Liebe Leserin, lieber Leser,
natürlich
haben Sie den Termin längst auf dem Zettel: Am Sonntag sind Sie
aufgerufen, über die geplante Bewerbung Hamburgs als
Olympia-Austragungsort abzustimmen. Heute ist die letzte Möglichkeit,
per Briefwahl mitzumachen.
In
einem Punkt finde ich die Hamburger Olympia-Pläne uneingeschränkt
gut: Ohne sie hätten wir wohl nie erfahren, mit wie viel Verve und
Vehemenz sich der amtierende Senat für eine Idee ins Zeug legen
kann, wenn er nur will. Es ist sogar so viel Vehemenz, dass man sich
fragt, wo die denn bei all den anderen Projekten war, von denen es
hieß, sie seien uns wichtig (ich sage nur: Verkehrswende,
Klimawende, Wohnungs-Offensive, ja ok, ich höre schon auf).
Dass
der Senat in Olympia derart verschossen ist, ist verständlich. Ein
offizieller Zuschlag für Olympische Spiele wäre genau das Wunder,
das er bräuchte, um – mit viel Geld und noch mehr Schubkraft von
außen – Hamburgs zentrale Infrastrukturprojekte
(und damit auch: die eigenen politischen Ziele) doch noch irgendwie
zu schaffen (Z+).
Ohne Olympia? Keine Chance.
Deshalb
muss die Idee selbst aber nicht schlecht sein. In seiner Geschichte
hat Hamburg von jenen Entscheidungen häufig am meisten profitiert,
die dem Großteil der Bevölkerung anfangs als außerordentlich dumme
Idee erschienen (ich sage nur: Elbphilharmonie). Und ich bin mir
sicher, hätte man im 8. Jahrhundert abstimmen lassen, ob man auf der
damals recht sumpfigen Wiese am heutigen Speersort eine Siedlung
errichten soll, hätte der Großteil der Beteiligten gesagt: Spinn
mal nicht.
Was
mich betrifft, ich halte Olympische Spiele in Hamburg noch aus einem
anderen Grund für lohnend. Ich, ganz persönlich, finde Hamburg aus
ganzem Herzen wunderbar. Bisher allerdings ist man in dieser Stadt
nicht einmal in der Lage, eine einzelne Straße zu sperren, ohne dass
überall sonst der Verkehr zusammenbricht (ich sage nur: OMR). Und
das letzte anspruchsvollere Bauprojekt der Stadt musste
nach ein paar Jahren Baustelle wieder zugeschüttet werden (Z+).
Damit Hamburg olympisch werden kann, müsste es schleunigst fitter
werden. Wie sagt man beim Marathon: Der Weg ist das Ziel.
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Und
ob man sich für das Turnier qualifiziert, ist für die Motivation
beim Training ja erst mal zweitrangig.
Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Florian Zinnecker
Was heute wichtig ist
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Hamburg nimmt bis 2030 1,4 Milliarden Euro weniger Steuern ein als bislang erwartet. Das sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Dienstag. Ein Grund sei, dass die Stadt höhere Zahlungen in den Länderfinanzausgleich leisten müsse als gedacht. Die Linken-Bürgerschaftsfraktion hingegen sieht als Grund für die Mindereinnahmen unter anderem die Absenkung der Körperschaftsteuer. Insgesamt aber steigen laut der aktuellen Berechnungen die Steuereinnahmen von knapp 16,6 Milliarden Euro in diesem Jahr auf fast 18,5 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Die
künftige Strecke der U5 steht fest. Die
Verlängerung von den Arenen im Volkspark bis zum Osdorfer Born soll
in Lurup über den Eckhoffplatz führen.
Das sagten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), Verkehrssenator
Anjes Tjarks (Grüne) und der U5-Geschäftsführer Klaus Uphoff
gestern im Rathaus. Die ersten U-Bahnen in den Osdorfer Born sollen
demnach 2040 fahren.
Das
Institut der deutschen Wirtschaft hat untersucht, wie gut Gemeinden
mit Ärzten, Schulen, schnellem Internet und anderen
Infrastruktur-Angeboten versorgt sind.
In seinem »IW-Gemeindecheck Daseinsvorsorge« wurden 11.000
Gemeinden in Deutschland untersucht. Hamburg belegt dabei Platz 19,
an der Spitze steht die Stadt Haar bei München.
In
Hamburg wurden 2025 nur 5.976 neue
Wohnungen fertiggestellt – das sind
28 Prozent weniger als im Vorjahr. 5.672 der Wohnungen entstanden in
neuen Häusern, 349 wurden in bestehende Gebäude integriert.
Bundesweit sank die Zahl der neu gebauten Wohnungen um 18 Prozent auf
rund 206.600.
