„Wenn ich nicht mache, was er will, schießt er mir in den Kopf“. Die Stimme der Zeugin zittert, als sie dem Landgericht darlegt, was sie im November 2007 erlebt hat. Dem 46-jährigen Angeklagten wir zur Last gelegt, die damals 20-Jährige mit einer Waffe bedroht und zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben.

„Ich kam von der Arbeit und wollte zu meinem damaligen Freund“, berichtet sie. „Ich hatte Musik gehört und war mit einer Krücke unterwegs, weil ich am Knie verletzt war“. Sie wollte vom Bahnhof Vohwinkel über den Park+Ride Parkplatz und die Treppe hinunter zur Kaiserstraße. Heute ist am Ende dieser Treppe eine Futterhaus-Filiale. „Die Ecke ist immer ein bisschen dunkler und zu dem Zeitpunkt war da keine Menschenseele“, so die heute 39-Jährige.

Ein Mann habe sie angesprochen. Dann soll er ihr den Griff einer Pistole gezeigt haben, die in seinem Hosenbund steckte. Unter der Androhung, ihr sonst eine „Kugel in den Kopf“ zu schießen, habe er sie genötigt, ihn mit der Hand sexuell zu befriedigen:„In dem Moment fühlt es sich an wie eine Ewigkeit“. Sie habe währenddessen geweint.

Mit den Worten „Wehe, du sagst etwas“, habe er sie nach dem Samenerguss gehen lassen. Sie sei dann zur Wohnung des Bruders ihres damaligen Freundes gegangen, der in der Nähe wohnte, wo sie sich die Hände wusch und dann ihre Mutter kontaktierte.

39-Jährige leidet noch immer
an den Folgen des Übergriffs

Mit der Polizei ging sie dann am selben Abend zum Tatort zurück. „Die Psyche war sehr angeknackst“, berichtet sie. „Ich kann da heute noch nicht lang laufen. Auch die Musik, die ich an dem Tag gehört habe, kann ich nicht mehr hören“.

Bei der Vernehmung auf der Wache habe sie den Täter als männlich, dünn, ungepflegt, um die 30 Jahre alt, mit einer Mütze auf dem Kopf und etwa 1,65 Meter groß beschrieben. Allerdings: „Die Wollmütze ist das einzige, was bei mir hängen geblieben ist“, erklärt sie. Vieles habe sie verdrängt und könne sich kaum noch an Einzelheiten des Vorfalls erinnern, der nunmehr 19 Jahre zurückliegt. Ob er sie berührt habe, könne sie heute nicht mehr sagen.

Der Verteidiger verlas eine Einlassung. Darin bestreitet der Angeklagte die Vorwürfe. Zu dem Zeitpunkt sei er alleinerziehender Vater eines Sohnes im Grundschulalter gewesen. Dennoch habe er sich öfter mit Frauen getroffen, wobei es auch zu einvernehmlichen, sexuellen Handlungen gekommen sei. Er hätte die Frauen im Freien getroffen, unter anderem auch an der Stelle, wo die 39-Jährige den Übergriff erlebte. Aus diesem Grund seien auch Spermaspuren in Taschentüchern vor Ort gefunden worden.

Auch die Ehefrau und Mutter seiner drei kleinen Kinder sagte als Zeugin aus. Die heute 32-Jährige habe ihn im Sommer 2007 kennengelernt, kurz vor ihrem 16. Geburtstag. Am Anfang der Beziehung sei er „sehr diskret“ gewesen, habe sie zu nichts gezwungen. Sie hätten sich oft im Freien getroffen, unter anderem auch in dem Bereich der Treppe, wo der Übergriff geschah. Bevor sie zusammen waren, habe der Mann durchaus Kontakte zu Frauen gepflegt. „Einsam war er nicht“, so die heute 34-Jährige. Aufgrund von Vorwürfen, unter anderem der sexuellen Belästigung, in einem anderen Verfahren sei die Staatsanwaltschaft auf den Angeklagten gekommen. Trotz der Vorwürfe erklärt sie: „Ich stand und stehe immer hinter meinem Mann“.

Das Verfahren wird fortgesetzt.