Thomas Massie bekam Donald Trumps Zorn direkt zu spüren. So direkt, dass er sich im November nach 14 Jahren im US-Kongress einen neuen Job suchen muss.
Seit 2012 war er Abgeordneter der Republikanischen Partei im US-Repräsentantenhaus, nun verlor er überraschend deutlich die Vorwahl gegen einen vom US-Präsidenten persönlich unterstützten Kandidaten.
Massie war Donald Trump zu kritisch. Er hatte sich unter anderem für die Veröffentlichung der Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein eingesetzt – und geglaubt, dafür genug Rückhalt bei seinen Wählern zu Hause zu haben. Dann mischte sich Donald Trump in den Wahlkampf ein.
Der Fall zeigt, wie sehr der Präsident dazu bereit ist, politische Gegner in den eigenen Reihen zu entfernen und durch Maga-Loyalisten zu ersetzen.
Bei Vorwahlen wie in Kentucky testet Trump gerade, wie groß sein Einfluss in der Republikanischen Partei noch ist – und in Texas steht nun die nächste Machtprobe an.
Senator gegen Generalstaatsanwalt
Im zweitgrößten Bundesstaat der USA wird an diesem Dienstag darüber abgestimmt, welcher Republikaner bei den Zwischenwahlen im November für den Senatssitz antreten wird. Amtsinhaber John Cornyn, derzeit Senator in Washington, kandidiert gegen Ken Paxton, den Generalstaatsanwalt von Texas.
Und auch hier versucht der US-Präsident, die Wahl in seinem Sinne zu lenken. In der vergangenen Woche sprach er sich öffentlich für Paxton aus – und brachte damit einen Teil der Partei gegen sich auf.
John Cornyn ist ein guter Mann, und ich habe gut mit ihm zusammengearbeitet, aber er hat mich in schwierigen Zeiten nicht unterstützt.
US-Präsident Donald Trump über den texanischen Senator John Cornyn
Denn die beiden Kandidaten könnten unterschiedlicher nicht sein. Cornyn steht für den klassischen Flügel der Republikaner. Der 74-Jährige sitzt seit beinahe 24 Jahren im Senat, ist ein Wirtschaftsliberaler, aber auch strikt konservativ.
Im Grunde hat er kein schlechtes Verhältnis zu Trump, nur wollte er 2023 nicht, dass dieser für die Präsidentschaft kandidiert. Die Zeit sei über Trump hinweggegangen, argumentierte der Texaner. Die Republikaner sollten jemand anderen nominieren. Einen, der die Wahl 2024 auch gewinnen könne.
Das hat der Präsident nicht vergessen. „John Cornyn ist ein guter Mann, und ich habe gut mit ihm zusammengearbeitet, aber er hat mich in schwierigen Zeiten nicht unterstützt“, schrieb Trump vergangene Woche auf seiner Plattform Truth Social.
„Inbegriff des Establishments“
Paxton hingegen sei ein „echter Maga-Kämpfer, der sich immer für Texas eingesetzt hat und dies auch im Senat der Vereinigten Staaten weiterhin tun wird“, schrieb Trump weiter.

Matthew Wilson ist außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Southern Methodist University in Dallas, Texas.
Tatsächlich ist Paxton dem Präsidenten deutlich näher als der eher klassische Cornyn. „Derzeit stehen ‚Establishment‘-Politiker in beiden Parteien nicht hoch im Kurs“, sagt Matthew Wilson, außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Southern Methodist University in Texas, dem Tagesspiegel. „Cornyns lange Zeit in Washington und seine Verbindung zur traditionellen republikanischen Parteiführung machen ihn zum Inbegriff des Establishments.“
Er ist ein kompromissloser Hardliner, der sich mit provokativen Angriffen auf Demokraten – und gelegentlich sogar auf Mitglieder der eigenen Partei – einen Namen gemacht hat.
Matthew Wilson, außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Southern Methodist University in Dallas, Texas.
Paxton dagegen positioniert sich als Vertreter von Trumps Maga-Flügel. Er unterstützte etwa die Versuche, die US-Wahl 2020 anzufechten, die der Republikaner gegen den Demokraten Joe Biden verloren hatte. Zudem verfolgt der texanische Generalstaatsanwalt eine aggressive Migrationspolitik, ganz im Sinne der Politik im Weißen Haus.
