
Stand: 26.05.2026 20:34 Uhr
Einen Prozess um knapp 100 gefälschte Glock-Schusswaffen hat es in dieser Größenordnung am Landgericht Osnabrück bislang nicht gegeben. Fünf Männer wurden am Dienstag verurteilt, zwei von ihnen müssen ins Gefängnis.
Eine Kontrolle im emsländischen Twist brachte den Stein ins Rollen: Im Mai vergangenen Jahres wurde einer der nun verurteilten Haupttäter von der Bundespolizei an der Grenze aufgegriffen. Er hatte gefälschte Ausweispapiere bei sich. Auf seinem Handy entdeckten die Einsatzkräfte zudem ein Video, in dem der türkischstämmige Mann mit einer gefälschten Schusswaffe hantierte. Das berichtete Helgo Martens von der Bundespolizei. Daraufhin geriet der damals 35-Jährige ins Visier der Ermittler. Die Spur führte nach Wuppertal. Dort dienten ein Café und eine Wohnung offenbar als Dreh- und Angelpunkt der illegalen Waffengeschäfte. Insgesamt waren fünf Männer mit türkischen Wurzeln im Alter von 25 bis 43 Jahren daran beteiligt.
Illegale Schusswaffen europaweit verkauft
Der Ursprung der illegalen Waffengeschäfte liegt nach Überzeugung des Gerichts in der Türkei. Dort ließ ein Hintermann demnach Schusswaffen produzieren. Zwar handelte es sich um Fälschungen halbautomatischer Pistolen des österreichischen Waffenherstellers Glock, sie waren jedoch voll funktionsfähig. Per Lastwagen gelangten die Waffen nach Europa zu der kriminellen Gruppe rund um Wuppertal. Die Bande habe wie eine „Filiale“ agiert, erklärte Staatsanwalt Lennart Dornieden. Sie bestellte 100 dieser Waffen und organisierte die Logistik sowie die Auslieferung. Laut Gericht wurden 94 Waffen tatsächlich verkauft – europaweit, insbesondere in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.
Bande kassierte rund 1.400 Euro pro Schusswaffe
Für den Verkauf wurden unter anderem Dokumente gefälscht und Fahrzeuge angemietet. Pro Waffe soll die Gruppe etwa 1.400 Euro eingenommen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ergibt sich daraus ein geschätzter Gesamtumsatz von rund 132.000 Euro. Das illegale Waffengeschäft sollte zudem fortgesetzt werden: Weitere 70 Waffen waren bereits bestellt. „Ausmaß und Dauer des Waffengeschäfts sind auch für mich persönlich schockierend“, sagte Staatsanwalt Dornieden in seiner Anmerkung vor seinem Plädoyer. Verhandelt werde nicht über „Dekowaffen“, sondern über tödliche Schusswaffen, die für „horrende Summen an Schwerkriminelle verteilt“ worden seien. Wer mit Waffen handele, handele auch mit Leben. Das sei „mindestens moralisch verabscheuungswürdig“, so Dornieden.
Richter über Angeklagte: „Hohe kriminelle Energie“
Die Angeklagten zeigten sich im Laufe des Prozesses teilweise geständig. Zugleich wiesen sie nach Darstellung der Staatsanwaltschaft immer wieder Verantwortung von sich und spielten ihre jeweilige Rolle herunter. Im Verfahren war von „Helfershelfern“ und „Auslieferern“ die Rede. Der Vorsitzende Richter Matthias Kemme sprach in seiner Urteilsbegründung von einer „hohen kriminellen Energie“.
Drei Angeklagte kommen mit Bewährungsstrafen davon
Wegen Verstößen gegen das Waffengesetz in jeweils zwei Fällen verurteilte das Gericht zwei der fünf Angeklagten zu Freiheitsstrafen von jeweils vier Jahren und drei Monaten. Zwei weitere Angeklagte wurden wegen Beihilfe verurteilt. Sie erhielten Bewährungsstrafen von jeweils einem Jahr und sechs Monaten. Ein weiterer Angeklagter, der in einer Wohnung mit gelagerten Waffen übernachtete, wurde wegen Mitbesitzes illegaler Waffen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Drei der teilweise vorbestraften Männer befinden sich seit vergangenem Jahr in Untersuchungshaft. Im Juli entdeckten Einsatzkräfte bei Durchsuchungen in Wuppertal sechs gefälschte Glock-Schusswaffen, Macheten, Eisenstangen und „jede Menge Munition“, so Helgo Martens, der damalige Einsatzleiter der Bundespolizei.
Schusswaffendelikte mit Glock-Waffen nehmen zu – Beispiel Berlin
„Es ist eines der ersten Verfahren, in dem die transnationale Einfuhr von gefälschten Glocks bestraft wird“, erklärt Martens. Durch die Ermittlungen sei es gelungen, das internationale Netzwerk zu stören und zu treffen, so der Experte weiter. Staatsanwalt Lennart Dornieden verwies in seinen Ausführungen zum Plädoyer auf die zunehmende Verbreitung des illegalen Waffenhandels, insbesondere mit Glock-Pistolen im Raum Berlin. Dort sei die Zahl der Schusswaffendelikte deutlich gestiegen. Nach Angaben Dorniedens wurden im Jahr 2024 mehr als 660 Fälle registriert, 2025 seien es bereits 1.119 gewesen. „Wir haben in Deutschland offensichtlich ein neues großes Problem“, sagte Dornieden.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verurteilten können noch Rechtsmittel dagegen einlegen.

Die Polizei fand in den Wohnungen der zwei Verdächtigen neben Waffen auch Munition und Drogen.