Freitagnachmittag vor Pfingsten im Olympiazentrum Schilksee: Bootstransporte aus ganz Nordeuropa strömen ins Hafenvorfeld. Jollen werden aufgebaut, Trainingsgruppen gehen hinaus auf die Kieler Förde. Es ist der Tag vor der YES-Regatta, der Leistungsschau der europäischen Segeljugend. Inmitten des Getümmels: die Taufe eines neuen Coachbootes.
So weit, so normal. Doch die Kumulation an sportpolitischer, politischer und wirtschaftlicher Kompetenz vor Ort zeigt: Hier geht es um mehr als einen frischen Namenszug auf einem Schlaucher. Hier geht es um ein Statement!
Getauft wird das Boot von der Präsidentin des Landessportverbands (LSV) Schleswig-Holstein, Barbara Ostmeier. Vertreten ist der LSV mit weiteren Mitgliedern des Vorstands und der Geschäftsführung. Die Landesregierung schickt ihren Innen-Staatssekretär Sönke Schulz, die Stadt Kiel den Bürgermeister Gerwin Stöcken, die IHK Kiel ihren Geschäftsbereichsleiter und Olympiabotschafter Thore Hansen.

Das Land Schleswig-Holstein, die Stadt Kiel, die IHK und Landessegelverbände freuen sich über das neue Boot und den Schub für die Olympiabewerbung Kiels © Christian Beeck
Dazu sind die Präsidenten mehrerer Landessegelverbände, Vorstände von leistungssportorientierten Clubs, Trainer, Kader- und Spitzensportler aus Schleswig-Holstein vertreten. Kiel präsentiert sich als das Zentrum des deutschen Segelsports, will zeigen: Für Olympia in Deutschland ist die Sailing City der Standort.
Geist von 1972 für die Spiele der Zukunft
Zwei Stunden zuvor in Falckenstein, ein Steinwurf vom Olympiazentrum entfernt. Im ehemaligen olympischen Jugenddorf von 1972 führt Baptiste Bockelmann, Geschäftsführer des Vereins Kieler Jugenderholung, eine Delegation von Vertretern aus Landessegelverbänden über eine Großbaustelle. Die 37 Zeltdachhäuser von 1972 werden in zwei Bauabschnitten aufwändig renoviert und in einen zeitgemäßen Zustand versetzt.

Über die Unterzeichnung des Grundlagenvertrags freuen sich (von links): Eckhard Jacobs (Innenministerium SH), Baptiste Bockelmann (Verein Kieler Jugenderholung), Oliver Kosanke (Hamburger Segelverband), Bernd Hassenjürgen (Bayerischer Segelverband), Jan-Dirk Tenge (Seglerverband SH), Gerwin Stöcken (Bürgermeister Kiel) und Till Wöllenweber (Landessportverband SH) © Christian Beeck
Im August soll es ein Soft-Opening geben, dann werden die ersten Häuser bezugsfertig sein. Ab 2027 startet man im Jugenddorf wieder durch und kann, wenn alle Häuser fertig sind, fast 400 Kindern und Jugendlichen Unterkunft bieten. Die Landessegelverbände aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein haben sich in Kooperation mit dem Verein Kieler Jugenderholung schon die Möglichkeit gesichert, für Trainingslager und Regatten hier ihre Sportlerinnen und Sportler unterbringen zu können.

Beim Rundgang machen sich die Vertreter der Landessegelverbände ein Bild von den Bauten © Christian Beeck
Auf dem Areal des Jugenddorfs unterzeichnen die Landesvorsitzenden einen Grundlagenvertrag. Sie legen damit den Grundstein für eine gemeinsame Trainingsbasis in Kiel. Rund um das Olympiazentrum Schilksee soll die Infrastruktur für gezielte Nachwuchsförderung mit Blick auf die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 geschaffen werden.

So sollen die Häuser künftig gestaltet werden © Verein Kieler Jugenderholung
Das Ziel ist die Ausbildung und Förderung von Nachwuchskadern (NK 1 und NK 2), um den Übergang in den Bundeskader am DSV-Bundesstützpunkt zu optimieren. Unterstützt werden die Unterzeichner von den leistungsorientierten Vereinen Bayerischer Yacht-Club, Blankeneser SC, Kieler Yacht-Club, Mühlenberger SC und Norddeutscher Regatta-Verein. Damit ist die Basis gelegt für den Nachwuchsleistungssportstützpunkt Segeln in Kiel.
Vertretung von 70 Prozent der Segler
Es ist geballte Kraft, die sich hinter Kiel stellt. Denn die bis jetzt zusammengeschlossenen Landesverbände repräsentieren rund 125.000 und damit rund 70 Prozent der organisierten Seglerinnen und Segler in Deutschland. Die Aufnahme weiterer Landessegelverbände in die Kooperation ist angestrebt.
„Dass sich die fünf Landessegelverbände gemeinsam hinter den Segelstandort Kiel-Schilksee stellen bekräftigt, welches Potenzial hier vorhanden ist. Mit Blick auf mögliche Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland zeigt dieser Schritt deutlich, dass an Kiel.Sailing.City kein Weg vorbeiführt“, freut sich Gerwin Stöcken, Bürgermeister in der Landeshauptstadt, über die Kooperation.

Oliver Kosanke (Hamburg), Bernd Hassenjürgen (Bayern) und Jan-Dirk Tenge (SH, von links) bei der Vertragsunterzeichnung © Christian Beeck
Grundlage der Initiative ist die Erkenntnis, dass Seglerinnen und Segler vor Kiel ideale Revierverhältnisse und Kooperationsmöglichkeiten vorfinden, um sich auf höchstklassige Regatten und Meisterschaften vorzubereiten.
Zudem besteht mit dem Olympiazentrum von 1972 die infrastrukturelle Basis für Trainingslager und die Regattavorbereitung.
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