„Paxton ist ein kompromissloser Hardliner, der sich mit provokativen Angriffen auf Demokraten – gelegentlich sogar auf Mitglieder der eigenen Partei – einen Namen gemacht hat“, sagt Politikwissenschaftler Wilson. So könne er eher von der „ideologisch stärker aufgeladenen Wählerschaft profitieren“.
Dabei war Paxton in einige Skandale verwickelt. Seine Frau trennte sich 2025 nach 38 Jahren Ehe von ihm. Sie reichte aus „biblischen Gründen“ die Scheidung ein, wegen Untreue also.
Zudem wurde ein Amtsenthebungsverfahren wegen Vorwürfen der Bestechung, Pflichtverletzung, Behinderung der Justiz und des Missbrauchs des öffentlichen Vertrauens sowie weiterer Verfehlungen seines Amtes gegen ihn eingeleitet – mit den Stimmen seiner eigenen Partei.
Enttäuscht von Trump
Dass das in seiner Partei nicht gut ankommt, wird auch im Senat deutlich. Mehrere republikanische Senatoren kritisierten Trumps Entscheidung, Ken Paxton zu unterstützen. „Extrem enttäuscht“ sei sie, sagte etwa Lisa Murkowski, Senatorin aus Alaska. „Ich unterstütze natürlich Senator Cornyn“, betonte ihr Kollege John Hoeven aus North Dakota.
Viele republikanische Senatoren drängten Trump in den vergangenen Wochen dazu, es sich noch einmal zu überlegen. Dass er das ablehnt, verschlechtert das schon angespannte Verhältnis des Präsidenten zu den Republikanern im Senat. Trump reizt sein politisches Kapital mit umstrittenen Gesetzesvorhaben aus, dem die knappe republikanische Mehrheit in der Kammer zustimmen muss.
Dass er mit Paxton jetzt auch aggressiv seine eigenen Kandidaten in die Kammer bringen will, stört viele etablierte Senatoren. Zuletzt musste sich auch Senator Bill Cassidy aus Louisiana einem vom Präsidenten unterstützten Kandidaten geschlagen geben.
Ken Paxton (links) hat die Unterstützung von Donald Trump bei der Stichwahl am Dienstag.
© Jay Janner/The Austin American-Statesman via Getty Images
Viele Republikaner im Senat machen sich zudem Sorgen wegen der Zwischenwahlen im November. Sollte Paxton gewinnen, würde er gegen James Talarico antreten müssen, einen 37-jährigen Hoffnungsträger der Demokraten. Senatsveteran Cornyn wird in diesem Duell als chancenreicher erachtet.
Das liegt auch an Talarico selbst. Denn dieser ist bei Weitem kein Parteilinker und beruft sich in seinen politischen Botschaften immer wieder auf das Christentum, was ihn in der Breite anschlussfähig macht.
Machtdemonstration des Präsidenten
„Texas bleibt ein republikanisch geprägter Bundesstaat“, sagt Matthew Wilson. „Dennoch erwartet die Republikanische Partei mit Paxton auf dem Wahlzettel einen schmutzigeren und härteren Wahlkampf als mit Cornyn. Sollte Paxton am Dienstag tatsächlich gewinnen, würden sich Talarico und die Demokraten große Hoffnungen machen.“
Ein Verlust des eigentlich sicheren republikanischen Sitzes in Texas wäre für die Republikaner eine Machteinbuße. Die Gefahr besteht, dass die Partei beide Kammern des Kongresses, Repräsentantenhaus und Senat, im November verliert.
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Dies scheint Trump in Kauf zu nehmen. Paxton ist sein Kandidat – und die Siege seiner Maga-Leute bei anderen Wahlen geben ihm recht. Ob diese aber auch im November erfolgreich sein werden, wird sich zeigen müssen.
Zunächst aber zählt für den Präsidenten die Machtdemonstration. Matthew Wilson ist sich sicher: „Die Stichwahl in Texas wird ein Test dafür sein, wie groß Trumps Kontrolle über die Republikanische Partei noch ist.“