Zwei
Züge der Hamburger Hafenbahn sind gestern nahe dem Containerterminal
Altenwerder frontal
zusammengestoßen. Teile
des Hamburger Hafens waren aufgrund der Bergungsarbeiten zeitweise
nicht erreichbar. Ausmaß und Ursache der Kollision waren laut
Hafenbehörde zuletzt noch unklar, doch verletzt wurde nach ersten
Erkenntnissen niemand.
Aus Hamburg
© privat
Teures Fädchen
Safran
kommt meist aus dem Iran. Durch den Krieg wird das Gewürz noch
knapper und teurer. Darunter leidet auch der Hamburger Gewürzhändler
Christoph Hantke. ZEIT-Autorin Kristina Läsker hat ihn gesprochen,
lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel:
Jeden
Oktober öffnen sich im Nordosten des Iran die Blüten des Crocus
sativus. Die weiten Felder auf der Hochebene nahe der Grenze zu
Afghanistan und Turkmenistan sind dann violett gesprenkelt. »Das
sieht unglaublich schön aus«, schwärmt Christoph Hantke. Der
55-Jährige handelt in Hamburg mit Gewürzen, er hat die Krokusernte
selbst erlebt. Denn die Pflanzen liefern eines der teuersten Gewürze
der Welt: Safran. Der hohe Preis entsteht durch viel Handarbeit und
begrenzte Erntemengen: Die lila Blüten öffnen sich nur für wenige
Tage, genau dann müssen sie gepflückt werden. »Es ist nicht
möglich, das maschinell zu machen«, erklärt Hantke. Bevor die
Blüten verwelken, zupfen Erntehelfer die dunkelroten Fäden, die
sogenannten Narbenschenkel, mit der Hand heraus. Aus diesen wenigen
Fäden wird das Gewürz gewonnen. Das sei mühsam, sagt Hantke. Für
ein Kilo sind mehr als 80.000 Blüten nötig.
Hantke
arbeitet seit fast 20 Jahren als Gewürzhändler, ebenso lange
importiert er schon Safran aus dem Iran. Geschätzt stammen von dort
etwa 90 bis 95 Prozent der weltweit angebauten Menge. In guten Jahren
erwirbt Hantke etwa 100 bis 150 Kilo. Doch dieses Jahr könnte sich
das ändern. Ende Februar attackierten Israel und die USA mehrere
Ziele in Irans Hauptstadt Teheran. Die Regierung reagierte mit
Gegenangriffen. Seither kommt die Region kaum zur Ruhe, und der
Handel ist gestört. »Seit Ende Februar kommt so gut wie kein Safran
mehr in Deutschland an«, sagt Hantke. Hamburg ist einer der großen
Umschlagplätze für Gewürze weltweit, doch hier leeren sich die
Lager. »Safran wird aktuell knapper.«
Der Grund: Der
Flugverkehr zwischen Iran und Europa ist eingeschränkt, das
erschwert die Transporte. Das Gewürz ist empfindlich und extrem
leicht – deswegen wird es meist nach Europa geflogen. Das geht
schneller als per Schiff. Außerdem sinkt bei Flügen das Risiko von
Verderben und Diebstahl. »Lkw-Transporte mit Gewürzen werden oft
überfallen«, erzählt Hantke. Weil die Ware knapper wird, klettern
jetzt auch die Preise. Er habe vor dem Krieg pro Kilo etwa 5.300 Euro
gezahlt, sagt Hantke. Safran aus Spanien werde ihm nun für 8.000 bis
9.000 Euro angeboten. »Killerpreise« seien das.
Wie Christoph Hantke
Kontakt in den Iran hält, lesen Sie weiter in der ungekürzten
Fassung des Texts. →
Zum Artikel (Z+)
Schon gelesen?
© Nikita Teryoshin für DIE ZEIT
Wer sind die Menschen, die Tauben füttern?
Für viele gelten
sie als Plage und »Ratten der Lüfte«. ZEIT-Autorin Laura Ewert war
einen Tag mit Leuten unterwegs, die sehr viel Zeit und Geld
aufbringen, um Stadttauben zu schützen. →
Zum Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Der
Kammerchor St. Pauli lädt zum »Nocturne« mit dem Pianisten Jason
Ponce unter der Leitung von Tina Schneeweiß in die St. Pauli Kirche.
In diesem Konzert werden Werke von Elder, Lauridsen, J.S. Bach,
Beethoven, Chopin und anderen vorgetragen.
»Nocturne«, St. Pauli Kirche, Pinnasberg 80; Eintritt frei
Meine Stadt
Steg Rabenstraße © Tanja Kemna
Hamburger Schnack
Vier
junge Menschen warten an der U-Bahn Lübecker
Straße und plaudern übers erste
eigene Zuhause. Einer sagt traurig: »Meine Katzen vermisse ich mehr
als meine Eltern.« Eine Freundin antwortet trocken: »Ist doch klar
— mit deinen Eltern kannst du ja telefonieren.«
Gehört
von Nelly Bubenheim
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