Wiesdorf (brü) Himmel un Äd – das ist nicht nur ein typisch rheinisches und leckeres Gericht, wörtlich genommen kann es auf viele verschiedene Arten interpretiert werden. So etwa nahmen sich die Kirchengemeinden in Wiesdorf am Pfingstmontag dieses Thema nun zum Anlass für einen gemeinsamen Gottesdienst. Bei heißen Temperaturen fanden sich hierfür gut 50 Menschen unter Zelten auf Bänken ein.
Durch die Messe führte Pfarrer Detlev Prößdorf von der Evangelischen Kirchengemeinde Leverkusen-Mitte unter der musikalischen Mithilfe eines Projektchors mit Sängern und Sängerinnen aus den beteiligten Gemeinden unter der Leitung von Jeroen Krijnen. Die Predigt hielten Ingo Schwarwächter von der Freien Evangelischen Gemeinde Wiesdorf und Kaplan Christoph Schmitz von der Katholischen Kirchengemeinde Sankt Stephanus. Überdies war Enrico Klee von der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Wiesdorf involviert. Die ökumenische Feierlichkeit gibt es bereits seit 2014. Ideengeber war Bernhard van Gülick unter dem damaligen katholischen Pfarrer Ralf Hirsch. „Das ist gelebte Ökumene“, sagte van Gülick glücklich.
Passend zum Pfingstfest, das die Ankunft des Heiligen Geistes auf der Erde und damit den Beginn der Kirche feiert, hatten sich die Gemeinden das Motto „Himmel un Äd“ überlegt. „Pfingsten steht wie kein zweites Fest dafür, dass Menschen aus unterschiedlichen Herkünften und Ecken zusammenkommen und Gott preisen“, sagte Prößdorf. Schmitz lernte dieses Gericht mal im Brauhaus mit seinen Eltern kennen. Himmel un Äd klingt nach Köln, nach Sprache, die direkt aus der Gesellschaft kommt. Scharwächter wiederum gibt zu: „Ich bin eigentlich ein Sauerländer.“ Kartoffeln sind dort nahezu Hauptmahlzeit, Kompott aber ist Nachtisch – gern mit Sahne darauf. Aber doch nicht zusammen?
Darauf, auf die Gemeinsamkeiten zwischen Himmel und Erde, wollten die beiden genauer schauen. Und was wäre „Himmel un Äd“ ohne die entsprechenden Kinder von Baum und Erde: Äpfel und Kartoffeln. Die beiden Lebensmittel erhielten die Besucher zu Beginn. Auch Zwiebeln und Salz waren unter den Geschenken. Sie dienten als Aufgabe. Vier Menschen mussten sich nämlich zum Gericht „Himmel un Äd“ zusammenfinden. Gemeinsam beantworteten sie Fragen wie: Wo berühren sich Himmel und Erde? „Wichtig ist, dass ihr miteinander ins Gespräch kommt“, betonte Prößdorf.
Himmel steht für die Gegenwart Gottes. Und nichts Böses ist mehr da. Doch wie kriegt man Himmel und Erde zusammen? Was die Menschheit schafft, bleibt menschlich. So ist es nicht möglich – der Himmel auf Erden. Einzig mit der Ankunft Jesu sei das kurzzeitig geschehen. Wer den Glauben im Herzen trägt, schaffe zumindest einen kleinen Teil. „Himmel und Erde berühren sich, wenn wir dafür offen sind – dann berühren sie sich in dir und mir“, sagte Schmitz.