22. Mai 2026, 14:38 Uhr