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Hamburg – Anne geht noch immer ihre Gassi-Runde. Dieselben Wege, dieselben Straßenzüge. Nur ohne Hündin Mine. Im Stadtteil Harvestehude, in dem Hamburg geschniegelt und wohlhabend wirkt, wo Altbauten glänzen und ein teures Auto neben dem nächsten parkt, fehlt ihr kleiner Schatten an ihrer Seite. „Meine Mine war mein engster Partner. Doch nach einem Schuss auf sie bin ich nun allein“, sagt sie traurig.
Zwölf Jahre lang war die kleine Hündin bei ihr. Zwei Kilo leicht, seit der 12. Woche in ihrem Leben. Sie schlief auf dem Kopfkissen, lief beim Joggen mit, machte lange Spaziergänge. Trotz ihres hohen Hundealters war sie bis zu diesem Tag topfit.

Im Garten hinter dem Haus tobte Mine oft ausgelassen herum. Und wenn aus der Nachbarschaft ein anderer Hund kläffte, stimmte sie schon mal mit ein
Foto: Olaf Itrich
Schuss auf Hündin Mine in Hamburg-Harvestehude
Am 9. Mai wird aus einem normalen Samstag ein Albtraum. Anne steht mittags in der Küche und macht sich einen Kaffee. Ihr Blick fällt in den Garten hinter dem Haus. Plötzlich fliegen Vögel kreischend hoch. Sekunden später stürmt Mine in die Wohnung. Blut an ihrer Seite. Anne versucht noch, einen Druckverband anzulegen. Jedoch ohne Erfolg.
Sie fährt sofort zum nächsten Tierarzt, der geöffnet hat. Zunächst glaubt sie, ein Vogel habe ihre Hündin angegriffen. Die Wunde wird versorgt, Mine bekommt Schmerzmittel. Doch zu Hause wird die kleine Hündin immer schwächer. Sie übergibt sich, trinkt viel, frisst nicht mehr. Schließlich beginnt sie, zu krampfen.

Schock auf dem Röntgenbild: Im Körper der zwölfjährigen Mine ist oben ein Projektil klar zu erkennen. Bei einem so kleinen Hund kann selbst ein kleines Luftgewehrprojektil im Körper verheerende Folgen haben
Foto: Olaf Itrich
Schock-Fund auf dem Röntgenbild
Am Dienstag fährt Anne wieder zum Tierarzt. Mine bekommt eine Infusion. Dann das Röntgenbild. Darauf ist es eindeutig zu sehen: ein Projektil im Bauch. „Ich stand völlig unter Schock“, erinnert sie sich. Anne bringt ihre Hündin in eine Tierklinik. Doch dort gibt es keine Hoffnung mehr für den kleinen Bolonka. „Das Team sagte mir, Mine sei so geschwächt, dass sie eine Vollnarkose nicht mehr überstehen würde. Sie müsse erlöst werden.“
Hat das Projektil eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, ausgelöst? Führte die Verletzung zu Nierenversagen oder zu einer schweren Bauchverletzung? Welchen Schaden das Projektil in ihrem kleinen Körper genau angerichtet hat, untersucht nun ein Gutachter im Hygieneinstitut der Umweltbehörde in Hamburg. Das bestätigt Polizeisprecher Thilo Marxsen auf BILD-Anfrage.

Anne schafft es noch nicht, Halsband oder Futternäpfe wegzuräumen
Foto: Olaf Itrich
Denn Anne hat Anzeige erstattet. Sie will, dass der Täter gefunden wird. Die Ermittlungsdienststelle für Tierschutzdelikte ermittelt wegen des Verdachts der Tötung eines Wirbeltieres. „In einer Tierklinik wurde in den darauffolgenden Tagen mindestens ein Projektil festgestellt, das augenscheinlich aus einer Luftdruckwaffe stammen könnte“, so Polizeisprecher Thilo Marxsen.
Hoffnung auf Zeugen
„Ich habe jetzt Angst, in meinen eigenen Garten zu gehen. Überlege, ob ich wegziehen sollte“, sagt Mines Frauchen. Dabei liegt die kleine Grünfläche geschützt hinter dem Haus. Von der Straße aus weder zugänglich noch einsehbar, sichtbar nur für die umliegenden Wohnungen in der direkten Nachbarschaft. Ein Ort, der eigentlich Geborgenheit geben sollte.
Anne hat Zettel im Viertel aufgehängt und bittet mögliche Zeugen, sich bei ihr zu melden.

Mines Frauchen hofft, dass Nachbarn am 9. Mai etwas beobachtet haben und sich bei ihr melden
Foto: Olaf Itrich