Zivilschutz
Kein Schutz im Ernstfall? Frankfurt fehlen funktionierende Bunker
26.05.2026 – 15:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein stillgelegter Luftschutzbunker im Frankfurter Osten (Archivbild): Viele frühere Schutzanlagen existieren zwar noch, sind aber längst nicht mehr einsatzbereit. (Quelle: Boris Roessler/dpa/dpa-bilder)
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Frankfurt kann seine Bürger im Krisenfall warnen – aber kaum sagen, wohin sie fliehen sollen. Auf dem Papier gibt es noch Tausende Schutzplätze. Doch es gibt einen Haken.
Die Sirene heult, das Handy vibriert, der Lautsprecher am Bahnhof springt an. Frankfurt kann seine Bürger im Ernstfall warnen – schnell, flächendeckend, über viele Kanäle gleichzeitig. Wohin die Menschen dann gehen sollen, um Schutz zu suchen, ist eine andere Frage.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat im Kabinett Eckpunkte für ein Sonderprogramm vorgelegt: Bis 2029 sollen rund zehn Milliarden Euro in den Zivil- und Bevölkerungsschutz fließen. Für Frankfurt kommt das zum richtigen Zeitpunkt, denn festgelegte Schutzorte für den Ernstfall gibt es bislang nicht.
Tausende Plätze auf dem Papier
Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die auf Anfrage der t-online-Redaktion antwortete, sind in Frankfurt noch vier öffentliche Schutzräume mit insgesamt 7.503 Plätzen formal dem Zivilschutz gewidmet. Darunter ein Hochbunker mit 1.582 Plätzen, zwei Tiefgaragen mit zusammen 4.693 Plätzen und ein Tiefbunker mit 1.228 Plätzen.
Die Anlagen existieren formal noch, einsatzbereit ist jedoch keine davon. „Derzeit gibt es in Frankfurt keine funktionsfähigen öffentlichen Schutzräume“, sagte Dieter Oberndörfer, Brandoberamtsrat der Branddirektion Frankfurt, t-online. Wartung und Instandhaltung wurden 2007 bundesweit eingestellt.
Frankfurt kartiert seinen Bestand
„Grundsätzlich ist der Bund für die Zivile Verteidigung und damit auch für den Zivilschutz zuständig“, sagte Oberndörfer. Die kommunale Ebene handle im Ereignisfall in Bundesauftragsverwaltung.
Eine Bestandsaufnahme möglicher Gebäude und Anlagen als künftige Schutzräume laufe bereits. Allerdings hänge die Bewertung am Bundeskonzept: „Vom Bund angekündigt, aber noch nicht bereitgestellt, sind ein Schutzraumkonzept und Kriterienkatalog zu Schutzräumen“, sagte Oberndörfer. Ohne diese Vorgaben könne keine einheitliche Bewertung vorgenommen werden.
Der Bund wolle gemeinsam mit Ländern und Kommunen alle öffentlich zugänglichen Zufluchtsorte erfassen, um sie in einer App zur Verfügung zu stellen, erklärte der Brandoberamtsrat weiter.
Das geplante Sonderprogramm des Bundes könnte demnach „Bewegung im Bereich der Vorbereitung des Zivilschutzes“ bringen. Konkrete Projekte oder Maßnahmen lassen sich derzeit aber noch nicht benennen.
Sirenennetz im Aufbau – Warnsystem funktioniert
Beim Warnsystem ist Frankfurt weiter als bei den Schutzräumen. Die Stadt ist an das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS) angeschlossen. Im Ernstfall lassen sich Warnungen parallel über die Apps Nina, KatWarn und hessenWarn, über Cell Broadcast, Radio- und Rundfunkdurchsagen sowie über digitale Ströer-Werbetafeln etwa an Bahnhöfen aussteuern.
Das Sirenennetz wird derzeit aktiv wieder aufgebaut. Frankfurt soll künftig über ein flächendeckendes Sirenennetz verfügen – fertig ist es noch nicht. Sirenen haben im Warnsystem einen besonderen Vorteil: Sie erreichen auch Menschen, die gerade kein Mobiltelefon nutzen.
Wohin – das bleibt die offene Frage
Der Bund setzt bei der Neuausrichtung auf dezentrale Zufluchtsräume statt große Bunker. Tiefgaragen, Kellerräume und innen liegende Räume in Massivbauweise sollen künftig als Schutzorte dienen – idealerweise in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. Die Nina-App soll ausgebaut werden und den Weg zum nächstgelegenen Schutzort anzeigen. Die dafür nötige bundesweite Kartierung steht noch aus.
