Genau aus diesem Grund ist heute Morgen eine Schulklasse aus Dresden-Blasewitz hierhergekommen. Hinter dem hölzernen Eingangstor lauschen die Schülerinnen und Schüler der Sonnenblumengrundschule gebannt Anne Dittrich. Die Sozialpädagogin steht mit den Kindern gerade bei den Kaninchen, erklärt, zeigt, beantwortet die neugierigen Fragen. Dass das wieder möglich ist, ist nicht selbstverständlich.
Brand zu Heiligabend verursachte großen Schaden
Seit wir wieder geöffnet haben, merken wir, wie viele Leute kommen und glücklich sind, diesen Ort wieder nutzen zu können.
Anne Dittrich
Leiterin Kinder- und Jugendfarm „Spielwiese“
Schon knapp einen Monat nach dem Brand hatten sie hier den Betrieb für die Kinder wieder aufgenommen – wenn auch außerhalb der Farm. Mit den Pferden ging es durch den Schnee, rodeln, zu gemeinsamen Ausflügen, erzählt Dittrich. Unterkriegen lassen sie sich hier nicht, das wird klar. „Aber immer wieder kam die Frage: Wann können wir endlich wieder auf die Farm?“, erzählt sie. Die Menschen seien sehr glücklich, diesen Ort nun wiederzuhaben.
Wiederaufbau aus Spenden finanziert
Noch am Brandabend begann ein Nachbar in privater Initiative Spenden zu sammeln. Anne Diettrich ist dankbar und sichtlich gerührt als sie davon erzählt: „Das war wirklich beeindruckend und hat uns auch sehr viel Kraft gegeben.“ Mehr als 80.000 Euro sind auf diese Weise binnen kurzer Zeit für die Farm zusammengekommen. Viele Menschen hätten eine Verbindung zur „Spielwiese“. Vor allem sie haben gespendet.
Ganz viele ehemalige Farmkinder, ehemalige Praktikanten, Leute, die hier zu Besuch waren, haben gespendet. Schulklassen und Kindergärten haben Kuchenbasare iniziiert.
Anne Dittrich
Leiterin Kinder- und Jugendfarm „Spielwiese“
Eine große Summe Geld – doch die werde auch benötigt, erklärt Dittrich. Zunächst mussten die Trümmer der zerstörten Gebäude und Gehege beräumt werden. Im Anschluss wurde das Gehege für die Pferde gänzlich neu aufgebaut. Auch die kleine hölzerne Baracke, die als Aufenthaltsraum dient, musste repariert werden. Neben dem Gehege der Pferde zeigt sich allerdings noch ein tristes Bild: Etwa ein Viertel des Geländes ist noch Brachfläche. Der Wiederaufbau sei nicht so leicht, erklärt Dittrich.
Hohe Bau- und Materialkosten für Verein schwierig
Zunächst müsse geklärt werden, was überhaupt wieder aufgebaut werden dürfe und wo. Es gebe strenge Regularien und einen Bebauungsplan, an den sich die kleine Farm halten müsse. Durch die allgemein hohen Bau- und Materialkosten sei auch noch nicht klar, was für den gemeinnützigen Verein überhaupt finanziell machbar ist. Auch, ob das Areal in vollem Umfang wieder aufgebaut werden kann, weiß Anne Dittrich noch nicht.
Warten auf Geld von der Versicherung
Helfen würde sicherlich das Geld, das sie von der Versicherung bekommen. Doch wann das kommt und in welchem Umfang sei noch nicht klar. „Da kommt jetzt wahrschinlich nochmal ein Gutachter, das ist ein sehr langwieriger Prozess“, sagt sie. Sie hofft auf Verständnis, was die meisten Menschen auch hätten – aber eben nicht alle.
Es gibt schon erste Leute, die uns fragen, warum das so lange dauert, wir hätten ja schließlich das Spendengeld bekommen. Aber so einfach ist das leider nicht.
Anne Dittrich
Leiterin Kinder- und Jugendfarm „Spielwiese“
Dazu kommt: Der Wiederaufbau muss neben dem laufenden Betrieb erledigt werden. Nicht einfach bei nur drei Vollzeitstellen. Dazu helfen Praktikantinnen, Ehrenamtliche und junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ). Sie wollten lieber schnellstmöglich wieder den Betrieb aufnehmen, auch wenn noch nicht alles wieder aufgebaut ist.
Kinder sollen bei Wiederaufbau mit einbezogen werden
Trotz der Schwierigkeiten ist Dittrich aber positiv gestimmt: „Wir werden jetzt peu a peu alles wieder herrichten, sodass das hier wieder ein schöner Ort wird.“ Ob es wieder ganz genauso wird wie vorher, ist aber noch nicht klar. Vielleicht werde manches auch anders, denn eines sei ihnen besonders wichtig: Das gemeinsame Gestalten des Ortes mit den Kindern. „Das ist eine Sache, die uns ausmacht“, sagt sie.
Dass die einst beliebte Tiergedenkstätte wieder errichtet wird, ist also sehr wahrscheinlich. „Danach wurde seit der Wiedereröffnung mit Abstand am meisten gefragt – von Kindern und Eltern“, sagt sie.