Bielefeld. Mit dem Bollerwagen kommen Leo, Maxi, Mehmet, Alexej und Zadina zum Hof von Natursinn. Zu Carla und Pedro. Für die haben sie ein Geschenk, eine Fuhre Heu. Heu, weil Carla und Pedro zwei Esel sind. Esel, die den Schülern der Westkampschule ans Herz gewachsen sind. Den einen mehr, so fängt Zadina schnell das Streicheln an, den anderen auch, aber anders: Leo bleibt vor dem Zaun stehen, schaut gespannt, aber zurückhaltend auf die bunte Tier-Kinder-Gruppe. „Ich habe ein bisschen Angst, aber die Esel sind okay“, sagt er. Besser: zeigt er – in Gebärdensprache.

Die Kinder sind hörgeschädigt, haben zudem den Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“. Und freuen sich schon die ganze Woche, wenn endlich wieder der Besuch bei den Eseln ansteht. Vorfreude, weil Pedro und Carla ihnen auf eine gewisse Art und Weise ähnlich sind: zurückhaltend, freundlich, und vor allem gerne selbstbestimmt. Mal lassen sie sich streicheln, dann wieder gehen sie ihrer Wege. Mal stupsen sie mit der Schnauze, dann wieder drehen sie sich weg. Mal geht es gut voran beim Führen der Tiere, dann bleiben sie stehen.

Die Fünf von der Schule des Landschaftsverbandes müssen lernen, damit umzugehen. Und können das auch. Denn hier geht es einfach mal um ganz andere Werte, um ein anderes Lernen, um andere Emotionen als sonst in ihrem Leben, in der Schule, zu Hause. Die Kinder haben einen Draht zu den Eseln, denn diese müssen nicht gehört werden, sie zeigen sich anders. „Esel sind besonders“, sagt Lehrerin Bea Penning, „ihnen kommen die Kinder Schritt für Schritt näher, andersherum ist es genauso.“

×

Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail zur Bestätigung Ihrer Anmeldung.

Erst danach ist diese abgeschlossen.

Bitte prüfen Sie auch den Spam-Ordner.

×

Sie haben bisher Ihre E-Mail-Adresse noch nicht bestätigt.

Erst danach ist diese abgeschlossen.

Bitte prüfen Sie auch den Spam-Ordner.

×

Es ist einen Fehler aufgetreten

Bei Fragen hilft unser Newsletter-Support

Newsletter

Update zum Abend

Informiert bleiben mit täglichen News aus Bielefeld, OWL und der Welt.

Jetzt anmelden

Die Esel sind sehr vorsichtig – aber trotzdem auch neugierig

Esel sind unaufgeregt. Kein Hund, der sofort jeden anspringt, keine Katze, die plötzlich faucht oder kratzt. Ruhige Tiere, so Petra Micke aus dem Vorstand des Vereins Natursinn, der die Esel hält, der sie pädagogisch einsetzt. „Sie spüren, dass diese Kinder besonders sind, Carla und Pedro sind sehr vorsichtig, aber neugierig.“


Pedro und Carla lassen sich entspannt von Maximilian (l.) und Alexej führen, Sandra Thyke und Pädagogin Vanessa Winiarski (r.) begleiten die Kinder dabei. - © Peter Unger

Pedro und Carla lassen sich entspannt von Maximilian (l.) und Alexej führen, Sandra Thyke und Pädagogin Vanessa Winiarski (r.) begleiten die Kinder dabei.
| © Peter Unger

Den Kindern bescheren sie ohne das Etikett „Lernen“ neue Erfahrungen, wertschätzende Erfahrungen. Nach ein paar Besuchen können die Kinder die Esel selbst führen, füttern, streicheln – und ihnen sogar das Halfter anlegen. Haben Erfolgserlebnisse, auch emotionaler Art.

Sandra Thyke, Gründerin und Geschäftsführerin von Natursinn: „Für die Kinder ist die nonverbale Kommunikation mit den Tieren großartig.“ Jetzt, beim fünften Besuch, seien die Kinder „aber so etwas von innerlich weit und mutig geworden“, sagt sie, nennt das „eine innerliche Selbstsicherheit“. Die Kinder spürten, dass es nicht um Leistung gehe, sondern um Beziehung. Und das Gehege sei für sie längst „ein sicherer Ort geworden“.

Das Lernen ergibt sich im Umgang mit den Tieren von ganz alleine

Nur für Leo noch nicht so ganz, aber auch er öffnet sich, nur eben in seinem Tempo. Und auch das gehört eben dazu: Dass ein Kind selbst entscheidet, selbst Verantwortung für sich übernimmt – ob beim Führen des Tieres oder eben als Beobachter, der seine Freude hat, der sieht, wie Tiere und Mitschüler miteinander umgehen, aber selbst für sich auf ein bisschen mehr Distanz setzt. Auch ein Lerneffekt, ohne schulisch erhobenem Zeigefinger.


Verantwortung übernehmen, das heißt auch: Eselhaufen wegmachen - das weiß Maximilian längst. - © Peter Unger

Verantwortung übernehmen, das heißt auch: Eselhaufen wegmachen – das weiß Maximilian längst.
| © Peter Unger

Thyke: „Hier bei den Eseln, da schwingt für alle viel Wertschätzung mit.“ Wichtig: Die Sprache, die hier gesprochen wird, ist eben keine Gebärdensprache, keine akustisch wahrnehmbare Sprache – und doch ein Dialog. Die Esel zeigen, was sie mögen, und die Kinder zeigen das genauso – von Zadina bis Leo. Von stürmisch bis defensiv. Sie spüren Empathie, egal, in welcher Rolle sie sich bewegen. Und kooperieren oft und viel rund um die Esel und das Treffen. „Hier machen sie viele Dinge selber“, sagt Lehrerin Penning, das tue gut, mache selbstbewusst. Sie schaut kurz zu Alexej rüber, der gerade Carla führt, und sagt leise: „Nie hätte ich beim ersten Mal gedacht, dass ich das jetzt so sehen darf.“

Gefördert und ermöglicht wird das Projekt von der „Dr. Peter und Gabriele Strohmaier-Stiftung“. Vor Ort machten sich Vertreter ein Bild vom Projekt – und sagten direkt im Anschluss eine weitere Förderung zu.

Lesen Sie auch: 2019 zog das Eselprojekt um